Gebietsansprüche
Kanada unterstreicht Ansprüche im Ozean

Im Wettlauf um die Ressourcen des Arktischen Ozeans erhöht Kanada das Tempo. Bei der Erkundung möglicher Gebietsansprüche im Polarmeer haben kanadische Vermessungsflugzeuge jetzt von Russland beanspruchtes Territorium überflogen. Neben Ottawa und Moskau reklamieren auch das dänische Grönland, die USA und Norwegen Hoheitsrechte im Eismeer für sich.

OTTAWA. Der durch den Klimawandel bedingte Rückgang des Polareises und die Hoffnung, Bodenschätze im Meer zu finden, haben das Interesse der Anrainerstaaten verstärkt, ihre Hoheitsrechte über die 200-Seemeilen-Zone hinaus auszuweiten. Dabei geht es nur um die Nutzung des Meeresbodens. Schifffahrts- und Fischereirechte sind nicht betroffen, weil es sich um internationale Gewässer handelt. Nach der Uno-Seerechtskonvention haben die Anrainer Ansprüche auf die Nutzung des Meeresbodens, wenn sie nachweisen können, dass der Kontinentalsockel, auf dem ihr Territorium liegt, entsprechend weit in den Ozean hineinreicht.

„Wir glauben, aufgrund der bisher durch seismologische Tests gesammelten Daten begründen zu können, dass der Lomonossow-Rücken mit Nordamerika verbunden und eine Verlängerung des nordamerikanischen Kontinentalschelfs ist“, erläutert Jacob Verhoef vom Geological Survey of Canada. Der Lomonossow-Rücken zieht sich durch das Eismeer von Kanada und Grönland bis nach Sibirien und führt am Nordpol vorbei. Russland sieht den Rücken dagegen als Fortsetzung seines Kontinentalsockels und versenkte, um seine Ansprüche zu unterstreichen, im Sommer 2007 demonstrativ eine Landesflagge auf dem Meeresgrund.

Kanada und Dänemark hatten in den letzten Jahren schon gemeinsam auf der Amerika zugewandten Seite des Eismeeres Daten gesammelt. Im April und Mai drangen sie mit Vermessungsflügen erstmals in eine Region vor, in der Russland Ansprüche auf den Meeresboden erhebt. „Wir wollen sehen, wie weit der Lomonossow-Rücken reicht“, sagt Verhoef.

Die Kontrahenten müssen nun klären, wie tief das Meer über den von ihnen beanspruchten Teilen des Lomonossow-Rückens ist. Die Meerestiefe ist ein wichtiges Kriterium, da Hoheitsansprüche eines Staates auf den Meeresgrund enden, wenn der Ozean tiefer als 2500 Meter ist – selbst wenn der Boden geologisch die Fortsetzung des Kontinentalsockels ist. Gehört der Lomonossow-Rücken zu beiden Kontinenten, müssen überlappende Ansprüche im Rahmen des Seerechts geklärt werden.

Die US Geological Survey hat Ende Mai in der Zeitschrift „Science“ eine detaillierte Studie über potenzielle Öl- und Erdgasvorkommen in der Arktis veröffentlicht. Sie schätzt, dass 90 Mrd. Barrel Öl und somit 13 Prozent der unentdeckten globalen Ölvorkommen in der Arktis liegen könnten, zudem 44 Billionen Kubikmeter oder 30 Prozent der unentdeckten Gasvorkommen. Die Ölproduktion beläuft sich derzeit auf jährlich etwa 30 Mrd. Barrel. Der größte Teil der arktischen Öl- und Gasvorräte liegt aber in Küstennähe in Gebieten, die bereits jetzt Anrainerstaaten zugerechnet werden.

Bisher gibt es keine Hinweise, dass das gesamte Meer rund um den Nordpol ein großes Ölfeld sein könnte. Der Wissenschaftler Don Gautier schätzt, dass weniger als zwölf Prozent der vermuteten Ölressourcen außerhalb der 200-Meilen-Zone liegen. Das Interesse am Eismeer dürfte dennoch nicht erlahmen.

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