Gegenseitige Strafmaßnahmen: US-Politiker fühlen sich durch Sanktionen geehrt

Gegenseitige Strafmaßnahmen
US-Politiker fühlen sich durch Sanktionen geehrt

Russland straft zurück – und belegt US-Politiker mit Sanktionen. Doch ebenso wie die US-Strafen in Moskau bewirken die Maßnahmen in Washington vor allem eines: Spott. John McCain ist stolz, ein Unerwünschter zu sein.
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New YorkIn Washington kann man auf einer Menge Listen stehen. Der Einladungsliste zum Neujahrsempfang des Präsidenten zum Beispiel, oder der exklusiven Mitgliederliste des Alfalfa Clubs. Im Moment hat jedoch eine Liste der besonderen Art die Top-Priorität, jedenfalls wenn es nach den Kommentaren der Betroffenen geht. Eine Liste, auf die man sich nicht mit Geld oder durch kleine politische Gefälligkeiten einkaufen kann. Die exklusiven Einladungen dazu verschickt nur Russlands Präsident Wladimir Putin.

Nur Minuten nach der Verschärfung der Sanktionen durch USA und EU, bei der weitere russische und ukrainische Politiker und Industrielle auf die Liste der unerwünschten Personen in den USA gewandert sind, schlug der Kremlchef zurück. Neun US-Amerikaner, darunter vor allem republikanische Politiker, landeten auf einer russischen Blockadeliste.

Allerdings so, wie auch die westliche Liste weiterhin die wirklich wichtigen Entscheidungsträger im Kreml ausspart, um nicht die Tür zu Verhandlungen endgültig zuzuschlagen, so schießt auch Putin erst einmal Warnschüsse ab. So verwehrt er etwa dem republikanischen Sprecher des Kongresses, John Boehner, die Einreise, dem Senator John McCain aus Arizona oder Dan Coats aus Indiana. Nicht die Entscheidungsträger der Regierung, wenn es um die aktive Krim-Politik geht, dafür aber umso lautere Kritiker Putins.

Die unerwünschten Gäste tragen das Einreiseverbot wie eine Ehrenstandarte vor sich her oder reagieren mit beißendem Spott. „Ich bin ziemlich enttäuscht, dass ich meinen Sibirien-Urlaub nicht antreten kann“, weint Senator Coats Krokodilstränen auf Twitter, um fortzufahren, „Aber ich bin stolz auf der Liste zu stehen.“ Desgleichen stellt Senator Bob Mendez, Demokrat aus New Jersey, pragmatisch fest: „Wenn das Eintreten für Demokratie und die Freiheit bedeutet, dass ich von Putin sanktioniert werde, dann sei es eben so.“

Die wohl „schärfste“ Warnung kam von Senator Harry Reid, dem Führer der demokratischen Senatsmehrheit: „Präsident Putin“, twitterte er seinen guten Rat, sozusagen von Mann zu Mann: „Sich mit mir anzulegen, das ist das eine. Aber ich rate Ihnen davon ab, es sich mit Mary zu verscherzen.“ Die Angesprochene, Mary Landrieu, demokratische Senatorin aus Louisiana, gab ebenfalls ein Statement ab: Auch sie empfindet ihren Listenplatz als „Ehrenmedaille“. Mit Landrieu hat sich Putin vielleicht wirklich die Falsche vorgeknöpft. Sie ist Vorsitzende des Energieausschusses und setzt sich vehement dafür ein, Amerika zu einer Weltmacht im Energieexport zu machen, vor allem, um den Einfluss Russlands in Europa zurückzudrängen.

Republikaner gratuliert Obama-Berater

Ätzend auch Senator McCain, der zutiefst bedauert, dass jetzt seine „geheimen Konten in Moskau“  wohl eingefroren und wohl auch seine „Gazprom-Aktien“ jetzt weg sein dürften. Aber das werde er für den „Kampf um die Freiheit“ ebenso ertragen, wie den abgesagten Urlaubstrip nach Sibirien. Sibirien scheint irgendwie der einzige Urlaubsort in Russland zu sein, den US-Politiker kennen.

Die Freude, in den exklusiven Club aufgenommen zu sein, macht nicht einmal vor Parteigrenzen halt. Brenden Buck, ein Berater des republikanischen Parlamentssprechers Boehner, gratulierte Obama-Berater Dan Pfeiffer per Twitter, dass er es auf die Liste geschafft habe. Nach dem Motto: Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung im Obama-Lager.

Unter dem Hashtag #sanctionedbyPutin meldeten sich dann im Laufe des Tages auch immer mehr US-Bürger zu Wort, um ihrer Frustration Luft zu machen, wieder einmal übergangen worden zu sein. So wie Nutzer Richard, der die Welt nicht mehr versteht: „Erst habe ich die Forbes-Liste der Milliardäre verpasst“ und „jetzt auch noch Putins Sanktionsliste“, jammert er und postet es zusätzlich noch unter dem Hashtag: „whereHaveIgoneWrong“. Was habe ich nur falsch gemacht?

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Die Fürsten der Finsternis (von A wie Albright über Cheney, Kissinger, Pearl, McCain bis Feingold) spielen wieder ihr großes Spiel und die Vasallen spielen munter mit. Wenn sie mal nach Menschenrechten schauen wollen, warum schauen sie nicht mal nach Boston nach New York oder Chicago, wo Hunderttausende aus Mülltonnen oder von Lebensmittelmarken ihren Unterhalt bestreiten müssen. Kein Hemd auf'm Arsch aber die Weltpolitik bestimmen – tolle Supermacht – das Hemd auf dem Besagten besteht aus Waffen und bedrucktem Papier. Der Kaiser ist nackt!

  • nomen est omen?!

  • Bekomme schon Mitleid für Sie, soviel wie ich Ihnen schon heute eingeschenkt habe - das ist wie auf einer Karnevalssitzung!

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