Gebühren für „Non-Domiciles“
London bittet reiche Ausländer zur Kasse

Steuererleichterungen für Ausländer gehörten bisher zu den Wettbewerbsvorteilen des Vereinigten Königreichs und des Standorts London. Im April will das Schatzamt diese Vorteile kippen und Gebühren für „Non-Domiciles“ einführen.

LONDON. Die britische Regierung will Ernst mit dem Abbau von Steuererleichterungen für Ausländer machen, die zu den Wettbewerbsvorteilen des Vereinigten Königreichs und des Standorts London gehören. In einem ersten Schritt sollen „Non-Domiciles“, die länger als sieben Jahre in Großbritannien wohnen, aber nicht dauerhaft ansässig sind, einen Pauschalbetrag von jährlich 30 000 Pfund für das Privileg bezahlen, im Ausland anfallende Zins- und Kapitalerträge von der britischen Steuer auszuschließen.

„Es ist nur fair, wenn Menschen, die das United Kingdom zu ihrer Heimat machen und in den Genuss langfristiger Steuervorteile kommen, einen angemessenen Beitrag leisten“, heißt es in einem Konsultationspapier des Schatzamtes. Demnach entgehen der Steuerkasse jährlich rund eine Milliarde Pfund durch die „Non-Doms“.

Die Pläne lösen nicht nur bei den „Superreichen“ Unruhe aus. „Wealth Manager“ in der Finanzindustrie, der Immobiliensektor und die Kunstmarktlobby „British Art – Market Federation“ warnen vor der Abwanderung einer wirtschaftlich einflussreichen Klientel. „Das wird weitreichende Auswirkungen auf die Vorrangsstellung Londons als internationales Finanzzentrum haben“, so der Steuerberaterverband „Chartered Institute of Taxation“.

Erste Maßnahmen treten im neuen Finanzjahr am 6. April 2008 in Kraft. In dem Konsultationspapier soll nun geklärt werden, „ob weitergehende Veränderungen eingeführt werden können, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des UK durch Minderung seiner Attraktivität für die international Mobilen zu gefährden“.

Neben der neuen 30 000-Pfund-Gebühr wird die Berechnungsgrundlage für den „Non-Dom“ Status verschärft. In den Genuss kommt, wer in einem Jahr weniger als 183 oder in vier durchschnittlich nicht mehr als 90 Tage in Großbritannien verbringt. Da An- und Abreisetage bisher nicht mitgezählt wurden, konnten Supermobile drei Tage in London arbeiten und nur einer wurde angerechnet.

Labour war einst bekannt für seinem neidlos-gelassenen Umgang mit den Superreichen. „Es ist nicht mein brennender Ehrgeiz dafür zu sorgen, dass David Beckham weniger Geld verdient“, sagte Blair einst. Doch die Kluft zwischen der immer härter strampelnden Mittelschicht und dem neuen Reichtum sorgt für politische Spannungen. „Millionen von Steuerzahlern wollen wissen, warum ein hoher Prozentsatz britischer Superreicher wenig oder gar keine Steuern zahlt“, drängte Gewerkschaftsführer Brendan Barber.

Ein Politikwechsel birgt aber unkalkulierbare Risiken. Das Treasury gibt zu, dass sichere Daten fehlen. Geschätzt wird, dass ein kleiner Kern von Supereichen 65 Mrd. Pfund besitzt, rund 15 000 Menschen haben Vermögen von zusammen 140 Mrd. Pfund. Doch insgesamt beanspruchen 115 000 Menschen „Non-Dom“ Status. Das heißt: Auch Topverdiener im unteren Segment sind betroffen.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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