Gedenkgottesdienst in Rouen
Muslime und Katholiken gemeinsam gegen Hass

Die Attentate von Nizza und Rouen rufen eine Solidarisierungswelle französischer Muslime hervor. Im ganzen Land beten sie gemeinsam mit trauernden Katholiken. Derweil nimmt die Debatte um den Islam erneut Fahrt auf.

ParisNach den Mordanschlägen islamistischer Terroristen in Nizza und Rouen hat in Frankreich die Sorge vor einem Konflikt der Religionen zugenommen. Doch zugleich kommen die französischen Muslime inzwischen stärker aus der Reserve. So deutlich wie nie zuvor distanzieren sie sich von Gewalttätern, die sich auf den Islam beziehen, und drücken den Christen ihr Mitgefühl wegen des Mordes an dem 86-jährigen Priester Jacques Hamel aus.

Terrororganisationen wie der Islamische Staat (IS oder „Daesh“ auf Arabisch) wollen in Europa einen Krieg der Religionen provozieren. Der Mord an Hamel am vergangenen Dienstag, zu dem der IS sich bekannt hat, löste jedoch etwas ganz Anderes aus: ein noch nie erlebtes Zusammenrücken von Muslimen und Christen. In ganz Frankreich nahmen Muslime am Sonntag an katholischen Gottesdiensten teil, beteten gemeinsam mit den Katholiken und ergriffen in den Kirchen das Wort, um ihr Beileid und ihren Abscheu angesichts der Gewalttaten auszudrücken. Dazu war es bislang noch nie gekommen.

In Saint Bernard de la Chapelle kamen am Sonntag rund 140 Personen zum Gottesdienst zusammen, davon ungefähr 20 Muslime. Die Kirche liegt im Viertel La Goutte d’Or im 18. Arrondissement von Paris, einem der ärmsten der Hauptstadt, in dem es viele Einwanderer aus Afrika und dem Maghreb gibt. „Wir danken den muslimischen Brüdern für diese Geste des Beileids und der Anteilnahme“, sagte Vikar William Nwgalo Bengo. Und fügte hinzu: „Es tröstet uns zu erleben, dass sie an diesem Tag der Trauer gemeinsam mit uns beten.“

Während der Messe reichten Katholiken und Muslime sich die Hände oder umarmten sich. Am Ende erteilte Vikar Bengo dem Rektor der Moschee des 18. Arrondissements Mohamed Sala Hamza das Wort. „Frankeich ist erneut erschüttert worden von Gewalttaten, die durch nichts zu rechtfertigen sind“, sagte Hamza. Man dürfe nicht in die Falle der Terroristen gehen, die einen Konflikt der Religionen provozieren wollen. Den dürfe es nicht geben, sagte der Rektor, und der Islam liefere keinen Vorwand dafür: „Der Prophet hat gesagt: Wer einem Juden oder einem Christen etwas zuleide tut, wird mich am Tag des Jüngsten Gerichts zum Feind haben.“ Nichts werde die muslimischen Gemeinden in Frankreich von anderen Religionen oder von der Demokratie trennen.

Der Premiere gemeinsamer landesweiter Gottesdienste waren Freitagsgebete in den Moscheen voran gegangen, in denen die Imame sich scharf von den Attentätern distanzierten, die vorgeben, im Namen des Islams zu handeln. So klar hatten sich die muslimischen Geistlichen Anfang vergangenen Jahres noch nicht geäußert. In den letzten Wochen hat ihr Engagement spürbar zugenommen.

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