Geldautomaten und Tankstellen leergeräumt
Griechen in Panik

Leere Geldautomaten und Hamsterkäufe in Supermärkten und an Tankstellen: Die Griechen glauben nicht mehr an eine Rettung und geraten in Panik. Das schadet auch dem Tourismus – der letzte Wirtschaftsmotor wird abgewürgt.
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AthenVor dem Supermarkt Sklavenitis an der Athener Vouliagmenis Avenue stehen drei Geldautomaten. Einer der Eurobank, einer der Piraeus Bank und einer der National Bank of Greece. Vor letzterem warten etwa 20 Menschen. Die meisten treten unruhig von einem Bein aufs andere. Merkwürdig: An den beiden anderen Automaten steht niemand an. Ein Neuankömmling geht schnellen Schritts auf den Geldautomaten der Eurobank zu und will gerade seine Karte in den Schlitz schieben, da ruft ihm eine Frau aus der Schlange zu: „Das brauchen sie gar nicht zu versuchen, der ist schon leer.“

Wenige Stunden nach der Ankündigung von Ministerpräsident Tsipras, dass die Griechen am kommenden Sonntag in einer Volksabstimmung über Annahme oder Ablehnung des jüngsten Kompromissvorschlages der Gläubiger – und damit wohl über die Zukunft des Landes in der Währungsunion – entscheiden sollen, erlebt das Land einen Run auf die Banken.

Es ist überall das gleiche Bild, zwischen Kastoria im Norden und Kreta im Süden: Seit den frühen Morgenstunden versuchen die Menschen, möglichst viel Bargeld aus den Automaten zu ziehen – aus Furcht vor einem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch der Banken, die seit Monaten am Tropf von Notkrediten der Europäischen Zentralbank hängen. Manche eilten sogar noch in der Nacht, gleich nach der Fernsehansprache des Premiers mit der Ankündigung des Referendums, im Morgenmantel und Pantoffeln zum nächstgelegenen Geldautomaten.

Nach Angaben aus Bankenkreisen waren am Samstagvormittag bereits rund 500 der mehr als 7000 Geldautomaten im Land leer. Einige Bankfilialen im Athener Zentrum, die normalerweise auch samstags öffnen, blieben geschlossen.

Eine Filiale der Alpha Bank im Stadtteil Agios Dimitrios: Ein Dutzend Menschen steht hier vor dem Geldautomaten an. „Glück gehabt“, sagt ein älterer Mann, dem der Automat gerade noch zehn 50-Euro-Scheine ausspuckte. Der nächste Kunde hat schon Pech: „Technische Störung“ meldet der Bildschirm. Wieder schiebt der junge Mann seine Karte in den Schlitz, tippt die Geheimzahl ein. Und wieder nichts.

Unruhe macht sich unter den Wartenden breit. „Lass mich mal“, ruft ein Mittvierziger und drängt sich nach vorn. Doch auch er hat keinen Erfolg. Der Automat ist leer. „To panigiri teliose“, sagt einer der Wartenden, was so viel heißt wie: Die Party ist vorbei. Er lächelt, aber es ist ein bitteres Lächeln. Unschlüssig stehen einige Menschen noch kurz vor dem Automaten, dann gehen sie davon. Auf der Suche nach einer anderen Maschine, die noch Bargeld ausspuckt

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