Irans Außenminister Manuchehr Mottaki feierte den US-Bericht. „Der Welt wird nun deutlich, dass die atomaren Aktivitäten Irans friedlichen Zielen dienen“, sagte er. Ein Regierungssprecher forderte Entschädigung: „Die Amerikaner haben großen Druck auf uns ausgeübt und durch ihre Anschuldigungen die Weltmeinung gegen Iran manipuliert. Dafür sollten sie bezahlen.“
Gerätselt wird, woher die neuen Erkenntnisse der US-Geheimdienste stammen und seit wann Bush informiert war. Der 150-seitige Report stützt sich auf mehr als 1 000 Einzelinformationen der verschiedensten Geheimdienste. Ihnen fielen bereits 2004 Zeichnungen in die Hände, die Zweifel an der Fortführung des militärischen Atomprogramms aufkommen ließen. Zudem wurden Gespräche zwischen iranischen Kommandeuren mitgehört, die erkennen ließen, dass das Programm gestoppt ist.
Als die Beweislage immer dichter wurde, begannen die Geheimdienste im Juli dieses Jahres die Regierung zu informieren. Doch mehrere Berater von Bush hielten die Erkenntnisse für gezielte iranische Täuschungsmanöver. Noch im Oktober warnte Bush, ein atomar gerüsteter Iran könnte Auslöser des Dritten Weltkriegs sein.
Doch auch monatelange Überprüfungen änderten nichts an der Einschätzung der Geheimdienste: Iran reichert weiter Uran an. Doch es gibt keinen Hinweis, dass dies zu militärischen Zwecken geschieht. Gäbe es ein solches Programm, müsste dies an geheimen Orten geschehen. Hierzu gibt es aber keine belastbaren Informationen.
Mike McConnell, Koordinator von 16 US-Geheimdiensten, wurde von Spitzenpolitikern im Kongress immer wieder gedrängt, den Bericht herauszugeben. Dort herrschte die Sorge, die Regierung könne versuchen, die Aussagen zu verwässern. Nach intensiven Debatten innerhalb der Dienste gab es am Ende einen Konsens, an dem auch nach Gesprächen mit dem Weißen Haus festgehalten wurde. Nur das Energieministerium und der Nationale Geheimdienstrat wollten sich nicht auf eine Formulierung festlegen, wonach das militärische Atomprogramm „mit hoher Sicherheit“ gestoppt sei. Sie bestanden auf die Worte „mit maßvoller Sicherheit“. Mitte vergangener Woche schließlich wurde Bush zu dem Abschlussbericht gebrieft. Dass die Überprüfung der Informationen 18 Monate dauerte, geht auf einen früheren Fehler der US-Dienste zurück: 2002 hatten die Dienste geurteilt, der Irak betreibe ein Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen. Das stellte sich als falsch heraus.


