Geheimprojekt
Deutsche Dienste und CIA spionierten gemeinsam

Deutsche Nachrichtendienste haben mit dem US-Geheimdienst CIA in Neuss eine Anti-Terror-Einheit betrieben. Eigentlich sollte sie Islamisten beobachten. Doch dabei soll es nicht geblieben sein, meldet der „Spiegel“.
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BerlinZur Überwachung islamistischer Extremisten hat die amerikanische CIA nach einem Medienbericht in Deutschland ein Geheimprojekt mit deutschen Nachrichtendiensten betrieben. Herzstück der Operation mit dem Namen „Projekt 6“ oder kurz „P6“ war nach Informationen des Magazins „Der Spiegel“ eine Datenbank, in die die Dienste Daten von mutmaßlichen Dschihadisten und Terrorunterstützern eingaben. Dazu sollen die drei Geheimdienste ab 2005 vorübergehend Räumlichkeiten in Neuss (Nordrhein-Westfalen) angemietet haben.

Dabei soll auch ein deutscher Journalist in den Fokus der Geheimdienste geraten sein. Laut „Spiegel“ nennt eine als geheim eingestufte amerikanische Anfrage an das „Projekt 6“ die Passnummer, das Geburtsdatum und den Namen des NDR-Journalisten Stefan Buchen. Der Enthüllungsjournalist soll einen islamistischen Prediger im Jemen angerufen und mehrfach Afghanistan besucht haben, schrieb der US-Geheimdienst CIA laut „Spiegel“.

Ende Juni berichtete der „Focus“, eine CIA-Operationsgruppe habe vor einigen Jahren in den Räumen der Sparkasse in Neuss eine Kommandozentrale bezogen. Mehrere Dutzend Experten aus der CIA-Zentrale seien Ende 2006 für einen Einsatz gegen die „Sauerlandgruppe“ nach Deutschland eingereist, schrieb das Magazin unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise. Darunter seien nahkampferprobte Ex-Soldaten der Elitetruppe Navy Seals gewesen. Im Herbst 2007 hatte eine Spezialeinheit der GSG 9 drei Bombenleger im sauerländischen Oberschledorn überwältigt.

Auch die Ausspähfähigkeiten des anderen US-Geheimdienstes NSA sollen laut „Spiegel“ noch umfassender sein als bislang bekannt. Wie das Magazin schreibt, kann sich die National Security Agency (NSA) Zugang zu Nutzerdaten von Smartphones aller führenden Hersteller verschaffen. In den Geheimunterlagen des Dienstes, die das Magazin einsehen konnte, sei unter anderem ausdrücklich von Apples iPhone, BlackBerry-Geräten und Googles Betriebssystem Android die Rede. Demnach ist es der NSA möglich, nahezu alle sensiblen Informationen eines Smartphones auszulesen, etwa Kontaktlisten, den SMS-Verkehr, Notizen und Aufenthaltsorte seines Besitzers.

Kommentare zu " Geheimprojekt: Deutsche Dienste und CIA spionierten gemeinsam"

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  • Hat der blinde Pofalla nicht die Spionageaffäre für beendet erklärt???

  • Dieses Land gehört nicht Ihnen, dass Sie andere Deutsche einfach "wegschicken" können, nur weil sie gerne über wacht werden. Stellen sie sich doch eine Kamera ins Schlafzimmer, wenn sie nichts zu verbergen haben. Ich halte es jedenfalls mit dem GG und den allgemeinen Menschenrechten. Und die erlauben keine Überwachung und Gängelung gegen unbescholtene Bürger.

  • Ich finde es beruhigend, wenn Profis für eine gemeinsame gute Sache zusammenarbeiten. Ich möchte in good old Germany keine Verhältnisse a la Nord Korea, Kuba, Russland usw, haben. Mir gefällt es in unserer Demotratischen westlichen Welt sehr, wem nicht, der kann gerne wegziehen.

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