Geldfälschung und Mord vorgeworfen
Haftbefehl gegen irakischen Politiker Chalabi erlassen

Ein von den USA ernannter Richter im Irak hat Haftbefehl gegen den führenden Politiker Ahmad Chalabi und dessen Neffen erlassen, der das Tribunal gegen den gestürzten Machthaber Saddam Hussein leitet.

HB BAGDAD/TEHRAN/LONDON. Ahmed Chalabi war Mitglied des am 1. Juni aufgelösten provisorischen Regierungsrates. Er wird der Geldfälschung, sein Neffe des Mordes verdächtigt.

Ahmed Chalabi bezeichnete in einem Interview des US- Nachrichtensenders CNN die Vorwürfe als völlig konstruiert. Chalabi, der sich in Iran aufhält, sagte, er werde nach Bagdad zurückkehren, um die Anschuldigungen aus der Welt zu schaffen. Auch Salem Chalabi wies die Beschuldigungen als haltlos zurück. Salem Chalabi, der zur Zeit in England lebt, sagte, er habe die Person nie getroffen, die getötet worden sei. Die Vorwürfe seien persönlich und politisch motiviert, sagten die beiden dem US-Nachrichtensender weiter.

Ahmed Chalabi, ein aus dem Exil zurückgekehrter Saddam-Gegner, hatte bis vor wenige Monate die Gunst der Hardliner im Pentagon um Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz genossen. Bei den Bemühungen um die Bildung einer glaubwürdigeren Übergangsregierung, die am 28. Juni die Macht von der US-Besatzung übernahm, war er fallen gelassen worden. Er wurde beschuldigt US-Geheimnisse an Iran verraten zu haben. Dies hatte Ahmed Chalabi bestritten. Formal hat er als ehemaliges Regierungsratsmitglied einen sicheren Sitz im künftigen 100-köpfigen Nationalrat, der von der für nächstes Wochenende angesetzten Nationalkonferenz zu wählen ist.

Parallel zu seiner politischen Kaltstellung geriet Chalabi zunehmend ins Fadenkreuz der irakischen Justiz. Im Mai durchsuchten die irakischen Behörden sein Haus in Bagdad, mehrere Mitarbeiter wurden festgenommen. Die Grundlage dafür bildeten vermutete Betrügereien beim Geldumtausch im vergangenen November. Der nunmehr gegen Chalabi erlassene Haftbefehl beruht auf dem Verdacht, dass der Politiker große Mengen alter Geldnoten fälschen ließ und sie anschließend gegen die neuen Geldscheine umtauschte.

Sein Neffe Salem Chalabi wird verdächtigt, an der Ermordung des Generaldirektors im Finanzministerium, Heithem Fadhil, beteiligt gewesen zu sein. Die Bluttat im Juni war mit den Ermittlungen zu den Umtauschbetrügereien in Zusammenhang gebracht worden. Salem Chalabi ist Verwaltungsdirektor des Sondergerichtshofes für Regimeverbrechen. Vor diesem sollen sich Saddam Hussein und andere ehemalige Regimegrößen für die ihnen zu Last gelegten Kriegs- und Menschheitsverbrechen verantworten.

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