Gefecht an der Grenze
Syrien soll israelisches Armeefahrzeug zerstört haben

Ein israelisches Fahrzeug soll auf den Golan-Höhen von der syrischen Armee zerstört worden sein. Das gab der syrische Generalstab bekannt. Die israelische Seite dementiert. Die Rhetorik auf beiden Seiten wird schärfer.

Damaskus/Jerusalem/BeirutDie Spannungen im syrisch-israelischen Grenzgebiet haben sich am Dienstag deutlich verschärft und die Sorge vor einem Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs auf die Nachbarländer verstärkt. Erstmals erklärte die syrische Armeeführung, ihre Einheiten hätten ein israelisches Militärfahrzeug zerstört, das über die Waffenstillstandslinie auf den Golan-Höhen auf syrisches Staatsgebiet vorgedrungen sei. Eine Sprecherin der israelischen Armee dementierte diese Darstellung umgehend. Israel bestätigte aber die Zerstörung eines "militärischen Ziels" in Syrien als Reaktion auf den Beschuss einer Patrouille auf den Golan-Höhen. Die Führungen beider Staaten verschärften zudem ihre gegenseitigen Drohungen.

Nach syrischen Angaben ereignete sich der Zwischenfall in der Nacht zum Dienstag. Die "eklatante zionistische Aggression" sei mit Entschlossenheit zurückgeschlagen worden, hieß es in einer Stellungnahme der syrischen Armeeführung. Jede tatsächliche oder versuchte Verletzung der Souveränität Syriens werde mit "sofortiger und entschlossener Vergeltung" beantwortet, erklärte die Armee weiter.

Die israelische Armee bekräftigte dagegen ihre frühere Darstellung, wonach am frühen Morgen ein Militärfahrzeug auf israelischem Gebiet auf den Golan-Höhen aus Syrien unter Feuer genommen worden sei. Das Fahrzeug sei beschädigt worden, Verletzte habe es aber nicht gegeben. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Die israelische Armee erklärte, sie verfolge die Entwicklung mit Sorge. Nach einem Bericht des Armeerundfunks wurde bereits den dritten Tag in Folge von Syrien aus auf die von Israel annektierten Golan-Höhen geschossen.

Ein Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs auf die Nachbarländer gilt als eine der größten Sorge der Staatengemeinschaft. Israel hat sich das Recht vorbehalten, gegen Waffenlieferungen der syrischen oder iranischen Regierung an die radikale libanesische Hisbollah-Miliz militärisch vorzugehen. Hisbollah gilt als verlängerter Arm des Iran und kämpft vom Libanon aus gegen Israel. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat zuletzt am Sonntag erklärt, Israel sei auf alle Szenarien in Syrien vorbereitet.

Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon bekräftigte diese Haltung am Dienstag: "Wir mischen uns nicht in den Bürgerkrieg ein, aber auf den Golan-Höhen erlauben wir kein Übergreifen der Kämpfe auf unser Gebiet", sagte er vor Journalisten.

Seit der Eskalation des Bürgerkrieges im Nachbarland waren in den vergangenen Monaten immer wieder Querschläger aus Gefechten zwischen Rebellen und syrischer Armee auf dem Golan eingeschlagen. Auch islamistische Rebellen hatten angekündigt, die Gebiete zurückerobern zu wollen und zur Untermauerung auf den nur dünn besiedelten Höhenzug gefeuert. Israel hatte die Golanhöhen im Norden des Landes im Sechstagekrieg 1967 von Syrien erobert und später seinem Staatsgebiet zugeschlagen. Sie sind heute ein wichtiger strategischer Vorposten zu Syrien und zudem ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Landwirtschaft, Weinbau und Tourismus.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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