Gazprom lässt die Muskeln spielen
Droht eine Neuauflage des Gasstreits?

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine droht wieder aufzuflammen. Grund ist eine angeblich nicht bezahlte Gaslieferung des ukrainischen Gaskonzerns Naftogaz an den russischen Gazpromkonzern. Branchenkreise in Deutschland bemühten sich am Donnerstag, die Wogen zu glätten.

MOSKAU/BERLIN. Der russische Gaskonzern Gazprom hat Medienberichten zufolge seinen ukrainischen Partner Naftogaz aufgefordert, bis zum 7. März eine offene Rechnung in Höhe von 400 Mio. Dollar zu begleichen. Andernfalls werde der Konzern wieder die Lieferungen an die Ukraine kappen, habe Gazprom-Finanzchef Andrej Kruglow gedroht, so die Zeitung „Kommersant“. In Firmenkreisen wird betont, dass keine Entscheidung gefallen, die Option aber auf dem Tisch sei.

Der Agentur Bloomberg zufolge will Naftogaz Änderungen an dem erst kürzlich mit Gazprom geschlossenen Abkommen erwirken, das die bisher längste und härteste Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine um die Gaslieferungen beendet hatte. Demnach will Naftogaz nicht mehr die vereinbarte Menge von 40 Mrd. Kubikmeter im Jahr abnehmen, sondern nur noch 33 Mrd. Kubikmeter. Allein im vergangenen Monat habe der Konzern nur die Hälfte der geplanten Menge genommen.

Naftogaz steht finanziell stark unter Druck: Bisher seien offene Rechnungen ukrainischer Kunden in Höhe von rund 720 Mio. Dollar aufgelaufen, heißt es. Analysten erwarten, dass Naftogaz davon rund 160 Mio. Dollar wird eintreiben können – für den Rest müsste der Konzern Kredit bei einer Staatsbank bekommen.

Russland hatte die Gaslieferungen an die Ukraine bereits im Januar zunächst gedrosselt und dann ganz eingestellt. Grund war ein Streit um offene Rechnungen und den Preis des Gases für die Ukraine. Da die wichtigsten Transitpipelines über das Land verlaufen, hatte der Gasstreit auch Folgen für Europa: Über mehrere Wochen kam nur noch wenig bis gar kein Gas dort an, besonders in Südosteuropa waren einige Staaten vollkommen von der Gasversorgung abgeschnitten.

Branchenkreise in Deutschland bemühten sich am Donnerstag, die Wogen zu glätten. „Niemand kann ein Interesse daran haben, dass sich die Situation wiederholt, die wir zu Jahresbeginn erlebt haben“, hieß es. Die russische und die ukrainische Seite seien sich darüber im Klaren, dass sie im Falle einer neuerlichen Lieferunterbrechung enormes Vertrauen verspielen würden. Russland sei wie nie zuvor von seinen Gasexporten abhängig.

Der Tenor ist aber auch, dass die Ukraine, die in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion steckt, nicht weiter Zahlungsrückstände anhäufen dürfe. „Offenbar scheinen viele noch nicht verstanden zu haben, dass das Problem mit der Ukraine grundsätzlich nicht gelöst ist“, hieß es in deutschen Firmenkreisen. tom/str

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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