Gastkommentar
Weg mit dem Einheits-Euro

Der Euro, so wie er ist, provoziert eine Spaltung nicht nur zwischen den Geber- und den Nehmerländern. Warum also nicht aus der einen Währung zwei machen - und den „Nord-Euro“ einführen?
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Die gestrige Entscheidung des BVG hat zwar ein paar parlamentarische Hürden aufgestellt, aber sie ändert nichts daran, dass die Bundesregierung mit ihrer „alternativlosen“ Euro-Politik in Richtung einer Transferunion weiterlaufen kann. Dabei drängt sich eine Alternative zur heutigen Euro-Politik geradezu auf, wenn man sich gezielt mit den drei Ursachen der Krise befasst.

Erstens stehen als Langzeitfolge der Finanzkrise viele Banken auf wackligen Füßen. So manches Rettungspaket für den Euro entpuppt sich als eins für Banken. Zweitens sind einige Euro-Länder massiv überschuldet. Drittens trägt auch der Euro Schuld an der gegenwärtigen Misere. So hätte sich weder Griechenland ohne niedrige Euro-Zinsen so hoch verschulden können, noch wäre in Spanien eine derartige Immobilienblase entstanden. Auch nahm der Euro den Ländern im Süden die Möglichkeit, durch Abwertungen wettbewerbsfähig zu bleiben. Schließlich führt die Einheitswährung zu einer Spaltung zwischen den „Geber- und Nehmerländern“ in der Euro-Zone und zu einem Graben zwischen diesen und den zehn Nicht-Euro-Staaten.

Wenn die Politiker mit dem Rückenwind des BVG-Urteils den Einheits-Euro weiter verteidigen, „koste es (die Deutschen), was es wolle“, wird jedes Land für die Schulden aller Länder verantwortlich. Wir kennen das Ergebnis aus dem deutschen Länderfinanzausgleich: organisierte Verantwortungslosigkeit! Auch ein teilweiser Schuldenerlass oder die Variante, Griechenland aus dem Euro zu werfen, würde nicht nur zum Sturm auf die Banken Athens, sondern sofort zu Dominoeffekten in anderen Ländern führen. Höchste Zeit, sich einer Alternative zuzuwenden, die den Knoten aus Finanzkrise, Euro-Krise und Verschuldungskrise löst.

Als Erstes müssen die Rettungsschirme renationalisiert werden. Französische Banken sollten durch französische Steuerzahler gerettet werden, nicht durch deutsche. Dazu müssen in Frankreich und anderswo die Banken temporär verstaatlicht werden. In den USA und in Schweden wurde das erfolgreich vorexerziert. Für Deutschland wäre das irrelevant, da sich schon fast zwei Drittel der Banken in staatlicher Hand befinden.

Statt den Euromantikern weiterhin das Heft des Handelns zu überlassen, sollte Merkel es selbst in die Hand nehmen und zusammen mit Ländern, die auf eine ähnliche Finanz- und Wirtschaftskultur zurückblicken, eine neue Währung begründen (Arbeitstitel: „Nord-Euro“). Neben Deutschland kämen hier Österreich, die Niederlande und Finnland infrage, aber auch Länder, die sich bis heute nicht für den Einheits-Euro entscheiden konnten, wie zum Beispiel Schweden.

Kommentare zu " Gastkommentar: Weg mit dem Einheits-Euro"

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  • Tatsache ist: Es fließt aber mehr Geld von Süden nach Norden als umgekehrt, daher die Schulden.

  • Man müsste bei solcher Leute auf einen psychologischer Test bestehen, (wie der Idiotentest für den Führerschein)
    Das jeder hier sein Unwesen breit machen darf scheint mir nicht sinnvoll. Wozu auch?

  • Herr Henkel: Benutzen Sie endlich ihre Telefonliste und gründen Sie möglichst schnell eine Partei, um den maximalen Schaden für Deutschland zu verhindern!

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