Gefürchtete Finanzbehörden
Britische Unternehmen flüchten vor der Steuer

Den britischen Finanzbehörden entgehen jährlich 20 Milliarden Euro durch Steuerflucht. Nach Informationen der Hilfsorganisation ActionAid flüchten die meisten britischen Aktienunternehmen in Steueroasen.
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LondonGroßbritannien hat nach einer Untersuchung der Anti-Hunger-Organisation ActionAid ein Riesenproblem mit der Steuerflucht. 98 von 100 im Aktienindex FTSE gelisteten Unternehmen hätten Tochtergesellschaften in Steueroasen gegründet, fand eine Untersuchung der Hilfsorganisation ActionAid, die am Dienstag in London veröffentlicht wurde, heraus. Den britischen Finanzbehörden entgingen auf dieses Weise pro Jahr rund 18 Milliarden Pfund (rund 20 Mrd Euro) - mehr als das Zehnfache als etwa durch den Missbrauch von Sozialleistungen. 

Die Organisation rief die britische Regierung auf, Steueroasen wie die Kanalinseln Jersey und Guernsey oder die Isle of Man trocken zu legen. „Wir können es uns nicht mehr leisten, wegzuschauen“, hieß es von ActionAid. „Wenn multinationale Konzerne mit Hilfe von Steueroasen verhindern, ihren Teil beizutragen, dann müssen normale Menschen in armen wie in reichen Ländern die Rechnung zahlen“, sagte Chris Jordan, Rechtsexperte bei ActionAid. 

Die FTSE-100-Unternehmen hätten insgesamt mehr als 34.000 Tochtergesellschaften - ein Viertel davon sei in Steueroasen beheimatet, fand der Bericht heraus. Allein die vier größten britischen Banken Barclays, HSBC, Lloyds und Royal Bank of Scotland hätten 1649 Tochtergesellschaften mit Sitz in Niedrigsteuer-Ländern. Allein Barclays betreibe 174 Gesellschaften auf den Cayman Islands in der Karibik. In der Steueroase Jersey im Ärmelkanal sind dem Bericht zufolge 600 Tochtergesellschaften der FTSE-100-Unternehmen beheimatet - mehr als in ganz China.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gefürchtete Finanzbehörden: Britische Unternehmen flüchten vor der Steuer"

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  • Na Bravo, so gibt es doch auf der Welt noch Unternehmer mit Rückgrat!
    Einstweilen hätten es die deutschen Unternehmer nötiger, denn die Briten zahlen ja nicht für das EU gemurkse, sondern nur die Deutschen.
    Deshalb www.steuerembargo.co.de

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