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16.07.2008 
Zwei Jahre nach Ende des Libanonkrieges

Gefangenenaustausch: Trauer in Israel, Freude im Libanon

Das letzte Kapitel des Libanonkrieges ist geschlossen: Fast genau zwei Jahre nach dem Ausbruch des Krieges haben Israel und die Hisbollah-Miliz Gefangene und die sterblichen Überreste von rund 200 Menschen ausgetauscht. Darunter auch die beiden toten israelischen Soldaten, deren Entführung den Krieg auslöste.

Israelische Soldaten salutieren neben dem Fahrzeug, in dem ihre toten Kameraden Eldad Regev und Ehud Goldwasser liegen. Die Entführung der beiden Soldaten hatte am 12. Juli 2006 den Libanonkrieg ausgelöst. Foto: apLupe

Israelische Soldaten salutieren neben dem Fahrzeug, in dem ihre toten Kameraden Eldad Regev und Ehud Goldwasser liegen. Die Entführung der beiden Soldaten hatte am 12. Juli 2006 den Libanonkrieg ausgelöst. Foto: ap

HB TEL AVIV/BEIRUT. Mit dem Austausch von Gefangenen und sterblichen Überresten von rund 200 Menschen haben Israel und die Hisbollah-Miliz das letzte Kapitel des Libanonkrieges geschlossen. Zwei Jahre nach dem Waffengang übergab die Hisbollah am Mittwoch am Grenzübergang Rosch Hanikra die beiden toten israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser. Deren Entführung am 12. Juli 2006 hatte den Libanonkrieg ausgelöst. Im Gegenzug ließ Israel den Top-Terroristen Samir Kuntar sowie vier Hisbollah-Kämpfer frei. Außerdem sollten die Leichen von 199 Libanesen und Palästinensern übergeben werden.

Dem in Israel sehr umstrittenen Austausch waren monatelange schwierige Verhandlungen unter deutscher Vermittlung vorausgegangen. Während in Israel Betroffenheit und Trauer wegen des Todes der beiden Soldaten vorherrschten, gab es im Libanon unverhohlenen Jubel vor allem wegen der Freilassung Kuntars.

Die Angehörigen der beiden toten israelischen Soldaten dankten dem von den Vereinten Nationen beauftragten deutschen Vermittler Gerhard Conrad für dessen Bemühungen. Die Angehörigen hätten sich mehrmals heimlich mit ihm getroffen, sagte ein Sprecher der Familien, Schmulik Elgrabli, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Bundesregierung würdigte den Austausch als politisch und humanitär wichtigen Schritt. Zugleich bedauerte Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin zutiefst, dass die beiden israelischen Soldaten tot sind. Steg sprach den Familien sein Mitgefühl aus.

Die fünf freigelassenen Libanesen wurden auf Heimatboden mit großem Bahnhof empfangen. In der libanesischen Grenzstadt Nakura wurden sie von tausenden Hisbollah-Anhängern begrüßt worden, die sie mit Marschmusik und Ehrengarde feierten. Kuntar hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Jeans und graues Sweatshirt gegen eine Militäruniform getauscht.

Die Freigelassenen wurden anschließend mit dem Hubschrauber zum internationalen Flughafen von Beirut geflogen. Dort wurden sie von Präsident Michel Suleiman, Ministerpräsident Fuad Siniora, Parlamentspräsident Nabih Berri, Parlamentsabgeordneten und einem Vertreter der Hisbollah begrüßt. „Eure Rückkehr ist ein Segen für uns alle“, sagte Suleiman in einer Ansprache. Er dankte allen Parteien, die sich für den Gefangenenaustausch eingesetzt hatten. Hisbollah- Chef Hassan Nasrallah erschien erstmals seit Dezember 2006 kurz wieder der Öffentlichkeit, um die Heimkehrer zu begrüßen. Er sprach von einem „Sieg“, und kündigte eine Fernsehansprache an.

Sami Abu Suhri, Sprecher der radikal-islamische Hamas-Organisation sagte, der Häftlingsaustausch sei der Beweis, dass die Entführung von israelischen Soldaten der beste Weg sei, um Gefangene aus israelischer Haft freizubekommen. Die Hamas hält seit zwei Jahren den israelischen Soldaten Gilad Schalit in ihrer Gewalt.

Dagegen übte der israelische Regierungssprecher Mark Regev scharfe Kritik an den Feierlichkeiten im Libanon. „Samir Kuntar ist ein brutaler Kindermörder und wer ihn als Helden feiert, tritt die grundlegenden Werte des menschlichen Anstands mit Füßen“, sagte Regev. Kuntar kündigte am Abend an, in die Palästinensergebiete zurückkehren zu wollen.

Zwei Jahre lang hatten die Angehörigen der vermissten Soldaten Regev und Goldwasser auf ein kleines Wunder gehofft. Als die Hisbollah am Mittwochmorgen zwei schlichte schwarze Särge an Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) übergab, wurde der Tod jedoch zur traurigen Gewissheit. „Zwei lange Jahre der Sorge, des Leids und großen Schmerzes sind heute zu Ende gegangen“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme beider Familien. „Leider haben wir unsere Söhne als Leichen und nicht als Lebende zurückbekommen.“ Shlomo Goldwasser, Vater eines der beiden Soldaten, äußerte sich entsetzt über die Freudenfeierlichkeiten im Libanon zur Rückkehr Kuntars: „Ist der Mörder eines kleinen Mädchens Euer Held?“

Kuntar, der zur Tatzeit erst 16 Jahre alt war, ist für den Tod von fünf Menschen, darunter zwei kleinen Mädchen im Alter von zwei und vier Jahren, verantwortlich. Er hat rund 30 Jahre Haft in Israel verbüßt und war damit der am längsten einsitzende arabische Häftling.

Die Freilassung Kuntars und der anderen vier Männer hatte sich am Mittwoch über Stunden in die Länge gezogen, weil israelische Experten zuerst zweifelsfrei die Identität von Goldwasser und Regev bestätigen wollten.

Am späten Abend hat sich auch Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah zu Wort gemeldet. „Dieses Volk, diese Nation und dieses Land ... können nicht geschlagen werden“, rief Nasrallah am Mittwoch seinen Anhängern bei einer Veranstaltung in Beirut zu, wo er die fünf freigelassenen Libanesen persönlich begrüßte. Es war einer der wenigen öffentlichen Auftritte des Hisbollah-Chefs, der sich normalerweise aus Sicherheitsgründen versteckt hält. In der ganzen Stadt feierten derweil Tausende Menschen, am Himmel leuchtete ein Feuerwerk.

Nasrallah nannte den Gefangenenaustausch einen „großen Sieg“ für den Libanon und für die Hisbollah-Bewegung. Der Widerstand dieser Organisation stelle „die wahre Identität“ der Region dar, sagte der Hisbollah-Generalsekretär in seiner im Fernsehen übertragenen Rede. Er erinnerte daran, dass noch 11 000 palästinensische Häftlinge in israelischen Häftlingen einsitzen und rügte arabische Regierungen, sich nicht um deren Freilassung gekümmert zu haben. Nasrallah bedankte sich beim deutschen Vermittler Gerhard Conrad und beim Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon für deren Rolle bei den Verhandlungen.

Zuvor waren die Ex-Gefangenen in Nakura bereits auf einem roten Teppich von der Hisbollah begrüßt worden. Später wurden sie in Beirut von Staatspräsident Michel Suleiman, Ministerpräsident Fuad Siniora und Parlamentspräsident Nabih Berri empfangen. „Ihre Rückkehr ist ein neuer Sieg“, sagte Suleiman.

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