Gegenseitige Vorwürfe der Wahlmanipulation
Schlagabtausch beim Fernsehduell in der Ukraine

Die beiden Präsidentschaftskandidaten Viktor Juschtschenko und Viktor Janukowitsch haben sich sechs Tage vor der Wiederholung der Präsidentenwahl in der Ukraine einen heftigen Schlagabtausch in einem Fernsehduell geliefert.

HB KIEW. Sie warfen sich gegenseitig vor, die Wahl manipuliert zu haben. Im Gegensatz zu ihrem ersten Fernsehduell, bei dem beide nur Stellungnahmen zu vorher ausgehändigten Fragen abgegeben hatten, war diesmal ein Streitgespräch zugelassen.

Ministerpräsident Janukowitsch sagte, die Massenproteste der Juschtschenko-Anhänger seien nichts anderes als ein Putsch gewesen, um ihn um seinen fair errungenen Wahlsieg zu bringen. Zugleich warnte er den Oppositionsführer, dass dieser niemals Präsident der ganzen Ukraine werden würde. „Glauben sie, Viktor Andrejewitsch (Juschtschenko), dass sie gewinnen und Präsident der Ukraine werden?“ fragte er. „Sie machen einen Riesenfehler. Sie werden Präsident eines Teils der Ukraine sein“, sagte Janukowitsch, der russisch sprach.

Der Regierungschef hat seine Anhänger vor allem russisch-sprachigen im Osten des Landes und stammt auch von dort. Auf dem Höhepunkt der Krise nach der gefälschten Stichwahl vom 21. November hatten seine Anhänger mit einer Abspaltung der stark industriell geprägten Gebiete an der Grenze zu Russland gedroht. Juschtschenko strebt dagegen eine stärkere Bindung des Landes an Europa an. Dafür wird er vor allem im ukrainischsprachigen Westen des Landes unterstützt.

Juschtschenko sprach ukrainisch und warf seinem Gegner vor, die Stichwahl manipuliert zu haben. „Sie sind doch ein religiöser Mensch, nicht wahr?“, sagte er und zeigte auf Janukowitsch, „Sie sollten nicht stehlen. ... Und dann haben sie drei Millionen Stimmen gestohlen.“ Die Ukraine habe aber für ihre Freiheit als unabhängiger und ganzer Staat gekämpft. Nach Massendemonstrationen der Opposition hatte das Oberste Gericht die Stichwahl wegen Wahlfälschung annulliert und eine Wiederholung angeordnet. Sie findet am 26. Dezember statt.

In den vergangenen Tagen hatten beide Kandidaten versucht, in den jeweiligen Hochburgen ihres Rivalen Wähler von sich zu überzeugen. Juschtschenko, der eine westliche Demokratie mit liberaler Wirtschaftsordnung anstrebt, besuchte den Osten der früheren Sowjetrepublik. Dort versprach er Unterstützung für die marode Schwerindustrie und Zugeständnisse an die Bevölkerung. Janukowitsch versuchte dagegen, sich als unabhängiger Kandidat und als Kritiker des scheidenden Präsidenten Leonid Kutschma darzustellen. Kutschma hatte den Regierungschef bei der ersten Wahl massiv unterstützt.

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