Gefahr für Nahost-Friedensprozess
Scharons Erzfeinde wittern ihre Chance

Die politische Ära Ariel Scharon geht zu Ende: Nach seinem schweren Schlaganfall wird der israelische Ministerpräsident vermutlich nicht mehr auf die politische Bühne zurückkehren. Doch ohne ihn drohen verheerende Auswirkungen auf den Friedensprozess im Nahen Osten. Scharons Erzfeinde sitzen bereits in den Startlöchern.

HB JERUSALEM. Nur schwer lässt sich absehen, was geschehen könnte, sollte Ariel Scharon nicht mehr an der Spitze seiner politischen Bewegung stehen. Es herrscht das Schreckgespenst eines politischen Vakuums in Israel. Sollte sich Scharons Zustand nach der Gehirnoperation nicht wieder normalisieren - wer könnte dann seine Strategie der einseitigen Zugeständnisse weiterführen?

Knapp drei Monate vor der israelischen Parlamentswahl könnten in Israel die Hardliner um den populistischen Exministerpräsidenten Benjamin Netanjahu neuen Auftrieb bekommen. Und obwohl Scharon bei den Palästinensern keineswegs beliebt ist, so hat er doch durch den Abzug aus dem Gazastreifen seine generelle Bereitschaft zu einem Kompromiss gezeigt.

Erst im November hatte Scharon den konservativen Likud-Block verlassen, um eine moderate Partei der Mitte zu Gründen. Kadima galt als aussichtsreichste Partei bei der für den 28. März geplanten Wahl. Doch die Partei ist vor allem eine Ein-Mann-Schau Scharons, und ohne ihn wäre ihre Zukunft völlig ungewiss. Doch Ärzte beurteilten die Aussicht auf eine vollständige Genesung Scharons nach dem Schlaganfall und den starken Hirnblutungen als äußerst schlecht.

Fotostrecke: Vom Kriegshelden zum Friedenspolitiker

In den vergangenen Monaten haben viele Israelis ihre Hoffnungen in Scharon gesetzt. In ihren Augen ist der einst eisenharte Kommandeur und Verteidigungsminister der einzige Politiker, der die endgültigen Grenzen ihres Staates festlegen kann. Jahrzehntelang war Scharon der eifrigste Verfechter der Siedlungspolitik, doch im September setzte er gegen massiven innenpolitischen Widerstand den Abzug aus dem Gazastreifen durch. Als erster israelischer Regierungschef trat er damit Land an die Palästinenser ab, das diese für einen künftigen Staat beanspruchen.

Scharon setzte im vergangenen Jahr ein Ende der 38-jährigen israelischen Militärherrschaft über den palästinensischen Gaza-Streifen gegen eine starke rechte Opposition in Israel durch. Zu den vorgezogenen israelischen Parlamentswahlen im März trat er zudem mit einer neuen Partei an, die eine Beendigung des Konflikts mit den Palästinensern versprach.

Sein Ausfall als Ministerpräsident könnte die israelische Politik ins Chaos stürzen. So erwartet auch die Palästinenser-Regierung zusätzliche Schwierigkeiten für den Nahost-Friedensprozess. „Politisch werden sich die Unsicherheiten auf dem Weg zurück zum Friedensprozess vergrößern“, sagte der stellvertretende palästinensische Ministerpräsident Nabil Schaath. „Es ist kaum vorherzusagen, was geschehen wird.“

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