Gefahr an der Grenze
Türkei steht Krieg gegen IS bevor

Die dubiose Politik der Türkei gegenüber dem „Islamischen Staat“ rächt sich. Die Radikalen stehen vor den Toren des Nato-Partners im Nahen Osten. Die türkische Armee könnte gezwungen sein, einen blutigen Krieg zu führen.
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Seit dem Wochenende stehen die Horden des Islamischen Staates (IS) nun erstmals auch vor den Toren des einzigen Nato-Partners im Nahen Osten: an den Grenzen der Türkei. Mehr als 130.000 syrische Kurden haben die IS-Gotteskrieger bereits über die Grenze getrieben – und damit nach den Vertreibungen der Christen, Turkmenen und Jesiden eine weitere Großtragödie ausgelöst unter der Zivilbevölkerung dieser aufgepeitschten Region. Es ist nur noch eine Frage von Tagen, bis beträchtliche Grenzabschnitte zwischen Syrien und der Türkei komplett unter die Kontrolle der schwarzen Dschihadisten fallen.

Spätestens dann dürfte der Führung in Ankara aufgehen, dass sich ihre ambivalente und dubiose Politik gegenüber den sunnitischen Radikalen zu rächen beginnt. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich zwar nun auf der Uno-Generalversammlung in New York erstmals so geäußert, dass eine militärische Unterstützung seines Landes im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat denkbar sei. Er werde nach seiner Rückkehr nach Ankara mit der Regierung beraten, wie die Türkei das internationale Vorgehen gegen den IS unterstützen könne – auch militärisch. Die US-Luftangriffe bezeichnete Erdogan als „positiven“ Schritt.

Doch das ist eine relativ neue Entwicklung. Lange Zeit weigerte sich der türkische Präsident und damalige Premier Erdogan sogar, die IS-Brigaden öffentlich als Terroristen zu bezeichnen. Stattdessen ließ die Türkei seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien Extremisten jeder Couleur ungehindert über die Grenze – Hauptsache, sie zogen in den Dschihad gegen den verhassten Baschar al-Assad.

In der Türkei wurden Kämpfer angeworben und Waffen gekauft. Ganze Güterzüge mit Militärgerät für die radikalen Rebellen rollten von dort nach Syrien. Verwundete Gotteskrieger wurden ohne viele Fragen auf türkischem Boden medizinisch versorgt.

Zudem klagen die jetzt vertriebenen syrischen Kurden schon seit langem, dass ihre gut bewaffneten Peiniger von Rückzugsräumen in der Türkei heraus operieren. Ankara wollte auf diese Weise die latenten Unabhängigkeitswünsche der syrischen Minderheit in Schach halten, die rasch auf die eigenen türkischen Kurden überspringen könnten.

Kommentare zu " Gefahr an der Grenze: Türkei steht Krieg gegen IS bevor"

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  • @ W.Dilling

    Bei uns steht auch Bundesrepublik Deutschland auf dem Etikett
    und was ist drin?

    Erdogan wollte die Kurden über die ISIs abschlachten lassen, dafür und das ist allen bekannt hat er die Isis unterstützt und zwar massiv. Jetzt steht er einsam da,,sein PLAN ist gescheitert.

  • Sehr geehrte Herren Muche und Falk,

    vielen Dank für Ihre freundlichen Erläuterungen!
    Wenn dem so ist, wie Sie schreiben, dann sollte seitens der europäischen Politik (und damit auch der deutschen) alle Anstrenungen unternommen werden, um ganz Europa möglichst umgehend zu islamisieren, um das kulturelle Konfliktpotential zu reduzieren bzw. zu minimieren.

    Warum auch nicht? Mit gefällt der Gedanke, meine Frau straffrei zu prügeln, meine Kinder zwangszuverheiraten, mir einen langen Bart wachsen zu lassen und in langen Kleidern durchs Leben zu gehen. Letzteres würde mir dann auch die notwendigen Argumente liefern, mich in Zukunft von körperlicher Arbeit fernzuhalten, was ja in Frauenkleidern schwer möglich ist...

    Ja, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir der Gedanke! Dazu öffentliches Auspeitschen, öffentliches Steinigen und Köpfen, herrlich! Wer braucht bei so einem Spektakel dann z.B. noch die Fussball-Bundesliga!

    Grüße,
    Salvatore

  • Ganz schön blöd wenn die Türken sich da mitreißen lassen.

    Die IS hat der Türkei nichts gemacht und auch innerhalb der Türkei keine Anschläge verübt. Ich würde der Türkei raten die deutsche Strategie zu verfolgen wie im PKK Fall. militärisch ist der Konflikt nicht zu lösen. wenn sich die Türkei auch zu den willigen stellt gibt es keinen mehr der vermitteln könnte. Dies würde auch der türkischen Politik von null Problemen mit den Nachbarn widersprechen. Was macht den Deutschland eigentlich außer von anderen zu fordern, es werden ja nicht mal Flüchtlinge in signifikanter Anzahl ins Deutschland gelassen?

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