Geheimdienst soll Kofi Annan ausspioniert haben: Blair droht die nächste Krise

Geheimdienst soll Kofi Annan ausspioniert haben
Blair droht die nächste Krise

Im Zusammenhang mit der Arbeitsweise des Geheimdienstes im Irak-Konflikt drohen schwere Vorwürfe den britischen Premierminister Toy Blair erneut in eine schwere Regierungskrise zu stürzen. Der Geheimdienst soll Uno-Generalsekretär Kofi Annan zu Beginn des Irak-Krieges auspioniert haben. Das erklärte ein ehemaliges Mitglied der Regierung Blairs.

HB LONDON. Die britische und die US-Regierung bemühten sich seinerzeit vergeblich um die Unterstützung der UNO für eine Invasion. Blair reagierte am Donnerstag empört auf die Äußerungen seiner früheren Entwicklungshilfeministerin Clare Short und nannte die Vorwürfe „zutiefst unverantwortlich“.

Die UNO bezeichnete ein Abhören als einen illegalen Vorgang. Blair hatte erst jüngst eine Regierungskrise im Zusammenhang mit dem Irak-Konflikt weitgehend unbeschadet überstanden, die ein BBC-Reporter mit einem Bericht über ein angeblich aufgebauschtes Waffendossier ausgelöst hatte.

Short hatte im BBC-Hörfunk auf die Frage, ob britische Agenten angewiesen worden seien, in der UNO tätig zu werden, geantwortet: „Ja, absolut.“ Besonders Annans Büro sei Ziel der Aktion gewesen. „Ich habe einige Abschriften von Aufzeichnungen seiner Gespräche gelesen“, fügte sie hinzu. Short war im Mai aus Protest gegen den Einmarsch in den Irak zurückgetreten.

Annan ließ über einen Sprecher mitteilen, ein Abhören der UNO-Zentrale wäre illegal und schädlich. Es wäre für ihn eine Enttäuschung, falls sich die Abhör-Vorwürfe als wahr herausstellen sollten. „Wir möchten, dass diese Praxis aufhört, falls sie tatsächlich angewandt worden ist. Es untergräbt die Geschäftsgrundlage des Generalsekretärs“, sagte UNO-Chefsprecher Fred Eckhard am Sitz der Vereinten Nationen (UNO) in New York. Der stellvertretende Leiter des UNO-Büros in Brüssel, Andreas Nicklisch, bezeichnete eine Bespitzelung als „nicht völlig überraschend, weil wir das schon immer vermutet haben“. Der britische UNO-Botschafter führte unterdessen im Auftrag Blairs ein Gespräch mit Annan.

Short war in dem Interview zum Geständnis einer Übersetzerin befragt worden, die ein Dokument über US-Pläne zur Bespitzelung von UNO-Vertretungen verbreitet haben soll. Die britische Tageszeitung „Observer“ zitierte aus dem Dokument, einer E-Mail, die US-Regierung habe Großbritannien um Hilfe gebeten, die Büros von Delegierten der damals im UNO-Sicherheitsrat vertretenen Staaten Chile, Mexiko, Kamerun, Angola, Guinea und Pakistan zu verwanzen. Die Regierung hatte ihre Klage gegen die Übersetzerin am Mittwoch mangels Beweisen fallen lassen.

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