Geiselvideo
Entführte Deutsche fleht um ihr Leben

Gut einen Monat nach der Entführung von zwei Deutschen im Irak haben die Kidnapper mit der Ermordung der Geiseln gedroht, sollte die Bundeswehr nicht innerhalb von zehn Tagen aus Afghanistan abziehen. Die Bundesregierung erklärte mittlerweile, sie sei nicht erpressbar.

HB KAIRO / BERLIN. Das Geiselvideo tauchte am Samstag auf einer Islamisten-Internetseite auf. Es zeigt die verschleppte Hannelore Marianne K. und ihren Sohn. Die 61 Jahre alte Mutter bitte unter Tränen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um Hilfe. Der Außenpolitiker Eckart von Klaeden (CDU) sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Die Bundesregierung ist nicht erpressbar.“

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat in einer Stellungnahme versichert, die Bundesregierung werde nichts unversucht lassen, um die beiden im Irak entführten Deutschen freizubekommen. Im Krisenstab des Auswärtigen Amtes werde jetzt das Video analysiert, in dem die Kidnapper mit der Ermordung der Geiseln gedroht hatten, wenn die Bundeswehr nicht innerhalb von zehn Tagen aus Afghanistan abzieht. Das sagte Steinmeier vor dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die Aufzeichnung nannte er „ein erschütterndes Dokument“.

Die Deutsche, die mit einem irakischen Professor verheiratet ist, fleht in dem Video mit tränenerstickter Stimme: „Wir sind doch auch Deutsche.“ Die 61-Jährige sagt weiter: „Ich bin hier festgehalten worden schon seit einer ganzen Weile, und ich bitte sie (Bundeskanzlerin Angela Merkel), mir zu helfen. Diese Leute hier wollen meinen Sohn vor meinen Augen umbringen und hinterher mich. Ich möchte nicht auf diese Art und Weise sterben.“

Neben der Frau mit einem lose umgebundenen Kopftuch kauert in der Aufnahme ihr erwachsener Sohn, dessen Hand sie während der ganzen Zeit hält. Von dem Sohn ist an einer Stelle ein Schluchzen zu hören. Die Frau spricht in deutscher Sprache. Einer der drei vermummten und bewaffneten Männer, die hinter den Geiseln stehen, verliest eine Erklärung in arabischer Sprache. Darin heißt es unter anderem: „Wir geben der deutschen Regierung zehn Tage vom Datum der Veröffentlichung dieser Botschaft an, um mit dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan zu beginnen, danach werden wir keine Verantwortung mehr übernehmen und nicht einmal eine Leiche eines dieser Agenten (die Geiseln) wird gefunden werden. Gott ist groß und die Ehre ist für den Islam und die Muslime.“ Der Entführer behauptet weiter, die Bundeswehr bombardiere in Afghanistan Zivilisten in ihren Dörfern. Der Sprecher sagt: „Wir Muslime sind eine einzige große Nation.“ Die Muslime in Afghanistan seien ihnen daher genauso nahe wie die Muslime im Irak.

Zu Beginn des achtminütigen Videos zeigen die Entführer, die sich „Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit“ nennen, den Reisepass der deutschen Frau. Darauf ist ihr Name deutlich zu erkennen. Die Frau und ihr 20 Jahre alter Sohn waren am 6. Februar in Bagdad verschleppt worden. Beide sollen seit Jahrzehnten im Irak leben. Die 61-Jährige stammt aus dem Großraum Berlin.

Erst am Freitag hatte der Bundestag eine Entsendung von Aufklärungs-Tornados nach Afghanistan und damit eine Ausweitung des Engagements beschlossen. Die Bundesregierung wird nach Einschätzung des CDU-Außenpolitikers von Klaeden alles in ihrer Macht Stehende für die Freilassung der Deutschen unternehmen. „Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung alles tut, um die Geiseln freizubekommen.“

Sicherheitsexperten der Bundesregierung werten die Morddrohung mit Ultimatum laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ als Druckmittel für eine spätere Lösegeldforderung. Die Zeitung beruft sich auf Berliner Regierungskreise. Offenkundig seien die Entführer im Irak enttäuscht vom bislang geringen öffentlichen Echo ihrer Tat in Deutschland. Deshalb hätten sie das Video mit den flehenden Geiseln angefertigt.

Das Außenministerium in Berlin hatte in den vergangenen Wochen immer wieder erklärt, der Krisenstab arbeite intensiv daran, eine sichere Rückkehr der beiden Deutschen zu ihren Familien zu erreichen. Einzelheiten wurden zum Schutz der Betroffenen nicht mitgeteilt. Vor der jüngsten Entführung wurden in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal Deutsche im Irak verschleppt: Ende 2005 die Archäologin Susanne Osthoff und Anfang 2006 die beiden Ingenieure Thomas Nitzschke und René Bräunlich. Alle kamen wieder frei - Medien berichteten von Lösegeldzahlungen in Millionenhöhe.

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