Geiseldrama in Afghanistan
Taliban schlagen Frauentausch vor

In den Entführungsfall der 21 Südkoreaner kommt Bewegung. Berichten zufolge haben die afghanischen Taliban-Rebellen einen überraschenden Vorschlag gemacht. Sie schlugen den Austausch einiger weiblicher Geiseln vor – gegen angeblich inhaftierte Taliban-Frauen.

HB SEOUL. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi sagte am Dienstag laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, er wisse nicht genau, wie viele Taliban-Frauen in afghanischer Haft säßen. „Doch falls Kabul sie freilässt, wollen wir die gleiche Zahl von weiblichen Geiseln gehen lassen.“

Bei den inhaftierten Frauen handele es sich um Sympathisantinnen, die deshalb verurteilt worden seien, weil sie Kämpfern der radikal-islamischen Gruppe Unterschlupf gewährt hätten, sagte Ahmadi. Die Taliban hätten keine „weiblichen Minister oder Kämpferinnen“.

Die jüngste Forderung Ahmadis folgte Angaben der Taliban, wonach zwei der gefangenen Koreanerinnen ernsthaft erkrankt seien. Der südkoreanische Außenminister Song Min Soon bestritt dies jedoch. „Die Geiseln können nach fast 20 Tagen Gefangenschaft nicht bei perfekter Gesundheit sein“, sagte Song vor Journalisten in Seoul. Es gebe jedoch keine Anzeichen dafür, dass irgendeine der Geiseln „bedrohlich krank“ sei.

Die Taliban hatten nach der Verschleppung der Gruppe von ursprünglich 23 Koreanern am 19. Juli die Freilassung von acht inhaftierten Gesinnungsgenossen gefordert. Zwei der männlichen Geiseln wurden von ihren Entführern erschossen. Die Taliban drohten mit der Tötung weiterer Geiseln, sollte die Regierung in Kabul ihren Forderungen nicht nachkommen.

Doch der afghanische Präsident Hamid Karsai bekräftigte bei einem Besuch bei US-Präsident George W. Bush seine harte Linie. Beide Staatschefs waren sich nach Angaben eines Bush-Sprechers bei ihren Beratungen in Camp David einig, dass den Taliban für eine Freilassung keine Gegenleistungen gewährt werden dürften. Die Regierung werde nichts unternehmen, was den Terrorismus weiter ermutige, sagte Karsai dem US-Sender CNN.

Neben den südkoreanischen Geiseln befindet sich in Afghanistan auch ein Deutscher seit rund drei Wochen in der Gewalt von Entführern. Ein zweiter Deutscher wurde von den unbekannten Geiselnehmern erschossen. Um die Freilassung des zweiten Bundesbürgers bemüht sich der Krisenstab in Berlin nach eigenen Angaben weiterhin mit Hochdruck.

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