Gefahr durch Aufständische ignoriert
Britischer Ausschuss kritisiert schlechte Irak-Planung

Der Verteidigungsausschuss des britischen Parlaments hat die US-Planung der Zeit nach dem Irakfeldzug analysiert und kommt zu dem Ergebnis: Die Kriegskoalition hat die Lage falsch eingeschätzt.

HB DÜSSELDORF. Die von den USA geführte Koalition im Irak hat bei der Einschätzung der Sicherheitslage nach dem Sturz Saddam Husseins britischen Angaben zufolge schwere Fehler begangen und die Gefahr völlig unterschätzt. Die Planung für die Zeit nach Kriegsende war „voller Fehler und Fehleinschätzungen“, heißt es in einem Bericht des Verteidigungsausschusses des britischen Parlaments, der am Donnerstag von britischen Medien veröffentlicht wurde.

Die Gefahr, die von den Aufständischen ausgeht, sei weitgehend ignoriert worden. Nach Einschätzung des Ausschusses kann die Zahl der 8 000 britischen Soldaten im Irak nicht vor 2006 reduziert werden. Frühestens dann könnten irakische Sicherheitskräfte die Kontrolle übernehmen.

Der britische Außenminister Jack Straw sprach bisher von einer Reduzierung der im Irak stationierten britischen Soldaten zum Jahresende. Danach könne die irakische Regierung das Mandat verlängern. Das sei sehr wahrscheinlich, und dabei könne es sich um „einen sehr langen Zeitraum handeln“, heißt es in dem Bericht. Zugleich geriet die britische Regierung am Donnerstag wegen neuer Vorwürfe unter Druck.

Dabei geht es darum, dass Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith kurz vor Kriegsbeginn seine Meinung über die Rechtmäßigkeit des Waffengangs überraschend geändert hatte. So hatte er der Regierung drei Wochen vor der Invasion noch erklärt, ein Krieg gegen den Irak sei ohne eine zweite UN-Resolution illegal. Knapp zwei Wochen später sagte er aber im Parlament, eine neue Resolution sei nicht notwendig.

Der wegen des Irakkriegs zurückgetretene frühere Außenminister Robin Cook sagte am Donnerstag, die Angelegenheit sei eine „offene Wunde“ und die Regierung solle sie in ihrem eigenen Interesse aufklären. Nach Informationen der BBC will Blair Anfang April das Datum für die nächsten Parlamentswahlen bekannt geben, die für den 5. Mai erwartet werden.

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