Gefahr für die Euro-Zone
Griechen-Krise schürt Angst vor Flächenbrand

In der Euro-Zone wachsen die Zweifel, dass Griechenland ohne drastische Maßnahmen seine Finanzprobleme noch bewältigen kann. Wäre eine Abkehr vom Euro der Heilsbringer? Experten sehen diesen Schritt äußerst kritisch.
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DüsseldorfDer Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hat vor den Folgen eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt. "Der Austritt Griechenlands wäre ein Irrweg, dessen gravierende Konsequenzen von seinen Befürwortern wohl kaum zu Ende gedacht worden sein dürften", sagte Horn Handelsblatt Online. "Am schlimmsten wäre, dass die mit diesen Schritten erzeugte Unsicherheit auf den Finanzmärkten die berechtigte Erwartung weiterer Austritte hervorrufen würde." Käme es dann nach Griechenland zu weiteren Euro-Austritten, wäre nach Horns Überzeugung das Ende der Euro-Zone vorgezeichnet. "Gerade für Deutschland käme eine solche Entwicklung einer massiven Aufwertung seiner Währung gleich, was auch die deutsche Wirtschaft in erhebliche Probleme stürzen würde."

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Zwar hätten die Einführung einer weichen Drachme den Vorteil, dass die griechischen Güter aus Sicht der ausländischen Kunden billger würden, sagte Krämer Handelsblatt Online. "Aber es gäbe zwei gewaltige Nachteile: Zum ersten würden die Griechen ihre Banken stürmen, um sich ihre Guthaben in Euro auszahlen zu lassen und so der erwarteten Drachme-Abwertung zu umgehen. Zum zweiten müssten viele griechische Unternehmen ihre Auslandsschulden mit harten Euros zurückzahlen, vielen drohte dann Ùberschuldung", erläuterte der Ökonom und fügte hinzu: "Für Griechenland wäre ein Austritt aus dem Euroraum sehr gefährlich."

Für abwegig hält auch EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny die Euro-Austritt-Theorie. Wie das Wiener Magazin „Profil“ am Montag berichtete, nannte der österreichische Notenbankpräsident derartige Überlegungen Unsinn. Ein Austritt sei technisch und wirtschaftlich undenkbar. Ein solcher Schritt hätte zur Folge, dass es zu einem „Bankrun“ käme - also dass die Bürger ihre Spareinlagen abzögen.

In der Euro-Zone gibt es zunehmend Zweifel, dass Griechenland ohne neue drastische Schritte und neue Hilfen seiner Finanzprobleme noch Herr werden kann. Zuletzt wurde in Medien auch über eine Rückkehr des Landes zu einer nationalen Währung und damit der Abkehr vom Euro spekuliert. Genährt wurden Spekulationen über eine Verschärfung der Schuldenprobleme und eine doch näher rückende Umschuldung durch ein Treffen führender Vertreter des Währungsraums und der EU am Freitagabend in Luxemburg. Das Treffen hatten die Teilnehmer geheim halten wollen.

Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou stemmt sich vehement gegen einen Bericht, in dem von Überlegungen über einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone die Rede gewesen war. "Solche Szenarien bewegen sich an der Grenze des Kriminellen", schäumte er am Samstag in Athen. Selbst in den Hinterzimmern der Regierung sei das kein Thema. Man solle Griechenland in Ruhe seine Probleme abarbeiten lassen. Auch das Führungsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) Erkki Liikanen unterstrich am Samstag: "Kein Land der Euro-Zone will den Euro aufgeben."

Um das Thema Euro-Ausstieg sei es bei dem Treffen in Luxemburg nicht gegangen, sagte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker anschließend. Das sei "eine dumme Idee". Und auch eine Umschuldung Griechenlands sei erneut ausgeschlossen worden. "Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert", sagte der luxemburgische Regierungschef.

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  • Griechenland ist pleite. basta. Die Pleitegeier kreisen
    weiter über Portugal und Irland, demnächst auch über
    Spanien. Euro und vor allem Deutschland pumpt Milliarden
    Euro in diese maroden Wirtschaften und in Deutschland
    werden Schwimmbäder, Kindergärten und viele soziale
    Einrichtungen geschlossen. Außerdem können Straßen,
    Brücken und kulturelle Einrichtungen nicht saniert
    werden. Immer der gleiche Tenor: "Geldmangel" Diese
    Regierung unter Merkel gehört eingesperrt. Denn was hier
    geschieht ist Verrat an unsere Volkswirtschaft auf Kosten
    der gesamten Bevölkerung. Wer einen Staat durch Mißwirtschaft in die Pleite treibt, sollte eingentlich
    Insolvenz anmelden und nicht auf Kosten anderer so
    weitermachen wie bisher, indem man Pfründe der Begüterten
    sichert und die Armen zahlen läßt. Kein Wunder daß
    Wutbürger in diesen Ländern auf die Straße gehen.

  • Befinden wir uns nicht mitten auf einem Irrweg ? Und Herr Horn bezeichnet einen Ausstieg aus diesem System als Irrweg. Seine Lösung aus seinem Katastrophenzenario das ich sehe: wir erhöhen unsere Steuern mit einem Soli und schenken das Soliaufkommen den Staaten der Eurozohne. Damit müssen diese sich nicht weiter verschulden. Und diese Staaten bleiben liquide. Und wir haben weiterhin Arbeit und Produktion. Dann müssen wir die Sorgen und Ängste von Herrn Horn nicht mehr teilen und uns drohen lassen, dass wir keine Arbeit mehr haben. Das ist sein richtiger Weg ! Hat Herr Horn sich einmal gefragt, wen es eigentlich interessiert, wenn das System zusammenbricht ? Das würde doch unsere Kinder eine reale Chance für einen Neuanfang bieten. Also, dass Herr Horn kein mutige Lösung will, verstehe ich gut.

  • da möchte ich ein wenig korrigieren.
    Auch Merkel machte damals gewaltig Druck auf die EZB.
    Merkel ist die größte Volksvernichterin die wir seit 45 je hatten

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