Gaza-Konflikt
Harte Kritik nach Angriff auf Uno-Schule

Im Nahost-Konflikt zeichnet sich kein Ende ab: Granaten töten Zivilisten in einer Uno-Schule und auf einem Marktplatz. Der Hamas-Militärchef will weiter kämpfen – bis die Blockade der Mittelmeer-Enklave vorbei ist.

Gaza/Tel AvivGut drei Wochen nach Beginn des Gazakrieges sind palästinensische Zivilisten erneut ins Fadenkreuz der Kämpfe geraten. Beim Beschuss einer Einrichtung der Hilfsorganisation UNRWA kamen am Mittwoch im Flüchtlingslager Dschabalia im nördlichen Gazastreifen mindestens 15 Menschen ums Leben, wie ein Sprecher der palästinensischen Rettungsdienste mitteilte. Israelische Panzergranaten töteten nach diesen Angaben Stunden später mindestens 17 Palästinenser auf einem Marktplatz im Stadtteil Sadschaija.

200 weitere Menschen erlitten Verletzungen, wie es hieß. Die Bewohner des umkämpften Stadtviertels strömten zum Markt, nachdem Israel eine vierstündige humanitäre Feuerpause erklärt hatte, die allerdings von einem Sprecher der militant-islamischen Hamas als „Täuschungsmanöver“ abgelehnt wurde. Wie Augenzeugen berichteten, hörten die israelischen Panzer auch dann nicht auf zu schießen, als Rettungskräfte und Journalisten am Schauplatz eingetroffen waren.

Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, dass das Militär den Vorfall noch prüfe. Zu dem Beschuss der UNRWA-Schule im Flüchtlingslager Dschabalia sagte eine andere Sprecherin der israelischen Streitkräfte, dass militante Palästinenser in der Nähe der Schule Mörsergranaten auf israelische Soldaten abgefeuert hätten. Die Truppen hätten das Feuer erwidert.

US-Verteidigungsminister Hagel telefoniert mit Jaalon

Angesichts der Gewalteskalation hat US-Verteidigungsminister Chuck Hagel mit seinem israelischen Kollegen Mosche Jaalon gesprochen. Hagel habe in dem Telefonat die Besorgnis Washingtons über die hohe Zahl palästinensischer Opfer im Gazastreifen bekräftigt, teilte Pentagonsprecher John Kirby am Mittwoch mit. Jaalon habe sich zudem für die finanzielle US-Hilfe mit Blick auf das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome bedankt.

Trotz der Bedenken des Weißen Hauses über den hohen Blutzoll der seit gut drei Wochen andauernden Militäroffensive unterstützen die USA Israel weiter bei der Aufstockung seiner Waffenarsenale. So habe Washington Mörsergeschosse und Granaten aus einem Depot angeboten, das es in Israel unterhält, sagte ein Mitarbeiter im Pentagon. Das Vorgehen sei eine Routinemaßnahme, bei der ältere Lagerbestände durch neuere Munition ersetzt werde.

UN-Vertreter zeigten sich unterdessen schockiert über den Angriff auf die UNRWA-Schule. „Wo ist die Menschlichkeit, wo ist die Moralität?“, twitterte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. „Hier sterben Kinder, Zivilisten.“ Der UNRWA-Sprecher in Gaza, Chris Gunness, schrieb auf Twitter: „Das ist das 6. Mal, dass 1 unserer Schulen bei Kämpfen in #Gaza getroffen wurde. Unsere Notunterkünfte quellen über.“ Auch fünf UN-Mitarbeiter, darunter drei für UNRWA tätige Lehrer, seien bislang getötet worden. Mehr als 200.000 Palästinenser hätten in UN-Schulen Schutz gesucht.

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