Gauck in Paris
Ein „glücklicher Präsident“ stützt Hollande

Beim ersten Staatsbesuch des deutschen Bundespräsidenten im Elysée-Palast bekommt Frankreichs Präsident Hollande mehr politische Rückendeckung in der Syrien-Frage, als der vielleicht selber erwartet hat.
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ParisBundespräsident Joachim Gauck ist am Dienstag zu seinem ersten Staatsbesuch in Frankreich eingetroffen. Doch als er nach anderthalb Stunden mit Staatspräsident Francois Hollande am Nachmittag vor die Medien tritt wirkt es so, als kennten die beiden sich schon lange und verständen sich gut. Nichts ist von der elektrischen Spannung zu spüren, die zwischen Kanzlerin und Präsident in der Luft zu liegen scheint, wenn Merkel und Hollande nebeneinander stehen.
Die freundlichen Worte des Staatspräsidenten beantwortet Gauck ebenso herzlich, ohne in die Floskeln der deutsch-französischen Berufsfreundschaft zu verfallen. Er spricht sehr persönlich über seinen ersten Besuch in Paris, als er mit 15 Jahren, noch vor dem Mauerbau, durch die Stadt lief. „Und heute fahre ich in der Staatskarosse über dieselben Champs Elysées und bwundere diese Stadt, ihr Licht und ihre Farben, und diesen Präsidenten in seinem Schloss“. Mit Witz und Finesse macht Gauck deutlich, dass er sich wirklich „auf diesen Besuch gefreut“ hat. Gauck beweist, was Franzosen besonders mögen: Esprit.

Hollande begrüßt Gauck im Elysée-Palast als „außergewöhnlichen Präsidenten, wegen der Kämpfe, die Sie in der DDR geführt haben“. Und er dankt ihm dafür, dass er als erste deutsche Persönlichkeit nach Oradour sur Glane fahren wird, das Dorf, dass SS-Soldaten dem Erdboden gleich machten, nachdem sie 624 Franzosen ermordet hatten. Gauck bedankt sich seinerseits für „die Gnade, die mir gewährt wird“ nach Oradour fahren zu können. Dort werde er „die Hand dafür ins Feuer legen, dass das heutige Deutschland ein ganz anderes ist als das, was in der Erinnerung der Überlebenden herumspukt.“
Hollande kommt von der Vergangenheit sehr schnell zur Gegenwart, spricht die gemeinsame Verantwortung für Europa an und „die Tragödien der Gegenwart“. Dem syrischen Diktator Assad müsse eine gebührende Antwort erteilt werden für den Giftgas-Angriff auf die eigene Bevölkerung.
An diesem ernsten Thema könnten Differenzen aufbrechen. Schließlich will Hollande einen Militärschlag führen, während in Deutschland von der Regierung bis zur Opposition ein Angriff auf Syrien strikt abgelehnt wird. Gauck erweist sich als trittsicher auf diesem glatten Parkett und betont, dass „Rechtsbrüche wie ein Giftgasangriff unerträglich sind und eine angemessene Reaktion erfordern“. Er macht aber auch deutlich, dass „Deutschland bei internationalen Einsätzen anders vorgeht als Frankreich“, wofür es verschiedene Gründe gebe. Doch genau wie die französische Regierung fände auch Deutschland es „unerträglich, wenn der Diktator für seine Tabubrüche keine Antwort erführe.“ Das ist mehr politische Rückendeckung für Hollande, als der vielleicht selber erwartet hat.

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„Die Sonne scheint über diesem Besuch“

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  • „Und heute fahre ich in der Staatskarosse über dieselben Champs Elysées
    und bwundere diese Stadt, ihr Licht und ihre Farben,
    und diesen Präsidenten in seinem Schloss“
    ---------
    Toll..wie ein Kleinkind unterm Christbaum,oder wie
    ein lange weggesperrter in Freiheit.
    Alles so schön bunt hier.
    Man merkt immer noch,das der Osten um Jahre
    hinter dem Westgeschehen zurückhängt.
    Warum fragt er nicht,wenn er schon an Ort und
    Stelle ist,warum Frankreich die Wiedervereinigung
    nur für die Abschaffung der D-Mark wollte.
    Deutschlands Atombombe wie sie es nannten.
    Stattdessen wieder Kniefall und Demutsbekundungen.

  • Jedes Vok hat die Regierung die es verdient hat. Nicht die Politiker wählen Mehrheiten, dass Volk wählt sie. Die durchschnittliche Bildung in den Bereichen Wirtschaft, Sozials und Politik ist in Deutschland vergleichbar mit dem Bildungsquotienten der gemeinen Waldameise. Der Unterschied zwischen Wähler und Waldameise liegt ledglich darin, dass eine Waldameise nicht wahlberechtigt ist.
    Also Volk wählt Ossitussi und Westerwelli in Amt und ...
    Ossitussi hebt Ossidepp ins Amt. Ossidepp geht zu litle Napoleon und reisst dem armen Kerl aber gewaltig der Ar... auf und steckt seinen Kopf rein.
    Wenn es nicht die bittere Warheit wäre, könte man glatt drüber lachen.

  • @Mazi

    Zustimmung. Doch leider ist er IMMER NOCH Pastor und wird es auch immer bleiben.

    Ich glaube, der meint das wirklich ernst. Der GLAUBT tatsächlich das offizielle Gebabbel, dass der Assad das war.

    Er ist so herrlich unbedarft, so NETT, so naiv, so herrlich an das Gute im Menschen glaubend - das aber halt leider nur 50% des Menschein umfasst.

    Letztlich ein naiver Träumer, der wunderbar mit ein paar 'Habt-Euch-alle-Lieb'-Leckerli ausgerichtet werden kann...

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