Geberkonferenz
Mehr als 16 Millarden Dollar für Afghanistan

Die internationale Gemeinschaft hat Afghanistan erneut Aufbauhilfe in Milliardenhöhe versprochen. Deutschland sagte 420 Millionen Euro bis 2010 zu. Doch es gab auch Rüffel für Präsident Hamid Karsai.

HB PARIS/BERLIN. Die internationale Gemeinschaft hat Afghanistan mehr als 16 Milliarden Dollar für Entwicklung und Wiederaufbau versprochen. Gleichzeitig forderten Deutschland und die USA die afghanische Regierung auf, die Korruption noch stärker zu bekämpfen und die politischen Institutionen zu festigen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung kündigte zudem an, dass Deutschland bald mehr Soldaten nach Afghanistan schicken werde.

Die Anzahl zusätzlicher Kräfte solle noch in diesem Monat geklärt werden. Medienberichten zufolge soll die Truppe um 900 bis 1300 Soldaten vergrößert werden. Derzeit ist das Mandat auf 3500 Soldaten begrenzt.

Bei der Geberkonferenz in Paris bat Afghanistans Präsident Hamid Karsai die internationale Gemeinschaft um Hilfen von bis zu 50 Milliarden Dollar für einen auf fünf Jahre angelegten Wiederaufbau- und Entwicklungsplan. Die Geberländer blieben damit zunächst deutlich unter der gewünschten Summe. Zudem wurden Teile der zugesagten Hilfszahlungen bereits früher versprochen.

So wiederholte die US-Regierung ihre Ankündigung, rund zehn Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Aufständischen, Armut, Drogenschmuggel und Korruption bereitzustellen. Die Asiatische Entwicklungsbank gab 1,3 Milliarden Dollar frei. Die Weltbank und Großbritannien sagten jeweils 1,1 Milliarden Dollar zu. Deutschland kündigte 420 Millionen Euro (rund 650 Millionen Dollar) an. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte Afghanistan eine unbefristete Unterstützung zu. Es sei die Pflicht aller Demokraten, dem kriegszerstörten Land zu helfen.

Mehr als sechs Jahre nach dem Sturz der radikal-muslimischen Taliban herrscht vor allem im Süden Afghanistans noch immer Krieg. In den Kämpfen zwischen den Extremisten und Nato-Soldaten sind allein im vergangenen Jahr rund 6000 Menschen getötet worden. Korruption und Drogenhandel gehören zu den größten Hindernissen des Wiederaufbaus.

Vor diesem Hintergrund sagte Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier in Paris: "Nur durch entschiedenes Vorgehen gegen Korruption und durch mehr Rechtsstaatlichkeit kann unser Engagement seine Wirkung entfalten." Zudem regte der Minister an, den bisherigen Afghanistan-Einsatz kritisch zu überprüfen: "Und wir müssen, da, wo wir Defizite erkennen, bereit sein, nachzusteuern." Ähnlich äußerte sich US-Außenministerin Condoleezza Rice.

Jung verwies in einem Interview des Deutschlandfunks auf die neuen Aufgaben der Bundeswehr in Afghanistan in den Bereichen Ausbildung und schnelle Einsatzkräfte. "Deshalb denke ich, dass wir vor der Sommerpause sagen werden, in welcher Höhe aus unserer Sicht es nötig ist, das neue Afghanistan-Mandat zu fixieren", sagte Jung. Angesichts der künftigen Herausforderungen wie etwa der bevorstehenden Wahlen müsse "ein Stück mehr Flexibilität" geschaffen werden.

Am Rande des Nato-Verteidigungsministertreffens in Brüssel ergänzte der Minister, die Mandatsobergrenze müsse nicht identisch sein mit der Zahl der Einsatzkräfte. Das Mandat für den Kfor-Einsatz im Kosovo umfasse zum Beispiel 8000 Soldaten, doch seien nur 2800 im Einsatz vor Ort.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%