Gazastreifen
Empörung über Mord an entführtem Italiener

Der im Gazastreifen entführte Italiener Vittorio Arrigoni ist tot. Die Ermordung des Aktivisten durch seine Entführer löste nicht nur in Rom, sondern auch bei Hamas-Vertretern Empörung aus.
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Gaza/Tel Aviv/Rom Der gewaltsame Tod eines italienischen Aktivisten im Gazastreifen hat große Bestürzung und Empörung ausgelöst. Die Leiche von Vittorio Arrigoni war in der Nacht zum Freitag in einem leerstehenden Haus im nördlichen Gazastreifen aufgefunden worden. Die zu einer bislang unbekannten radikalen Islamistengruppe gehörenden Entführer hatten den pro-palästinensischen Aktivisten nach Berichten von Augenzeugen geschlagen, mit Handschellen gefesselt und dann erhängt.

Das Außenministerium in Rom verurteilte die "barbarische Ermordung" Arrigonis auf das Schärfste. Es handele sich dabei um einen feigen und sinnlosen Akt der Gewalt durch Extremisten, die sich nicht um den Wert eines Menschenlebens scherten, hielt das Ministerium am Freitag "in großer Bestürzung" in Rom fest. Ermordet worden sei eine unschuldige Person, die sich bereits seit einiger Zeit in dem Gebiet aufgehalten habe, "um die Lage der Palästinenser im Gazastreifen aus der Nähe zu verfolgen und mit einem starken persönlichen Einsatz darüber zu berichten."

Die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation sprach von einem abscheulichen Verbrechen gegen einen Mann, der nach Gaza gekommen sei, um Palästinensern zu helfen. Die Tat spiegele weder die Kultur noch die Traditionen der Palästinenser, sagte Hamas-Sprecher Fawzi Barhum am Freitag. Die Täter seien Geächtete, die Chaos im Gazastreifen verbreiten wollten.

Die pro-palästinensische Internationale Solidaritätsbewegung verurteilte den Tod ihres "inspirierenden Aktivisten". Arrigoni hatte im Gazastreifen gelebt und auf einem eigenen Blog im Internet berichtet. "Vik" habe gelebt, um Gutes zu tun, sagte eine Kollegin Arrigonis. "Bleib menschlich", sei sein Motto gewesen.

Zwei Tatverdächtige seien bereits festgenommen worden, sagte der Sprecher der Innenbehörde in Gaza, Ihab al-Ghussein. "Sie gaben die Informationen, wo der italienische Staatsbürger festgehalten wurde." Nach einem dritten Verdächtigen werde gefahndet. Die bislang unbekannte Islamistengruppe hatte am Donnerstag in einer im Internet veröffentlichten Videobotschaft behauptet, Arrigoni entführt zu haben, und mit seiner Ermordung gedroht, sollte die Hamas nicht bis Freitagnachmittag drei ihrer inhaftierten Führer freilassen. In der am Donnerstagabend auf YouTube veröffentlichten Videobotschaft war der Italiener mit verbundenen Augen und hinter dem Rücken gefesselten Händen zu sehen.

Die Entführer gaben sich als Salafisten aus. Salafisten verstehen sich als die wahren Hüter des Islam und orientieren sich buchstabengetreu am Koran. Aus ihrer Sicht ist die Hamas zu liberal, weil sie keinen islamischen Gottesstaat nach dem Vorbild der Taliban in Afghanistan durchsetzt. Die Entführer erklärten, dass Arrigoni nach Gaza gekommen sei, um die Palästinenser zu korrumpieren. Außerdem seien italienische Soldaten in muslimischen Staaten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Eine Wahnsinns-Tat, wie feige, einen wehrlosen Mann zu hängen, der nur Gutes tun wollte.

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