Gefangene Briten
Blair droht Iran

Premierminister Tony Blair reißt der Geduldsfaden: Großbritannien hat im Fall seiner vom Iran festgehaltenen Marinesoldaten Teheran jetzt eine härtere Gangart angedroht. Auch Deutschland mischt sich ein.

HB TEHERAN. „Sie müssen sie freilassen. Wenn nicht, wird dies in eine andere Phase treten“, sagte Premierminister Tony Blair dem Fernsehsender GMTV. Demnächst könnte Großbritannien Beweise veröffentlichen, dass die Soldaten anders als vom Iran behauptet nicht in Gewässer der Islamischen Republik gefahren seien, ergänzte Blairs Sprecher.

Entsprechende Daten eines satellitengestützten Navigationssystems (GPS) hätten die Briten bisher noch nicht publiziert, „weil wir nicht wollen, dass dies eskaliert“. Regierungskreisen zufolge hat Großbritannien die Aufzeichnungen dem Iran aber bereits zur Verfügung gestellt. Iranische Sicherheitskräfte hatten die im Irak stationierten Briten am Freitag auf einer Patrouillenfahrt auf einem Grenzfluss festgenommen.

Die 15 Soldaten - 14 Männer und eine Frau - gehörten zu einer Einheit der Royal Navy, die unter Uno-Mandat die Sicherheit der irakischen Ölterminals und der irakischen Hoheitsgewässer gewährleisten soll. Die US-Streitkräfte am Persischen Golf erklärten am Dienstag, die Briten hätten zum Zeitpunkt ihrer Festnahme ein unter indischer Flagge fahrendes Handelsschiff kontrolliert, in dem vermutlich Autos geschmuggelt worden seien.

Auch Außenministerin Margaret Beckett erhöhte den Druck auf die Regierung in Teheran: Sie habe in einem Telefonat mit ihrem iranischen Kollegen Manutschehr Mottaki „in robustem Ton“ erneut die Rückkehr der Gefangenen gefordert, teilte ihr Ministerium mit.

Trotz der Drohungen aus London stellte Iran den Briten lediglich Zugang zu den Seeleuten in Aussicht, wenn eine vorläufige Untersuchung des Falls abgeschlossen ist. „Natürlich sind sie an einem völlig sicheren Ort und werden auf eine humane und islamische Weise behandelt“, sagte Außenamtssprecher Mohammad Ali Hosseini im Staatsfernsehen.

Auch Deutschland forderte den Iran auf, die Seeleute freizulassen, und bestellte dazu den Botschafter der Islamischen Republik in Berlin ein. Die Briten hätten unter dem Mandat der Vereinten Nationen operiert, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Der Iran sei für die Unversehrtheit der Europäer verantwortlich und habe außerdem die Verpflichtung, umgehend konsularischen Zugang zu ihnen zu gewähren. Die Bundesregierung hat derzeit die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union (EU) inne.

Gegenwärtig wird spekuliert, ob die Gefangennahme der Soldaten im Zusammenhang mit der Verhaftung von fünf Iranern im Januar im Irak durch US-Truppen steht. Blair sagte, dies sei für den aktuellen Fall ohne Belang. „Jeder bewaffnete Iraner, der sich im Irak aufhält, verstößt gegen das Uno-Mandat und unterminiert die demokratisch gewählte Regierung des Iraks“, sagte Blair. Der Iran müsse sich die Frage stellen, ob er internationale Abmachungen einhalten wolle oder nicht. „Wir arbeiten mit aller Kraft daran, dem Iran klar zu machen, dass dies sehr vernünftig wäre“, sagte Blair.

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