Gefangen von Islamisten
Fingernägel rausgerissen, Mund zugenäht

Entführt von radikalen Islamisten, Folter, wechselnde Gefängnisse – wie überlebt man das? Der Pakistaner Shahbaz Taseer ist nach fünf Jahren freigekommen – und erzählt nun zum ersten Mal davon.

IslamabadEntführung, Folter, Flucht in die Freiheit – zum ersten Mal hat der jahrelang von Islamisten gefangengehaltene Sohn eines pakistanischen Gouverneurs, Shahbaz Taseer, seine Geschichte im Detail erzählt. Vor fünf Wochen war er freigekommen – am Montagabend und Dienstag beschrieb er in Gesprächen mit BBC Urdu und der CNN-Reporterin Christiane Amanpour, wie die wechselnden Entführer ihn behandelt hatten und wie er überlebt hat.

„Sie haben meine Fingernägel rausgerissen. Sie haben meinen Rücken mit Klingen aufgeschnitten und Salz darauf geworfen“, sagte er unter anderem. „Sie haben meinen Mund zugenäht und mich eine Woche lang hungern lassen. Sie haben mir ins Bein geschossen. Ich blutete für eine Woche, aber sie haben mir nie Medikamente gegeben.“ Die Männer hätten Geld und die Freilassung von Gefangenen gefordert. Sie hätten zur Folter gegriffen, um seine Familie gefügig zu machen.

Zu seinen Entführern sagte er, er sei lange von der radikalen Islamischen Bewegung von Usbekistan (IMU) festgehalten worden. Die Islamisten sind in Pakistan Alliierte von Al-Kaida. Taseer beschrieb, wie er in Pakistans Stammesgebieten in Häusern gewesen sei, in denen auch Al-Kaida-Anführer lebten. Zweimal habe es Drohnenangriffe auf sie gegeben, während er dabei war.

Die IMU gilt auch als Alliierte der afghanischen Taliban. Dennoch habe es eines Tages einen blutigen Streit seiner IMU-Entführer mit Taliban-Kämpfern gegeben, und er sei in deren Hände übergegangen. In einem Taliban-Gefängnis in Afghanistan habe dann ein Wächter ihm geholfen, freizukommen, sagte Taseer. Er habe dank des Helfers selber zurück nach Pakistan gefunden.

Die genauen Umstände seiner Befreiung blieben in Shahbaz Taseers Darstellung allerdings unklar. Fraglich ist besonders, ob Taliban eine derart wertvolle Geisel ohne Gegenleistung hätten ziehen lassen.

Seine Freunde würden ihn nun tapfer nennen, sagte Taseer. Aber vor allem sei er geduldig gewesen. Geduld sei das Wichtigste, was er in Gefangenschaft gelernt habe. Heute genieße er jeden Tag und vor allem, dass er wieder seine eigenen Entscheidungen treffen könne.

Shahbaz Taseer war im August 2011 entführt worden, kurz nachdem ein Islamist seinen Vater, den liberalen Gouverneur Salman Taseer, wegen dessen Kritik an den strengen Blasphemiegesetzen des Landes erschossen hatte. Der Gouverneursmörder wurde zum Helden religiöser Massen. Vor kurzem ist er hingerichtet worden. Analysten glauben, der Sohn sei entführt worden, um den Mörder des Vaters freizupressen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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