Gegenseitige Beschuldigungen
Konflikt zwischen Südossetien und Georgien eskaliert

Der zwischen Georgien und der abtrünnigen Region Südossetien an der Grenze zu Russland seit Wochen schwelende Konflikt ist eskaliert. Nach Angaben aus der georgischen Hauptstadt Tiflis wurden am Donnerstag bei mehrstündigen Feuergefechten in Südossetien drei Georgier getötetvund zehn verletzt.

HB TIFLIS. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili will das 1992 abgespaltene Südossetien wieder unter Kontrolle der Zentralregierung bringen. Nachdem er in der Hauptstadt Tiflis und in Adscharien zwei Mal friedliche Machtwechsel erreicht hat, floss jetzt zum ersten Mal unter seiner Herrschaft Blut in Georgien. Der von Saakaschwili im vergangenen November gestürzte Präsident Eduard Schewardnadse hatte in seiner Regierungszeit offene Konfrontationen mit den abtrünnigen Gebieten vermieden.

Georgier und Südosseten beschuldigten einander, Dörfer der jeweils anderen Volksgruppe in der nur 3880 Quadratkilometer großen Region mit Gewehren und schweren Waffen beschossen zu haben. Auch russische Soldaten, die als Teil einer Friedenstruppe in Südossetien stehen, meldeten, sie seien unter Beschuss geraten. Das Außenministerium in Moskau forderte eine Dringlichkeitssitzung der russisch-georgisch- ossetischen Kontrollkommission über die Truppe.

Saakaschwili beriet in der Nacht in Tiflis mit seinem Kabinett über die Gefechte. „Wir werden hart reagieren“, kündigte der georgische Innenminister Irakli Okruaschwili an. Er warf der südossetischen Seite vor, zuerst das Feuer eröffnet zu haben. Der südossetische Innenminister Robert Gulijew berichtete, georgische Artillerie habe die Hauptstadt Zchinwali beschossen. Dabei seien zehn Menschen verletzt worden, sagte er der Agentur Interfax.

Erst am Mittwoch hatte sich die georgische Militärführung mit Moskau darauf verständigt, alle bewaffneten Einheiten außer der Friedenstruppe aus dem Konfliktgebiet abzuziehen. Die südossetische Führung hatte im Juli zahlreiche Bewohner aus Angst vor einem georgischen Angriff bewaffnet. Das Gebiet an der Grenze zu Russland mit etwa 70 000 Einwohnern lebt vor allem vom Schmuggel. Viele Südosseten haben die russische Staatsbürgerschaft. Der Rubel ist gängige Währung.

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