Geheimprogramm PRISM
„Die sehen, wie Sie beim Tippen denken“

Facebook, Google und Apple: Der US-Geheimdienst NSA zapft seit Jahren die Nutzer-Accounts von Internetgiganten an – offenbar mit Zustimmung der Firmen. Doch Obamas Regierung hat eine Ausrede parat.
  • 35

New YorkDie Zentrale des US-Geheimdienstes NSA besteht aus zwei Hochhausklötzen mit verspiegelter Glasfassade. Von der Autobahn aus sind sie zu sehen, und doch sind sie unnahbar: Die Gebäude stehen abgeschieden auf dem Militärstützpunkt Fort Meade nordöstlich von Washington. Riesige Antennen und Abhöranlagen geben einen Eindruck davon, dass die geheimnisumwitterte Behörde ihre Augen und Ohren auf der ganzen Welt hat.

Offenbar hat die National Security Agency aber einen noch viel größeren Einblick ins Privatleben der Amerikaner als bisher gedacht: Laut „Washington Post“ und dem britischen „Guardian“ zapfen Agenten von NSA und FBI seit sechs Jahren die Server mehrerer Internet-Firmen an – mit deren Zustimmung. Die Regierung bestätigt die Existenz des Programms, doch die betroffenen Unternehmen dementieren.

Dabei soll es sich um Unternehmen handeln, deren Produkte die meisten Menschen täglich nutzen: Apple, Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, Paltalk, AOL, Skype und Youtube. „Datensammlung direkt von den Servern dieser Dienste“, zitiert die Zeitung aus einem als „Top Secret“ klassifizierten Dokument. Wer also in den USA bei diesen Diensten Fotos, Audio- oder Videodateien postet, wer E-Mails schreibt, Dokumente hochlädt oder sich einfach nur an- oder abmeldet – der könnte seine Privatsachen mit den Schlapphüten von NSA und FBI teilen.

Die Analysten können dadurch laut den Berichten Bewegungen und Verbindungen von Nutzern über längere Zeiträume hinweg verfolgen. Das Programm trage den Codenamen PRISM und sei als streng geheim eingestuft. Nur wenige Kongressabgeordnete seien eingeweiht.

Die US-Regierung bestätigte die Existenz des Programms - und stellt klar, dass es sich vor allem gegen Ausländer richtet. Ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, erfasst würden nur die Daten von Nicht-US-Bürgern, die außerhalb des Landes lebten. Der Kongress habe das Programm jüngst "nach ausführlichen Anhörungen und Debatten" verlängert.

In der New York Times rechtfertigt James Clapper, Obamas Nationalen Geheimdienstdirektor, das Programm. Es sei durch den Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) gedeckt, der gerade erst durch den Kongress erneuert wurde. Außerdem sei das Programm wichtig: "Die Informationen, die mit diesem Programm gesammelt werden, gehören zu den entscheidendsten und nützlichsten Geheimdienstinformationen, die wir haben, und sie werden verwendet, um unser Land vor einer großen Zahl von Bedrohungen zu schützen."

Kommentare zu " Geheimprogramm PRISM: „Die sehen, wie Sie beim Tippen denken“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Arbeiten bei Google, Apple & Co nur Blödmänner? In den 80er Jahren hat die Justizbehörde der Fa. Inslaw das Pgm Promis geklaut, weiterentwickelt und weiter verkauft! (Quellcode kann so bei Inslaw erstanden werden, wäre sie dadurch nicht pleite gegangen). Lotus (Kunde:z.B. Dresdner Bank)und andere Firmen bestätigten, das der Code zum schnüffeln eingebaut wurde! MS = kein Kommentar! Das war in den 80ern ...
    In "Sachverständigenkreisen" ein alter Hut! Und die glauben, die haben seit dem Däumchen gedreht??? Pah

  • Das reicht doch schon und den Rest kann man sich zusammen reimen.

    Wurde mal im TV gezeigt wie das geht also sind es nicht wenige Schritte bis zum Gläsernen Menschen sondern der ist längst schon da.

  • @Santos... Zum Ersten empfehle ich einen Deutschkurs oder ein besseres Dolmetscherprogramm. Zum Anderen kann ich mich Ihrer Meinung von Grund auf nicht anschließen. Nicht genug, dass man sich vor Internetbetrug und Datenklau in großem Stil schützen, jetzt kann man sich nicht einmal mehr sicher sein, ob die persönliche Email, die privaten Urlaubsfotos oder andere Intimitäten nicht von wildfremden mitgelesen, protokolliert und gespeichert werden. Bis zum gläsernen Bürger sind es nur noch ein paar Schritte. Von Datenschutz keine Spur.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%