Gastkommentar zur Euro-Krise Deutsche Banken feierten mit

Aus Sicht des früheren britischen Premierministers Gordon Brown trägt Deutschland eine Mitschuld an der Euro-Krise. Deutsche Banken hätten die Getränke spendiert für rauschende Feste in Spanien, Irland und Portugal.
  • Gordon Brown
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huGO-BildID: 17403040 Britain's Prime Minister Gordon Brown holds a news conference at the end of an European Union leaders summit in Brussels, March 26, 2010. Euro zone leaders agreed on Thursday to create a joint financial safety net with the IMF to help debt-ridden Greece and to try to restore confidence in their common currency after weeks of wrangling. REUTERS/Sebastien Pirlet (BELGIUM - Tags: BUSINESS POLITICS) Quelle: Reuters

huGO-BildID: 17403040 Britain's Prime Minister Gordon Brown holds a news conference at the end of an European Union leaders summit in Brussels, March 26, 2010. Euro zone leaders agreed on Thursday to create a joint financial safety net with the IMF to help debt-ridden Greece and to try to restore confidence in their common currency after weeks of wrangling. REUTERS/Sebastien Pirlet (BELGIUM - Tags: BUSINESS POLITICS)

(Foto: Reuters)

Ich kann die rebellische Stimmung in Deutschland sehr gut verstehen. Der deutsche Ärger über die Krise in der Euro-Zone ist wohlbegründet. Während der vergangenen zehn Jahre haben die Deutschen auf Löhne verzichtet, strukturelle Reformen ertragen und fünf Millionen Arbeitslose akzeptiert, während die Wirtschaft modernisiert wurde. Spanien, Irland, Portugal und andere haben derweil rauschende Feste mit niedrigen Zinsen gefeiert.

Kein anderes Land hätte es geschafft, die Kosten der Integration von 16 Millionen Ostdeutschen zu schultern, dem Euro zu einem wenig attraktiven Kurs beizutreten und dennoch die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Deutschland verfügt jetzt über Europas stärkste Wirtschaft, Angela Merkel und die Deutschen verdienen Anerkennung. Wenn das jedoch die einzige Story wäre, dann wäre die Lösung für die Krise simpel. Einfach dem deutschen Modell folgen: Sparen, und wenn das nicht genug ist, mehr sparen.

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Vor drei Jahren, als die Finanzkrise zum ersten Mal zuschlug, definierte die deutsche Regierung das Problem rasch als ein angelsächsisches und machte die USA und Großbritannien dafür verantwortlich. Ein Jahr später, als sich die Finanzkrise zu einer globalen wirtschaftlichen ausweitete, retteten sich die Deutschen auf sicheres Terrain, indem sie die weltweite Krise nicht als eine Finanzkrise sahen, sondern in eine Krise von Staatsdefiziten und Schulden umtitulierten. Deutschland hat jedwede Schuld für alles, was fehlgelaufen war, abgelehnt. Die Deutschen können die Übernahme von teuren Maßnahmen zur Lösung der Krise aber nur solange zurückweisen, wie sie behaupten können, sie seien nicht die Ursache des Problems.

Deutschland hat jedoch der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge 1,5 Billionen Dollar an Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien ausgeliehen. Beim Ausbruch der Krise hielten deutsche Banken 30 Prozent aller Darlehen für diese Länder. Wenn man das deutsche Engagement im US-Hypothekenmarkt und in spekulative Anlagen auf dem europäischen Grundstücksmarkt hinzurechnet, dann wird klar, dass deutsche Banken die Getränke spendiert haben, wo immer eine Party stattfand. Deshalb sind deutsche Banken wesentlich tiefer in die Krise verstrickt als die Banken irgendeiner anderen entwickelten Volkswirtschaft. Sie schultern laut IWF das Zweieinhalbfache der US-Banken.

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19 Kommentare zu "Gastkommentar zur Euro-Krise: Deutsche Banken feierten mit"

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  • Ja...es ist jener Gordon Brown...der mal lieber für ein wenig mehr Europa auf der Insel werben , bzw. vielleicht besser gleich samt der Insel raus auf das offene Meer schippern sollte!

  • Lieber vor der eigenen Tür fegen...Mr Brown!!!

  • Naja...das sehe ich nicht so...allein das Zitat ses Artikels "Aber Deutschland muss eingestehen, dass es ein Bestandteil bei der Lösung des Problems ist, weil es auch ursächlich für dessen Entstehen war."...lässt sich dahingehend umkehren, dass das aufblühende Deutsche Reich Grossbritannien wirschaftlich und politisch ein Dorn im Auge war und mit das Versailler Diktat die Zerschlagung der Wirtschaftskraft/macht Deutschlands beinhaltete...Kriegsschuldfrage diskussionsbedürftig...die "Wiedergutmachungsleistungen" (letzte Zahlungen im vergangenem Jahr !!)führte zur Radikalisierung in deutschland , die jene Auflagen nie targen konnten und damit zur radikalisierung der Massen und zum Nationalsozialismus...ohne jenes diktat hätte es keine Nazis, keinen WWII, keinen Holocaust, keine Stellvertreterkriege wie Vietnam gegeben...

  • Wie erfrischend die Offenheit, vom ehemaligen britischen Premierminister klar zu hören, dass unsere deutsche Politik mit ihrer vorgeschobenen Solidarität mit Schuldnerstaaten vor allem die Rettung unserer eigenen Banken anstrebt, die mangels gesetzlicher Rahmenbedingungen unverantwortlich hohe Risiken eingegangen sind. Eine Offenheit, die auch anderen Gastbeiträgen gut täte, in denen sich etwa unser Arbeitgeberpräsident Sorgen um die Familie macht statt um Arbeitskräfte oder noch besser, ausgerechnet der Grünenchef Trittin Sorgen um unser wirtschaftliches Wachstum statt um Abbau von Umweltbelastung. Es lohnt sich allerdings, sich klar zu machen, was diese Herren tatsächlich bewegt.

  • Nach seiner eigenen Philosophie muesste er Grossbrittanien aber auch hier eine Mitschuld einraeumen. So gesehen ist dieses, wie auch Gordon Browns Argument Bullshit. Man kann nicht den Kaeufer dafuer dafuer anklagen, dass ihm schlechte Ware verkauft wird. Ausserdem hoere ich nur ungern solche Worte von dem Premier eines Landes, dass sich partout nicht zur Mitverantowrtung im Euro bekennen moechte. Er sollte doch lieber vor seiner eigenen Tuer fegen ...

  • Interessante Logik eines Politikers - und nicht eines Wissenschaftlers. Deutsche Banken sind also verstrickt, weil sie Geld verliehen haben? Hätte man sich das Geld nicht auch von anderen Banken leihen können? Wollen die deutschen Banken nicht irgendwann ihr Geld zurück? Ist neuerdings derjenige Schuld, der Geld verleiht und nicht der, der es verprasst? Immerhin haben wir es hier nicht mit entmündigten Spielsüchtigen zu tun, sondern wir reden hier nun über Volkswirtschaften...

  • Nette Rede. Warum tritt Großbritannien nicht dem Euro-Raum bei? Vielleicht weil es keine Euro-Bonds und Fiskalunion will?

  • --@ nobum

    Ironie ist Ihnen ein unbekanntes Wort?

  • Herr Brown hat recht. Deutschland ist der Hauptschuldige. Es hat seine Wirtschaft auf Kosten seiner Arbeitnehmer im und mit den Schulden anderer Länder flott gemacht. Niemand hat Deutschland gezwungen anderen Ländern in diesem Ausmaß Geld zu leihen. Sollte Deutschland nicht einsichtig werden und seine eigenen Hausaufgaben machen, wird es schwierig aus der Finanzkrise heraus zu kommen. Das Schlimme ist, dass unsere Politiker das Grundsäzliche der Krise nicht wahrhaben wollen, vielleicht auch gar nicht verstehen und deshalb mit den billigen Tricks der Finanzlobby liebäugeln. Das kann aber nur in weitere Katastrophen führen. Die Banken müssen verantworten, was sie angerichtet haben. Solange das nicht geschieht, wird die Krise sich fortfressen und neue Rettungsschirme generieren. Insoweit hat die Politik in der Hand, diesem Unsinn ein Ende zu setzen. Das heißt nicht mehr auf die Ackermanns, Issings, Hüthers und Sinns zu hören, sondern sich frei machen von neoliberalen Ideologien.

  • @ SollundHaben : Sie haben im Geschichtsunterricht und bei Guido Knopp immer gut aufgepaßt! Gratuliere zu ihrem "umfangreichen" Geschichtswissen.

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