Gaza-Streifen
Palästinenser halten Israel von Luftangriff ab

Palästinensische Demonstranten haben einen israelischen Luftangriff auf das Haus eines Extremisten im Gazastreifen verhindert. Hunderte Palästinenser verschanzten sich in der Nacht zum Sonntag als menschliche Schutzschilde in dem Gebäude. Israel verzichtete daraufhin auf das Bombardement.

HB GAZA. Aus palästinensischen Kreisen verlautete, es sei das erste Mal, dass ein israelischer Angriff wegen einer solchen Protestaktion abgeblasen wurde. Ein israelischer Militärsprecher erklärte, die Luftwaffe habe ursprünglich das Haus eines Mitglieds des radikalen Volkswiderstandskomitees in Dschebalja im Gazastreifen bombardieren wollen. Um zivile Opfer zu vermeiden, habe das Militär die Familie des Extremisten kurz vor dem Angriff gewarnt.

Daraufhin versammelten sich hunderte Nachbarn und Demonstranten auf dem Grundstück, um gegen den Angriff zu protestieren. Viele von ihnen barrikadierten sich in dem Haus, einige kletterten auf das Dach. Sie reckten die Fäuste in den Nachthimmel und riefen: „Tod für Amerika und Tod für Israel.“ Die Protestaktion wurde live im palästinensischen Fernsehen übertragen.

Nach der Protestversammlung rief das Volkswiderstandskomitee die Bevölkerung dazu auf, fortan mit ähnlichen Aktionen menschliche Schutzschilde zu bilden und somit angekündigte Luftangriffe zu verhindern. Der Militärsprecher kündigte ungeachtet dessen weitere Angriffe gegen extremistische Palästinenser an. Olmert sagte, die palästinensischen Angriffe könnten nicht mit einer einzelnen Aktion gestoppt werden. Damit deutete er an, dass es vermutlich keine massive Militäroperation im Gaza-Streifen geben wird.

Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija bezeichnete die Aktion als Botschaft an den UN-Sicherheitsrat, in dem die USA mit ihrem Veto eine israel-kritische Resolution verhindert haben. „Diese Leute sind eingeschritten ... um ihre Häuser zu schützen, nachdem es der Sicherheitsrat nicht geschafft hat, die israelische Aggression zu beenden und den Abschuss von Bomben aus israelischen Flugzeugen zu verhindern“, sagte Hanija.

Die UN-Vollversammlung hatte am Freitag eine israelkritische Resolution verabschiedet, allerdings gilt die Abstimmung als überwiegend symbolisch. In der Resolution wird Israel unter anderem zum Truppenabzug aus dem Gaza-Streifen aufgefordert. Zudem soll UN-Generalsekretär Kofi Annan Ermittlungen zu dem tödlichen Angriff auf Beit Hanun Anfang November einleiten.

Bei der Aktion waren 19 Menschen ums Leben gekommen, was Israel später als technischen Fehler bezeichnete und bedauerte. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir mit diesen Ermittlern kooperieren“, sagte der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman am Samstag. Israel könne den Vorfall durchaus selbst untersuchen.

Bei einem neuerlichen palästinensischen Raketenangriff auf die israelische Grenzstadt Sderot wurden nach Angaben von Rettungskräften und Anwohnern am Sonntag drei Menschen verletzt, einer davon schwer. Die israelische Luftwaffe verletzte Rettungskräften zufolge fünf Palästinenser bei einem Angriff auf ein Auto im Gaza-Streifen.

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