Gefälschte Wahl stürzt westafrikanischen Küstenstaat in eine schwere Krise
Togos Regierung nutzt Deutschland als Sündenbock

Die Lage im westafrikanischen Kleinstaat Togo ist weiterhin angespannt. Deutschland ist unerwartet in den Sog der Krise geraten. Vieles deutet darauf hin, dass hinter dem Anschlag auf das Goethe-Institut staatliche Stellen stehen.

KAPSTADT. Der westafrikanische Kleinstaat Togo ist durch eine gefälschte Wahl in eine schwere Krise geraten: Seit den blutigen Zusammenstößen zwischen Regierungs- und Oppositionsanhängern im Anschluss an die Präsidentenwahl vor zehn Tagen ist die Lage angespannt. Deutschland, das Togo zwischen 1884 und 1914 als „Schutzgebiet“ verwaltete, ist unerwartet in den Sog der Krise geraten: Ende vergangener Woche wurde ein Brandanschlag auf das Goethe-Institut in der Hauptstadt Lomé verübt. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Es war der erste Anschlag auf ein Goethe-Institut weltweit. Nach dem Übergriff wollte Bundesaußenminister Joschka Fischer gestern mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan in New York über eine Lösung der Krise in Togo sprechen. Bereits am Wochenende hatte Fischer den Anschlag auf das Kulturinstitut als „gesetzlosen Gewaltakt“ verurteilt und Aufklärung verlangt. Die weniger als 300 Deutschen, die dauerhaft in Togo leben, wurden am Wochenende aufgefordert, das Land vorübergehend zu verlassen.

Vieles deutet darauf hin, dass hinter dem Anschlag auf das Goethe-Institut staatliche Stellen stehen. So sind die Anhänger der Opposition allenfalls mit Knüppeln und Macheten ausgerüstet. Auch liegt das Goethe-Institut im Stadtzentrum von Lomé, das sich fest in der Hand von Armee und Polizei befindet.

Das togolesische Regime wirft Deutschland seit längerem vor, die Opposition im Land direkt zu unterstützen. Als Indiz wird nun auch angeführt, dass der fristlos entlassene Innenminister Francois Boko vor einigen Tagen in der deutschen Botschaft Zuflucht suchte, weil er um sein Leben fürchtet. Unmittelbar vor seiner Amtsenthebung hatte Boko vor einem Bürgerkrieg in Togo gewarnt, falls die Wahlen entgegen den Wünschen der Opposition schon jetzt stattfinden würden.

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