Geheimdienst-Zusammenarbeit
Bericht: BND gab Iraks Geheimpläne an USA

Die Diskussion um die Arbeit des deutschen Geheimdienstes im Irak erhitzt die Gemüter. Zusätzlichen Sprengstoff lieferte jetzt ein US-Zeitungsbericht. Demnach hat der BND sogar Saddam Husseins Verteidigungsplan für Bagdad beschafft und an die US-Militärs weitergegeben.

HB WASHINGTON. Die USA haben einen Monat vor Beginn des Irakkriegs im März 2003 aus deutschen Geheimdienstquellen die Verteidigungspläne für Bagdad erhalten. Dies berichtete die Zeitung „New York Times“ am Montag (Internetausgabe) unter Berufung auf eine bislang geheime Studie des US-Militärs.

Zwei deutsche Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Bagdad hätten sich eine Kopie der Geheimpläne des damaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein vom Dezember 2002 verschaffen können. Dank dieser Hilfe habe das US-Militär einen Einblick erhalten, wann und wie der Ex-Diktator besonders loyale Soldaten in Stellung bringen wollte. Das Papier habe den USA auch einen außergewöhnlich guten Überblick über den Stand der Diskussion im Führungszirkel des Regimes gegeben.

„Durch das Beschaffen der irakischen Dokumente haben deutsche Geheimdienstbeamte den USA bedeutsamere Hilfe geleistet, als es ihre Regierung öffentlich zugegeben hat“, schrieb die „New York Times“. Die beiden BND-Mitarbeiter hätten das Material zunächst an ihre Vorgesetzten weitergeleitet. Im Februar 2003 sei das Dossier von einen deutschen Geheimdienstoffizier in Katar einem Kollegen vom US- Militärgeheimdienst überlassen worden.

Der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm habe der Zeitung am Sonntag telefonisch keine Auskunft über die Rolle deutscher Agenten erteilen wollen, schrieb das Blatt weiter. In Deutschland wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, ob es einen Untersuchungsausschuss zur Rolle der Geheimdienste im Irak- beziehungsweise Anti-Terror- Krieg geben wird. Nach der Zustimmung der Grünen und der Linkspartei hängt die Entscheidung von der FDP als größter Oppositionspartei im Bundestag ab.

Die Bundesregierung wies die Vorwürfe am Montagmorgen zurück. Entsprechende Behauptungen seien falsch, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm unter Berufung auf Angaben des Bundesnachrichtendienstes. Deutsche Geheimdienst-Mitarbeiter hätten keinen Plan zu Verteidigung Bagdads an US-Stellen weitergegeben.

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