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Gastkommentar: Warum sich Deutschland nicht mehr fürchten muss

Die Schuldenkrise zwingt zu harten Einsparungen beim Militär. Aber das ist kein Problem. Denn die Herausforderungen, vor denen Deutschland steht, lassen sich ohnehin nicht mit Waffen lösen. Ein Gastbeitrag

BerlinDie enormen Kosten durch die Eurokrise zwingen die Politiker in Deutschland zur Beantwortung einer fundamentalen Frage: welche Verteidigungspolitik kann und will sich Deutschland noch leisten? Da sowohl eine Rettung als auch ein Fallenlassen Griechenlands für Deutschland sehr teuer werden, schrumpfen die Mittel für alle anderen Politikfelder. Höhere Steuern scheinen von den Wählern auch nicht gewollt zu sein. Deshalb muss die Politik die Frage beantworten, welche kostenträchtigen Schwerpunkte sie setzen muss - und welche sie noch setzen kann.

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Neben wichtigen Politikfeldern wie Arbeitsmarkt-, Sozial-, Infrastruktur- und Klimaschutzpolitik steht die deutsche Sicherheitspolitik vor besonderen Herausforderungen – aber eben auch Spielräumen. Nie zuvor in der deutschen Geschichte war die äußere Bedrohung geringer als heute. Gleichzeitig war die Bündniszugehörigkeit Deutschlands noch nie so unumstritten wie heute. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht beginnt die Bundeswehr gerade ihre weitreichendste Strukturreform seit der Wiedervereinigung,. Und mit dem Start des Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan beginnt der Einstieg in den Ausstieg aus einem Krieg, der den deutschen Steuerzahler insgesamt wohl mehr als 36 Milliarden Euro gekostet haben wird. All dies sind Faktoren, die für eine starke Reduzierung  des Verteidigungsbudgets sprechen.

Andererseits entstehen in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts neue Unsicherheiten und Bedrohungen. Der globale Terrorismus ist mit der Tötung Bin Ladens keineswegs besiegt, immer mehr Staaten haben oder greifen nach der Atombombe, der Mittlere Osten ist instabiler als in den letzten fünfzig Jahren und die maritime Piraterie greift um sich. Gleichzeitig nimmt der Klimawandel zu und droht zu Kriegen um Wasser und Land zu führen. Der Druck durch Flucht und Armut auf fragile Staaten steigt stetig an, auch an Europas Grenzen. Und es ist unklar, aus welchen Quellen sich der große Hunger nach Energie im 21. Jahrhundert speisen soll - und wie sicher diese Energiequellen (etwa in den Wüsten Nordafrikas) sein werden.

Die Münchner Sicherheitskonferenz

  • Gründungsdatum

    Die Münchner Sicherheitskonferenz startete 1962 unter dem Namen „Wehrkundetagung“ .

  • Der Initiator

    Der „Wehrkundetagung“ wurde von dem Verleger Ewald von Kleist, einem Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, gegründet.

  • Sinn & Zweck

    Für Politiker, Militärs und Experten sollte die Tagung Kontaktbörse und freies Diskussionsforum sein. In den ersten Jahren standen die Sicherheit Europas und das Verhältnis zu den USA im Mittelpunkt.

  • Umbenennung & Erweiterung

    Als 1998 Horst Teltschik, der frühere außenpolitischer Berater von Kanzler Helmut Kohl, die Organisation übernahm, legte er Wert auf die Bezeichnung „Sicherheitskonferenz“, weil „Wehrkundetagung“ nicht mehr zum internationalen Charakter des Treffens passte. Er öffnete die Veranstaltung für Teilnehmer aus Osteuropa und Asien.

  • Der neue Gastgeber

    2009 übernahm der langjährige deutsche Botschafter in den USA, Wolfgang Ischinger, die Rolle des Gastgebers.

  • Tagungsort

    Tagungsort ist traditionell das Hotel „Bayerischer Hof“ in der Münchner Innenstadt, das komplett für die Teilnehmer reserviert wird. Abseits des Forums im Ballsaal finden in den Hotelsuiten viele Dutzend bilaterale Treffen statt, daneben pflegen auch Militärs und Manager der Rüstungsindustrie ihre Kontakte.

Ganz klar ist jedoch, dass diese Bedrohungen und Unsicherheiten keine spezifisch deutschen sein werden. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, in denen die Grenzen Deutschlands und die Tektonik der europäischen Großmächte über Krieg und Frieden in Mitteleuropa entschieden. Natürlich hängt  das auch damit zusammen, dass das 21. Jahrhundert kein europäisches Jahrhundert sein wird. Die größten europäischen Mächte sind nur noch globale Mittelmächte, wenn überhaupt. Die großen Schwellenländer  werden ökonomisch und politisch dominieren - egal wie der Sicherheitsrat seine Beschlüsse fasst. Das bedeutet ganz klar: Deutschland kann - zum Glück! - keine militärische Gefahr mehr sein. Und es braucht - und auch das zum Glück! - keinen militärischen Schutz vor seinen Nachbarn mehr.

  • 03.02.2012, 15:21 UhrAnonymer Benutzer: Londoner

    Deutschland sollte sich im 21. Jahrhundert auf das beschraenken, was es kann. Militaerisch handeln kann es nicht. Sein politischer Einfluss ist auf Europa beschraenkt. Seine Produkte werden jedoch auch in den entferntesten Winkeln der Erde begehrt und gekauft. Das ist seine Staerke und dort sollte der Fokus und Ehrgeiz liegen. Die Schweiz macht's vor.

  • 03.02.2012, 13:46 UhrAnonymer Benutzer: LBS

    Lieber Herr Brück,

    wenn wir etwas die letzten Jahre gelernt haben sollten, dann das, dass die Welt sich von einem auf den anderen Tag dramatisch verändern kann. Vor diesem Hintergrund die Bundeswehr zu einem Kleinbetrieb schrumpfen zu wollen, nur weil vermeintlich keine aktuellen Bedrohungen erkennbar sind, ist schon sträflicher Leichtsinn. Ihre Aussage, dass im Ernstfall die europäischen Partner das schon alleine in den Griff bekommen, wird bei diesen sicher auf helle Begeisterung stoßen.
    Ihre rein ökonomische Sicht der Dinge wird dem Thema auch nicht ansatzweise gerecht. Der Staat hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten. Dazu gehört auch ein handlungsfähiges Militär, welches in der Lage ist mögliche Bedrohungen abzuwehren, auch wenn die gerade nicht aktuell sind.

  • 03.02.2012, 13:22 UhrAnonymer Benutzer: Peter13

    "Onkel Brücks Märchenstunde" Selten soviel Schwachsinn gehört!

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