Gaza-Streifen
Frauen müssen Schleier tragen

Die radikal-islamische Hamas verliert den Rückhalt der Palästinenser – und zieht die Zügel an. So berichtet die Menschenrechtsorganisation „Palestinian Centre for Human Rights“ fast täglich von neuen Folterfällen. Gewalttaten mit oft tödlichem Ausgang oder Entführungen durch die Polizeitruppen der Hamas sind an der Tagesordnung. Und ohne Kopftuch wagen sich die meisten Frauen nicht mehr auf die Straße.

GAZA-STADT. Die promovierte Pharmakologin und Fatah-Aktivistin Amani Abu Rahmeh hatte Freude an ihrem Beruf. Im palästinensischen Gesundheitsministerium war sie für die Versorgung mit Medikamenten in Gaza zuständig. Doch jetzt sitzt sie zu Hause. Notgedrungen. „Ich gehöre der falschen Partei an“, sagt sie zynisch. Weil sie die Fatah unterstützt und keine Begeisterung für die radikal-islamische Hamas zeigt, die seit dem Sommer Gaza kontrolliert, darf sie sich nicht mehr in ihrem Büro zeigen. „Als ob Gesundheit etwas mit Politik zu tun hätte“, sagt sie anklagend.

Und aus einem weiteren Grund bleibt sie in ihrer Wohnung. Ohne Kopftuch wagt sich die säkulare Frau nicht mehr auf die Straße. Kürzlich habe sie ein unbekannter Mann mit unmissverständlicher Drohgebärde aufgefordert, ihr Gesicht und ihren ganzen Körper zu bedecken.

Amani Abu Rahmeh hat Angst. Die Jagd auf Anhänger der Fatah hat System. Der soziale Druck steige, sich „wie in Afghanistan“ zu bekleiden, sagt Abu Rahmeh. „Die Hamas bestimmt jetzt, was erlaubt und was verboten ist“, sagt die palästinensische Frauenrechtlerin Naila Ayesh.

Die Furcht vor den Radikal-Islamisten geht um in Gaza: Die meisten Einwohner wagen es nicht, ihre Meinung offen zu äußern, heißt es in einer von „Near East Consulting“ durchgeführten telefonischen Umfrage unter Palästinensern. 60 Prozent werfen der Hamas-Polizeitruppe vor, die individuellen Bürgerrechte zu wenig zu respektieren. Käme es zu Neuwahlen, würde die Hamas verlieren: Laut Near East Consulting erhielte sie lediglich 15 Prozent der Stimmen. Mehr als die Hälfte der Palästinenser betrachten die Regierung von Präsident Mahmud Abbas nach wie vor als ihre rechtmäßige Vertretung. Die meisten gebildeten Leute hätten jetzt das Gefühl, in einem Land zu leben, das ihnen nicht gehört, meint ein Akademiker in Gaza.

Viel zu bieten hat die Hamas der Bevölkerung in der Tat nicht. Die Radikal-Islamisten sind international isoliert. Die westliche Hilfe kommt nur noch tropfenweise. Die EU und die USA boykottieren die Hamas, weil sie Israel nicht anerkennen will, und Israel macht die Grenzen dicht, weil die Hamas nicht gegen die fast täglichen Raketenangriffe auf den Süden Israels vorgeht. Die wirtschaftlichen Folgen der Isolation sind für Gaza katastrophal: Die meisten Produktionsbetriebe sind stillgelegt, weil sie keine Rohstoffe importieren können und Ausfuhren am Grenzübergang nach Israel steckenbleiben.

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