Gefährlicher Konflikt entspannt sich
Indien und Pakistan gehen auf Tuchfühlung

Ein Frieden zwischen Indien und Pakistan schien zuletzt immer unwahrscheinlicher. Doch jetzt kommt Bewegung in die nachbarschaftlichen Beziehungen: Eine neue Friedensinitiative von Indien, gefolgt von einem Waffenstillstand der Truppen in Kaschmir, und am Montag der Beschluss beider Seiten, den Flugverkehr wieder aufzunehmen. Der Konflikt zwischen den beiden südasiatischen Atommächten - einer der gefährlichsten der Welt - entspannt sich.

HB NEU DELHI. Dem indischen Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee liegt viel daran, das Verhältnis zu Pakistan zu verbessern und damit auch bei Wählern zu punkten. Vajpayees BJP steht derzeit nicht besonders gut da: Von vier Regionalwahlen am Montag, deren Ergebnisse erst am Donnerstag veröffentlicht werden, dürfte die hindu-nationalistische Partei nach Umfragen wahrscheinlich nur eine gewinnen - die Wahlen gelten als letztes bedeutendes Kräftemessen mit der Kongress-Partei von Oppositionsführerin Sonia Gandhi vor der Parlamentswahl 2004.

Mit einem Zwölf-Punkte-Programm, das vor allem eine Wiederbelebung der vor zwei Jahren gekappten Verkehrsverbindungen vorsieht, brachte Neu Delhi die Regierung in Islamabad Ende Oktober in Zugzwang. Besonders auf Pakistan lastet internationaler Druck, Islamabad wird vor allem von USA gedrängt, den Konflikt zu entschärfen.

Vorwürfe, Pakistan unterstütze die im indischen Teil Kaschmirs kämpfenden muslimischen Separatisten, werden nicht nur von Neu Delhi erhoben. Pakistans Reaktion überraschte denn auch: Nicht nur begrüßte Islamabad das indische Programm, sondern schlug zudem den Waffenstillstand zwischen den Truppen beider Länder in Kaschmir vor, der seit Mittwoch vergangener Woche gilt und eingehalten wird.

Ökonomisch würde vor allem Pakistan, das einen großen Teil seines Staatshaushalts in die für das Land unverhältnismäßig große Armee pumpt, von einer Entspannung profitieren. Wie viel Hoffnung die dortige Wirtschaft in die neuen Friedensinitiativen investiert, zeigte sich in Karachi, der größten Stadt des Landes: Der Börsenindex stieg am Montag so stark wie nie zuvor an einem einzelnen Tag an.

Weitere Schritte in Richtung Frieden dürften nun folgen: Vor wenigen Tagen kündigte die indische Regierung an, Vajpayee werde in die Hauptstadt des Erzfeinds reisen und im Januar am Gipfel der Südasiatischen Vereinigung für regionale Kooperation (SAARC) teilnehmen. Dort wird auch Pakistans Präsident Pervez Musharraf sein. Beide trafen zuletzt im September bei der UN-Generalversammlung in New York aufeinander - wo sich Vertreter ihrer Länder vorrangig in öffentlichen Beschimpfungen über den Nachbarn ergingen.

Nach den Flugverbindungen ist der Weg auch frei für Verhandlungen über die Wiederaufnahme des Zugverkehrs. Außerdem - und das würde als echter Durchbruch gewertet - ist eine Busverbindung zwischen dem indischen und dem pakistanischen Teil Kaschmirs im Gespräch. All diese Schritte geben Anlass zum Optimismus - doch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das zentrale Streitthema noch längst nicht gelöst ist: Das geteilte und von beiden Seiten beanspruchte Kaschmir.

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