Gebäude verwüstet
Landlose stürmen brasilianisches Parlament

Hunderte von landlosen Bauern haben in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia das Parlament gestürmt und weite Teile des berühmten Gebäudes verwüstet. Ein hochrangiger Beamter der Kongresspolizei wurde brutal verprügelt. Die Beamten schlugen schließlich drakonisch zurück und nahmen 400 Bauern fest.

HB BRASILIA. Wie brasilianische Medien am Mittwoch berichten, wurden bei Zusammenstößen zwischen den rund 700 aufmarschierten Anhängern der „Bewegung zur Befreiung der landlosen Bauern“ (MLST) und den Sicherheitskräften mindestens 26 Menschen verletzt worden. Der Koordinator der Parlamentspolizei Depol sei mit schweren Schädelverletzungen auf die Intensivstation gebracht worden. Er schwebe in Lebensgefahr.

Die Angreifer seien mit Steinen, Stöcken und Sensen bewaffnet gewesen und zum Teil bis zum Plenarsaal der Abgeordnetenkammer vorgedrungen, der größeren Kammer des Parlaments, die die Brasilianer direkt wählen. Die Landlosen könnten wegen Bandenbildung und möglicherweise auch wegen Mordversuchs angezeigt werden, erklärten Sprecher der Staatsanwaltschaft. MLST-Führer Bruno Maranhão wurde zusammen mit rund 400 weiteren Menschen festgenommen worden. Rund 500 Polizisten waren bei der Räumungsaktion im Einsatz.

Nach Angaben des MLST sollten mit dem Protest unter anderem mehr Mittel für die Agrarreform und die Enteignung von Landgütern gefordert werden, deren Besitzer Arbeiter in sklavenähnlichen Verhältnissen halten. Man habe friedlich demonstrieren wollen. Die MLST wurde 1997 von Dissidenten der bekannteren und größeren „Bewegung der Landlosen“ (MST) gegründet. Die Organisation ist nach eigenen Angaben nur in 4 der 27 Bundesstaaten Brasiliens aktiv. Im April 2005 hatte die MLST erstmals mit der Besetzung des Finanzministeriums für Schlagzeilen gesorgt.

Opposition und auch Vertreter von Kleinbauern beklagen, dass der seit 2003 amtierende linksgerichtete Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva die Agrarreform kaum vorangebracht habe. Allein die MST vertritt nach eigenen Angaben vier Millionen Familien von landlosen Bauern. Der Landkonflikt hat in Brasilien allein seit der Rückkehr zur Demokratie 1985 mehr als 1 200 Menschen das Leben gekostet. 20 Prozent der Bevölkerung besitzen 90 Prozent des Bodens. Dagegen verfügen die ärmsten 40 Prozent nur über ein Prozent des Landes.

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