Geheimtreffen in Luxemburg
Spekulationen um Griechenlands Abschied vom Euro

Wenn sich, wie zur Stunde, die Finanzminister der wichtigsten Euro-Länder zu einem Geheimtreffen verabreden, dann gibt es Brenzliges zu besprechen. Es gehen Gerüchte um, Griechenland wolle zu extremsten Maßnahmen greifen.
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Berlin/BrüsselDie Finanzminister wichtiger Euro-Länder beraten am Freitagabend in Luxemburg auf einem Krisentreffen über die Schuldenkrise in Griechenland und Portugal. Dazu gehören die drei G8-Mitgliedern im Währungsraum, also Deutschland, Frankreich und Italien. Laut Handelsblatt-Informationen ist auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker dabei. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass auch Vertreter der Staaten mit der besten Bonitätsnote AAA, etwa die Niederlande, Österreich und Finnland, dabei sind.

"Es geht um Portugal, Griechenland und die Europäische Zentralbank", sagte ein mit dem Vorgang Vertrauter. Es gehe aber nicht um einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion oder eine Umschuldung, erklärten mehrere andere EU-Diplomaten. "Ich verneine vollkommen, dass es ein Treffen gibt, diese Berichte sind falsch", sagte sogar der Sprecher von Jean-Claude Juncker, Guy Schuller, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Euro büßte nach Bekanntwerden des Treffens rund 1,5 Prozent ein lag zwischenzeitlich bei 1,433 Dollar. "Spiegel-Online" hatte berichtet, das hoch verschuldete Griechenland erwäge einen Austritt aus der Währungsunion. Dazu gebe es auf Einladung der EU-Kommission ein geheimes Treffen der Finanzminister der Euro-Zone.

Deutschland werde durch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Staatssekretär Jörg Asmussen vertreten. Schäuble wolle die Griechen unter allen Umständen von dem Schritt abhalten. In deutschen Regierungskreisen hieß es, ein Austritt Griechenlands "stand und steht nicht an". Während ein Sprecher des Finanzministeriums sich nicht dazu äußerte, ob Schäuble nach Luxemburg gereist war, sagte ein hochrangiger Koalitionsvertreter: "Es stimmt."

Andere Euro-Länder waren offenkundig nicht eingeweiht. Aus den Finanzministerien der Euro-Länder Spanien, Belgien und der Slowakei hieß es, über eine solche Sitzung sei nichts bekannt. Der Vertreter eines Euro-Landes sagte jedoch, Zusammenkünfte einiger Minister im kleinen Kreise seien normal. "Alle sind gleich, aber manche sind gleicher als andere." Pläne für einen Schuldenschnitt gebe es nicht, betonte diese Quelle.

Griechenlands Vize-Finanzminister Filippos Sachinidis dementierte, dass sein Land die Euro-Zone verlassen wolle. Solche Berichteten schadeten Griechenland und dem Euro nur, sagte er in Athen.

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Spekulationen um Griechenlands Abschied vom Euro

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"Die Folgen wären nicht absehbar"

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Kann ein Land den Euro abschaffen?

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  • Tja der Axel Weber hat das wohl kommen sehen, warum sonst sollte ein Mensch, dem sämtliche Türen offen stehen, seinen Posten abgeben?

  • Dafür ist es schon zu spät, Griechenland ist insgesamt kreditunwürdig, auch mit einem Zinssatz an der Inflationsgrenze kann die "Kontraktion" der Wirtschaft nicht beseitigt werden. Griechenland entspricht einem HartzIV-Empfänger mit ca. 90000 Euro Schulden...

  • Damit ist auch geklärt, weshalb die fanzösichen Gewerkschaften (noch) so still sind... sowas ähnliches habe ich vermutet (3sat-Beitrag des Schweizer Fernsehen vor ca. drei Wochen zur Entwicklung/Entstehung der griechischen Finanzlasten für EURO-Raum)

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