Gaza-Abzug
Radikale Siedler belegen Scharon mit Todesfluch

Mit einem neuen Massenprotest wollen israelische Siedlerführer den geplanten Abzug aus dem Gazastreifen doch noch stoppen. Die Wut der Radikalen ist so groß, dass sie Ministerpräsident Ariel Scharon zudem mit einem religiösen Todesfluch belegten. Nur vor dem Mord am früheren Präsidenten Rabin waren schon einmal ähnliche Drohungen ausgesprochen worden.

HB JERUSALEM. Wie die israelische Tageszeitung „Jedioth Achronoth“ berichtete, hielten etwa 20 ultrarechte Israelis die Verwünschungszeremonie auf einem alten Friedhof in Rosch Pina im Norden Israels ab. Vor etwa zehn Jahren war Ministerpräsident Izchak Rabin Wochen vor dem Mordanschlag mit einer derartigen Zeremonie verflucht worden, der in der jüdischen Tradition äußerst selten angewandten „Pulsa Denura“. Danach wurde ein Teilnehmer der Zeremonie wegen Hetze verurteilt.

Zudem kündigten israelische Siedlerführer neue Massenproteste gegen den von Mitte August an geplanten Abzug aus dem Gazastreifen an. Eine Woche nach einem Demonstrationszug im Süden Israels riefen sie in Jerusalem ihre Anhänger dazu auf, sich in der Kleinstadt Sderot zu einem Protestmarsch auf den von der Armee abgesperrten Siedlungsblock Gusch Katif zu sammeln.

Ziel der Abzugsgegner ist es, ungeachtet amtlicher Verbote zehntausende Demonstranten in die Siedlungen im Gazastreifen zu bringen, um eine Räumung unmöglich zu machen. Der Abzug soll damit zumindest verschoben werden, so dass mit Neuwahlen über eine Räumung entschieden würde. „Diesmal gehen wir nicht nach Hause, bevor der Vertreibungsplan vereitelt ist“, sagte ein Siedlerführer. In der vergangenen Woch waren etwa 20 000 Demonstranten mit einem Protestmarsch gescheitert, weil die Polizei sie über mehrere Tage blockiert hatte

Unterdessen bereitete sich die israelische Armee Medienberichten zufolge darauf vor, militante Palästinenser mit einem Militärschlag an Angriffen auf abziehende Soldaten und Siedler zu hindern. „Es wird keine andere Wahl geben, als palästinensische Angriffe auf den laufenden Abzug mit einem groß angelegten Militäreinsatz zu verhindern“, zitierte die israelische Tageszeitung „Maariv“ am Mittwoch führende Offiziere.

Es sei wahrscheinlich, dass Palästinenser aus dem Gazastreifen die abziehenden Siedler und Soldaten attackieren würden. Die Armee habe eine Operation unter dem Decknamen „Gepanzerte Faust“ geplant, um die Siedlungen im Gazastreifen mit einer Sicherheitszone zu schützen. Das Militär wolle aber einen Dialog mit der Palästinenserführung.

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