Gastkommentar zur Euro-Krise
Deutsche Banken feierten mit

Aus Sicht des früheren britischen Premierministers Gordon Brown trägt Deutschland eine Mitschuld an der Euro-Krise. Deutsche Banken hätten die Getränke spendiert für rauschende Feste in Spanien, Irland und Portugal.
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Ich kann die rebellische Stimmung in Deutschland sehr gut verstehen. Der deutsche Ärger über die Krise in der Euro-Zone ist wohlbegründet. Während der vergangenen zehn Jahre haben die Deutschen auf Löhne verzichtet, strukturelle Reformen ertragen und fünf Millionen Arbeitslose akzeptiert, während die Wirtschaft modernisiert wurde. Spanien, Irland, Portugal und andere haben derweil rauschende Feste mit niedrigen Zinsen gefeiert.

Kein anderes Land hätte es geschafft, die Kosten der Integration von 16 Millionen Ostdeutschen zu schultern, dem Euro zu einem wenig attraktiven Kurs beizutreten und dennoch die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Deutschland verfügt jetzt über Europas stärkste Wirtschaft, Angela Merkel und die Deutschen verdienen Anerkennung. Wenn das jedoch die einzige Story wäre, dann wäre die Lösung für die Krise simpel. Einfach dem deutschen Modell folgen: Sparen, und wenn das nicht genug ist, mehr sparen.

Vor drei Jahren, als die Finanzkrise zum ersten Mal zuschlug, definierte die deutsche Regierung das Problem rasch als ein angelsächsisches und machte die USA und Großbritannien dafür verantwortlich. Ein Jahr später, als sich die Finanzkrise zu einer globalen wirtschaftlichen ausweitete, retteten sich die Deutschen auf sicheres Terrain, indem sie die weltweite Krise nicht als eine Finanzkrise sahen, sondern in eine Krise von Staatsdefiziten und Schulden umtitulierten. Deutschland hat jedwede Schuld für alles, was fehlgelaufen war, abgelehnt. Die Deutschen können die Übernahme von teuren Maßnahmen zur Lösung der Krise aber nur solange zurückweisen, wie sie behaupten können, sie seien nicht die Ursache des Problems.

Deutschland hat jedoch der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge 1,5 Billionen Dollar an Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien ausgeliehen. Beim Ausbruch der Krise hielten deutsche Banken 30 Prozent aller Darlehen für diese Länder. Wenn man das deutsche Engagement im US-Hypothekenmarkt und in spekulative Anlagen auf dem europäischen Grundstücksmarkt hinzurechnet, dann wird klar, dass deutsche Banken die Getränke spendiert haben, wo immer eine Party stattfand. Deshalb sind deutsche Banken wesentlich tiefer in die Krise verstrickt als die Banken irgendeiner anderen entwickelten Volkswirtschaft. Sie schultern laut IWF das Zweieinhalbfache der US-Banken.

Kommentare zu " Gastkommentar zur Euro-Krise: Deutsche Banken feierten mit"

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  • Ja...es ist jener Gordon Brown...der mal lieber für ein wenig mehr Europa auf der Insel werben , bzw. vielleicht besser gleich samt der Insel raus auf das offene Meer schippern sollte!

  • Lieber vor der eigenen Tür fegen...Mr Brown!!!

  • Naja...das sehe ich nicht so...allein das Zitat ses Artikels "Aber Deutschland muss eingestehen, dass es ein Bestandteil bei der Lösung des Problems ist, weil es auch ursächlich für dessen Entstehen war."...lässt sich dahingehend umkehren, dass das aufblühende Deutsche Reich Grossbritannien wirschaftlich und politisch ein Dorn im Auge war und mit das Versailler Diktat die Zerschlagung der Wirtschaftskraft/macht Deutschlands beinhaltete...Kriegsschuldfrage diskussionsbedürftig...die "Wiedergutmachungsleistungen" (letzte Zahlungen im vergangenem Jahr !!)führte zur Radikalisierung in deutschland , die jene Auflagen nie targen konnten und damit zur radikalisierung der Massen und zum Nationalsozialismus...ohne jenes diktat hätte es keine Nazis, keinen WWII, keinen Holocaust, keine Stellvertreterkriege wie Vietnam gegeben...

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