Gastkommentar Weg mit dem Einheits-Euro

Der Euro, so wie er ist, provoziert eine Spaltung nicht nur zwischen den Geber- und den Nehmerländern. Warum also nicht aus der einen Währung zwei machen - und den „Nord-Euro“ einführen?
  • Hans-Olaf Henkel
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Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident. Quelle: dpa

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident.

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Die gestrige Entscheidung des BVG hat zwar ein paar parlamentarische Hürden aufgestellt, aber sie ändert nichts daran, dass die Bundesregierung mit ihrer „alternativlosen“ Euro-Politik in Richtung einer Transferunion weiterlaufen kann. Dabei drängt sich eine Alternative zur heutigen Euro-Politik geradezu auf, wenn man sich gezielt mit den drei Ursachen der Krise befasst.

Erstens stehen als Langzeitfolge der Finanzkrise viele Banken auf wackligen Füßen. So manches Rettungspaket für den Euro entpuppt sich als eins für Banken. Zweitens sind einige Euro-Länder massiv überschuldet. Drittens trägt auch der Euro Schuld an der gegenwärtigen Misere. So hätte sich weder Griechenland ohne niedrige Euro-Zinsen so hoch verschulden können, noch wäre in Spanien eine derartige Immobilienblase entstanden. Auch nahm der Euro den Ländern im Süden die Möglichkeit, durch Abwertungen wettbewerbsfähig zu bleiben. Schließlich führt die Einheitswährung zu einer Spaltung zwischen den „Geber- und Nehmerländern“ in der Euro-Zone und zu einem Graben zwischen diesen und den zehn Nicht-Euro-Staaten.

Wenn die Politiker mit dem Rückenwind des BVG-Urteils den Einheits-Euro weiter verteidigen, „koste es (die Deutschen), was es wolle“, wird jedes Land für die Schulden aller Länder verantwortlich. Wir kennen das Ergebnis aus dem deutschen Länderfinanzausgleich: organisierte Verantwortungslosigkeit! Auch ein teilweiser Schuldenerlass oder die Variante, Griechenland aus dem Euro zu werfen, würde nicht nur zum Sturm auf die Banken Athens, sondern sofort zu Dominoeffekten in anderen Ländern führen. Höchste Zeit, sich einer Alternative zuzuwenden, die den Knoten aus Finanzkrise, Euro-Krise und Verschuldungskrise löst.

Als Erstes müssen die Rettungsschirme renationalisiert werden. Französische Banken sollten durch französische Steuerzahler gerettet werden, nicht durch deutsche. Dazu müssen in Frankreich und anderswo die Banken temporär verstaatlicht werden. In den USA und in Schweden wurde das erfolgreich vorexerziert. Für Deutschland wäre das irrelevant, da sich schon fast zwei Drittel der Banken in staatlicher Hand befinden.

Statt den Euromantikern weiterhin das Heft des Handelns zu überlassen, sollte Merkel es selbst in die Hand nehmen und zusammen mit Ländern, die auf eine ähnliche Finanz- und Wirtschaftskultur zurückblicken, eine neue Währung begründen (Arbeitstitel: „Nord-Euro“). Neben Deutschland kämen hier Österreich, die Niederlande und Finnland infrage, aber auch Länder, die sich bis heute nicht für den Einheits-Euro entscheiden konnten, wie zum Beispiel Schweden.

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57 Kommentare zu "Gastkommentar: Weg mit dem Einheits-Euro"

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  • Tatsache ist: Es fließt aber mehr Geld von Süden nach Norden als umgekehrt, daher die Schulden.

  • Man müsste bei solcher Leute auf einen psychologischer Test bestehen, (wie der Idiotentest für den Führerschein)
    Das jeder hier sein Unwesen breit machen darf scheint mir nicht sinnvoll. Wozu auch?

  • Herr Henkel: Benutzen Sie endlich ihre Telefonliste und gründen Sie möglichst schnell eine Partei, um den maximalen Schaden für Deutschland zu verhindern!

  • Das sich Ausdifferenzieren "on the way" ist nett gesagt. Das hätte vor der Einführung der Währungsunion, die viel zu früh kam, passieren müssen, nicht danach.
    Ein Systemfehler, der nur sehr schwer, wenn überhaupt,korrigierbar ist.

  • Sie werden, wenn sich die durchsetzen, die schon im Mai 2010 Griechenland unbegrenzte Garantien geben wollten. Dies hätte zwangsläufig zu einer Euro-Lira geführt und die jetzigen Beschlüssen der praktisch unbegrenzten Schuldenunion führen verlangsamt und in Schritten ebenso dorthin. Das ist absolut sicher, da Geld nicht auf Bäumen wächst und entweder erwirtschaftet oder gedruckt werden muss.

  • Ihre planwirtschaftlichen Träume könnten vielleicht zu einer Konvergenz führen aber eben nur auf viel niedrigerem gemeinsamen Niveau. Schauen Sie sich die französische Wirtschaf, die ein Kind eines solchen Dirigismus ist, im Vergleich zur deutschen an. Ein solches System europaweit hilft niemanden. Entweder man spielt in einer Liga mit entsprechendem Wettbewerb, was aber nur Sinn macht, wenn alle auch ein vergleichbares Potential haben oder man schafft wieder mehrere Ligen (Währungen) mit Kresi- und Bezirksklasse, so dass es auch wieder mehrere Gewinner geben kann.

  • Die Schuldenbremsen sind sicher ein wichtiger symbolischer Schritt. Ihre praktische Bedeutung dürfte aber gering sein, da sie durch Ausnahmen und die bevorstehenden jahrelangen Nothaushalte ausgehebelt und so zur Makulatur werden.

    Dass die deutsche Politik dafür Sorge zu tragen hat, die deutschen Sparer und Rentner zu schützen und die Auflösung ihrer Kaufkraft im schwarzen Loch eines dysfunktionalen Finanzbetrugssystems zu verhindern dessen eine Facette der Euro leider nun mal ist, wie Herr Henkel sehr schön analysiert, ist kein "Vermögenspopulismus" sondern selbstverständlich. Dass die Vermögen, die vom Finanzbetrugssystem leistungslos profitiert haben, zur Überwindung der Situation auch ordentlich herangezogen werden müssen, da nur dort, wo etwas zu holen ist, auch Transfers ansetzen können, ist sicher richtig.

  • Das Einzige was bei dieser Partei mit Vernunft zu tun hat ist ihr Name, ansonsten ist das eine zusammengewürfelte Hybris nationaler und pseudowissenschaftlicher Einfaltspinsel. Die ihre kruden Vorstellungen wie eine Monstranz vor sich hertragen, aber in der Sache völlig substanzloses Zeug daherschwafeln.

  • FRagt sich nur wo der "Wohlstandgewinn" geblieben ist. Beim Normalbürger ist lediglich die ausgefallen "Sozialdividende" aufgefallen.

  • Man muß auch damit rechnen, daß Merkel wie Henkel die Griechen nicht im Euroraum haben will. Nur kann das ein Regierungschef nicht so einfach sagen. So halte ich eine Vorgehensweise für möglich, daß GR derart harte Bedingungen zu erfüllen hat, die Griechenland zum Austritt zwingen. Die Goldaufkäufe sehe ich in diesem Zusammenhang und vielleicht liegt die frisch gedruckte Drachme längst im Bunker.
    Mit einem Sparhaushalt, und das ist meine Überzeugung, ist bei abflauender Konjunktur GR nicht geholfen. Der Dreh- und Angelpunkt ist und bleibt ein Konjunkturprogramm, das das Fördergeld in verdoppelter Menge in die Staatskasse zurückführt. Wir haben das einmal bis zum Sättigungspunkt so gemacht.

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/191/2/

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