Geiseln in Afghanistan
Taliban stellen Deutschland Ultimatum

Die Taliban haben ihre Morddrohung gegen die beiden entführten Deutschen verschärft. Die Islamisten verlangen ultimativ den Abzug sämtlicher Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan. Sollte die Bundesregierung dieser Forderung nicht nachkommen, würden beide Geiseln umgebracht.

HB KABUL. Der Nervenkrieg um die zwei in Afghanistan verschleppten Deutsche dauert an. Zwei Tage nach ihrer Entführung drohten die radikal-islamische Taliban am Freitag mit der Ermordung der Männer, sollten die in Afghanisten stationierten rund 3000 deutschen Soldaten nicht abgezogen werden.

Ultimativ forderte ein Taliban-Sprecher namens Jussif Ahmadi die Bundesregierung und die Führung in Kabul auf, bis Samstagmittag 1200 Ortszeit (0930 MESZ) Kontakt aufzunehmen. Ahmadi sagte der Deutschen Presse-Agentur per Telefon von einem unbekannten Ort, die Deutschen seien zusammen mit fünf afghanischen Begleitern in der Hand der Taliban. Sie befänden sich an einem „sicheren Ort“.

Bislang gebe es keine Antwort der deutschen Regierung auf die Forderungen. Dazu gehört auch die Freilassung aller islamistischer Milizionären aus afghanischer Haft. „Die Taliban-Führung verlangt einen Abzug aller deutschen Truppen aus dem Land“, sagte Ahmadi. „Wenn die Forderungen nicht erfüllt werden, töten wir die Deutschen.“

Sollte bis Samstagmittag dahin Kontakt zu Stande kommen, werde „die Situation sehr schwierig“. Im Falle eines Kontaktes könnte das Ultimatum verlängert werden. Noch am Vormittag hatte dagegen der andere Taliban-Sprecher, Sabiullah Mudschahid, erklärt, die Deutschen seien nicht in der Gewalt der Islamisten.

Die Regierung in Seoul erhielt ein ähnliches Ultimatum von einem Taliban-Sprecher, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die Islamisten hatten am Donnerstag nach eigenen Angaben rund 20 Südkoreaner im Südosten des Landes in ihre Gewalt gebracht. Auch von Südkorea forderten die Taliban den Abzug der rund 210 südkoreanischen Soldaten aus Afghanistan.

Die beiden Bundesbürger, die am Dienstag in der südöstlichen Provinz Ghasni gut 120 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Kabul zusammen mit fünf afghanischen Begleitern verschleppt worden waren, sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes bei einem in Kabul ansässigen Unternehmen tätig. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios handelt es sich bei ihnen um Bauingenieure, die Bau- und Entwicklungsprojekte im Auftrag der Uno betreuten.

Ein Krisenstab des AA bemühte sich unterdessen intensiv um die Freilassung der Männer. „Alle notwendigen Schritte sind eingeleitet“, sagte AA-Sprecher Martin Jäger. Die afghanischen Behörden suchten nach eigenen Angaben in Ghasni und in der Provinz Wardak nach den Verschleppten. Taliban hätten das Auto der beiden am Mittwoch im Kreis Jaghato in Ghasni gestoppt.

Erst Anfang Juli war ein deutscher Geschäftsmann in der südwestafghanischen Provinz Fasrah verschleppt worden. Er kam nach einer Woche wieder frei. Die Umstände der Entführung und Freilassung blieben unklar. So wurde nicht bekannt, ob Lösegeld gezahlt wurde.

Nach Angaben des Außenministeriums in Seoul handelt es sich bei den entführten Südkoreanern um Christen, die als Freiwillige in Afghanistan Entwicklungshilfe leisten wollten. Unter den Entführten seien 13 Frauen. Nach Taliban-Angaben war die Gruppe auf der Fahrt von Kandahar nach Kabul ohne Sicherheitseskorte unterwegs gewesen. Hundertschaften der afghanischen Armee suchten nach ihnen.

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