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02.01.2007 
Fünf Jahren nach der Einführung

Gefahr für den Euro droht von innen

von Marietta Kurm-Engels

Der Euro feiert seinen fünften Geburtstag als Bargeld. Gemeinhin gilt seine Einführung als Erfolg, ist er doch im Wert gestiegen und genießt ein hohes Ansehen auf den internationalen Finanzmärkten. Doch auch die Gemeinschaftswährung hat ihre Schattenseiten: Die wachsende Kluft bei der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Ländern führt zu Spannungen.

Der Euro steht gut da, ist aber nicht ungefährdet. Foto: dpaLupe

Der Euro steht gut da, ist aber nicht ungefährdet. Foto: dpa

FRANKFURT. Das Publikum horchte auf, als sich der Präsident der Federal Reserve Bank von Dallas, Richard W. Fisher, unlängst zu den Perspektiven des Euros äußerte. Er könne einem langfristig orientierten Anleger nicht guten Gewissens raten, in Euro anzulegen, sagte Fisher. Er ist nach wie vor nicht davon überzeugt, dass eine Währung, die nicht durch einen Staat gedeckt ist, auf Dauer Bestand haben kann. Auch der kürzlich verstorbene US-Nobelpreisträger Milton Friedman hat bis zuletzt seine Vorbehalte gegenüber der Gemeinschaftswährung aufrecht erhalten: „Ich habe den Euro immer für einen Fehler gehalten und glaube, die Mitgliedsländer mit ihrer unterschiedlichen Wirtschaftspolitik werden künftig viele Probleme bekämpfen müssen.“ Fünf Jahre nach der Einführung des Euro-Bargelds treten diese Probleme in Form von Unterschieden in der Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Länder immer deutlicher zu Tage.

Portugal hat infolge des Anstiegs der Lohnstückkosten relativ zu anderen Euro-Ländern und zum Euro-Durchschnitt erheblich an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verloren. Spanien, Italien und Griechenland sind auf dem gleichen Weg. Bei niedrigem Produktivitätswachstum sind die Lohnstückkosten im „Club Med“ deutlich stärker gestiegen als etwa in Deutschland.

Selbst Frankreich sorgt sich über Wettbewerbsverluste. Zwar ist das Land bisher nur leicht zurückgefallen und bewegt sich im europäischen Vergleich immer noch im Mittelfeld. „Die Exporte laufen aber lange nicht so gut wie in Deutschland“, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank. Er führt dies weniger auf preisliche Faktoren zurück als auf eine ungünstige geographische Aufstellung im Handel und Probleme in der Unternehmensstruktur. Französische Firmen seien in den Wachstumsregionen der Welt nicht ausreichend stark vertreten. Und gebe zu wenig exportorientierte mittelständische Unternehmen. Nach Meinung der Banque de France waren zudem die Ausgaben für Forschung und Entwicklung nicht ausreichend, und die Produktqualität könnte vernachlässigt worden sein.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich zu den wachsenden Wettbewerbsunterschieden in der nunmehr 13 Staaten umfassenden Währungsunion Jahre lang allenfalls indirekt durch Apelle zu Strukturreformen geäußert. Bei den Wachstums- und Inflationsdifferenzen hat sie vorzugsweise auf die jährlichen Veränderungsraten abgestellt, die relativ konstant gewesen sind. Dabei wurde ausgeblendet, dass sich die Effekte kumulieren: Steigen die Lohnstückkosten in einigen Ländern stark, wachsen die Unterschiede zu den Ländern mit größerer Lohnzurückhaltung. Erst kurz vor seinem Ausscheiden aus der EZB im Frühjahr 2006 hat Ex-Chefvolkswirt Otmar Issing erstmals eingeräumt, dass daraus im Euro-Raum „große Spannungen“ entstehen können.

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