Gaza-Konflikt
Chancen auf Kriegsende in Gaza schwinden

Das Waffenstillstandsangebot der Hamas hatte zunächst Wirkung gezeigt, Israel erwog, seine Offensive im Gazastreifen abzuschließen. Doch einen Waffenstillstand zu den von Israel gestellten Bedingungen lehnt die Hamas ab.

HB DUBAI/GAZA-STADT. Seine Gruppierung werde solange weiterkämpfen, bis die Israelis ihre Offensive im Gazastreifen beendeten, sagte Hamas-Führer Chaled Maschaal am Freitag. Der bewaffnete Widerstand der Hamas werde nicht besiegt werden. Zugleich appellierte Maschaal an die in Katars Hauptstadt Doha versammelten arabischen Staats- und Regierungschefs, alle Beziehungen zu Israel abzubrechen.

Zuvor hatte es von der israelischen Regierung geheißen, angesichts erwarteter Berichte von Außenministerin Zipi Liwni und des Gesandten Amos Gilad könne das israelische Sicherheitskabinett rasch ein Ende des Krieges beschließen. In Regierungskreisen wurde eine Entscheidung für Freitag oder Samstag in Aussicht gestellt. Seit Beginn der Kämpfe Ende Dezember sind mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen.

Liwni wollte mit der scheidenden US-Regierung konferieren, Gilad in Kairo mit den ägyptischen Vermittlern über den Hamas-Vorschlag beraten. Die radikal-islamische Organisation hat einen einjährigen und verlängerbaren Waffenstillstand angeboten. Bedingung sei, dass sich Israel binnen einer Woche aus dem Gazastreifen zurückzieht und alle Grenzübergänge zwischen dem Küstenstreifen und Ägypten wieder eröffnet werden, hieß es in Kreisen von Hamas und von Diplomaten.

Gilad will sich israelischen und westlichen Kreisen zufolge in Kairo um Änderungen an dem Vorschlag bemühen. So hat Israel Vorbehalte gegen eine Begrenzung der Feuerpause. Das habe sich in der Vergangenheit als Fehler erwiesen. „Es muss ein unbefristeter Waffenstillstand sein“, sagte ein ranghoher israelischer Vertreter. Israel hatte fortgesetzte Raketenangriffe der Hamas am 27. Dezember zum Anlass seiner Offensive im Gazastreifen genommen.

Eine Hauptbedingung Israels für eine Waffenruhe ist, dass durch internationale Garantien eine Wiederbewaffnung der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen unterbunden wird.

Unterdessen forderte Russland Iran und Syrien auf, die Hamas zur Annahme eines Waffenstillstandsplans im Gaza-Krieg anzunehmen. Der von Ägypten vorgelegte Vorschlag „ist aus unserer Sicht optimal“, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Dies sei der Hamas und „den Staaten, die auf sie Einfluss haben“, nahegelegt worden. „Das sind insbesondere der Iran und Syrien.“ Russland hat enge Verbindungen beiden Staaten. Zudem unterhält die Regierung in Moskau offizielle Beziehungen zur Hamas, die im Westen wegen ihrer israelfeindlichen Haltung geächtet ist.

Nach neuen Kämpfen am Freitagmorgen will die israelische Armee eine vier Stunden lange Feuerpause nutzen, um humanitäre Hilfsgüter in den Gazastreifen zu liefern. Insgesamt sollen 135 Lastwagen die Grenze passieren. Darüber hinaus wird auch Treibstoff in das Palästinensergebiet geliefert.

In einer ersten Bilanz der dreiwöchigen Militäroffensive hieß es, israelische Kampfflugzeuge hätten mehr als 2000 Ziele angegriffen. 60 bis 70 Prozent aller Schmuggeltunnel seien zerstört worden. Im Gegenzug hätten militante Palästinenser seit dem 27. Dezember mehr als 700 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde sind mindestens 1133 Menschen getötet und weitere 5200 verletzt worden. Auf israelischer Seite starben 13 Menschen.

Die israelische Armee berichtete unterdessen, erstmals seit Wochen seien in der Nacht zum Freitag keine Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden. Die israelische Luftwaffe griff derweil 40 Ziele in dem dicht besiedelten Küstenstreifen an. Bei Anbruch des Tages war es in dem Gebiet relativ ruhig.

Die radikalislamische Hamas rief erneut alle Palästinenser und Muslime zu einem „Tag des Zorns“ nach dem traditionellen Freitagsgebet auf. Aus Sorge vor weiterer Gewalt hat Israel das palästinensische Westjordanland bis in die Nacht zum Sonntag abgeriegelt.

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