Geberkonferenz in Rangun
Mehr als 100 Millionen Dollar für Birma zugesagt

Die birmanische Militärjunta kann nach einer Geberkonferenz mit mehr als 100 Mill. Dollar Spenden für die Opfer des Zyklons „Nargis“ rechnen. Die Delegierten aus 51 teilnehmenden Ländern drängten die Regierung in Rangun am Sonntag jedoch, ihre Zusagen einzuhalten und internationale Helfer ins Katastrophengebiet zu lassen. Ein Team des Technischen Hilfswerks reiste bereits ins verwüstete Irrawaddy-Delta.

HB RANGUN. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, der sich zur Geberkonferenz in Rangun aufhielt und acht Tonnen Hilfsgüter mitgebracht hatte, sprach von einem Durchbruch. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte zum Ende der Konferenz, die Junta bewege sich „schnell in die richtige Richtung“. Birma hat den wirtschaftlichen Schaden des Wirbelsturms mit elf Mrd. Dollar (sieben Mrd. Euro) bemessen. Die Vereinten Nationen baten um 201 Mill. Dollar (127,7 Mill. Euro) Soforthilfe.

Die birmanische Regierung hatte am Freitag zugesagt, dass Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen nun ungehindert ins Land gelassen würden. Ban äußerte die Hoffnung, dass dies ein Wendepunkt in der Bewältigung der Krise sei. Einige Länder auf der Geberkonferenz erhöhten daraufhin ihre Spendenzusagen, andere knüpften dies aber an die Bedingung, dass die Militärregierung ihre Zusagen tatsächlich einhält.

Die Europäische Union erklärte, Birma werde zusätzlich zu den bereits gespendeten 46 Mill. Euro weitere 17 Mill. Euro erhalten. China sagte insgesamt elf Mill. Dollar (sieben Mill. Euro) zu, Australien 24 Mill. Dollar (15,2 Mill. Euro). Die Philippinen verdoppelten ihre Hilfe auf 2,5 Mill. Dollar (1,6 Mill. Euro).

Zu der Konferenz hatten die Vereinten Nationen und die Südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN) aufgerufen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind rund 2,4 Mill. Menschen von den Folgen des Zyklons „Nargis“ betroffen. 42 Prozent der Betroffenen erhielten nach UN-Schätzungen bereits Hilfe.

Das THW-Team für Birma wollte laut Erler Trinkwassertechnik für 20 000 Menschen nach Bogale mitten im Irrawaddy-Delta transportieren. „Heute Abend wird dort Wasser sprudeln“, berichtete der SPD-Politiker telefonisch nach Berlin. Die THW-Experten hätten zwei Anlagen dabei, die je 6 000 Liter Trinkwasser in der Stunde aufbereiten könnten. Dies ist bedeutend angesichts der immer drängenderen Expertenwarnungen vor steigender Seuchengefahr.

Der birmanische Ministerpräsident Generalleutnant Thein Sein erklärte, internationale Hilfe, die nicht an Bedingungen geknüpft werde, sei willkommen. Es könnten aber nur zivile Schiffe anlanden. Dies bezog sich auf amerikanische, britische und französische Kriegsschiffe, die mit Tonnen an Hilfsgütern vor der Küste liegen und seit Tagen auf die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen von Rangun warten. Die Junta hat dies unter Hinweis auf eine befürchtete US-Invasion abgelehnt.

Im birmanischen Katastrophengebiet fand das umstrittene Verfassungsreferendum statt. Die Abstimmung, mit der die Junta nach Ansicht ihrer Kritiker langfristig ihre Macht sichern will, wurden in weiten Landesteilen schon am 10. Mai durchgeführt. Am Samstag folgten Rangun und das Irrawaddy-Delta. Die Abstimmung war weitgehend bedeutungslos, da nach offiziellen Angaben zuvor 92,4 Prozent die neue Verfassung gebilligt hatten.

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