Geldpolitik

Notenbank ist Japans größter Verlierer

Nach 15 Jahren mageren Jahren soll es endlich wieder ein fettes Wachstum geben. Dafür würden die Japaner sogar höhere Preise in Kauf nehmen. Der Favorit bei den Wahlen am Sonntag setzt auf die Hilfe der Notenbank.
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Shinzo Abe, Chef der Liberaldemokratischen Partei, fordert Ministerpräsident Noda heraus. Quelle: dapd

Shinzo Abe, Chef der Liberaldemokratischen Partei, fordert Ministerpräsident Noda heraus.

(Foto: dapd)

TokioMit großer Spannung wird in Japan erwartet, welche Partei am Sonntag in den vorgezogenen Unterhauswahlen siegen wird. Denn die Parteienlandschaft befindet sich im Umbruch. Zwölf Parteien, von denen einige Geheimtipps erst vor wenigen Wochen gegründet wurden, plus unabhängige Gruppierungen und Kandidaten buhlen um die Wählergunst und machen Umfragen zum Ratespiel. Nur ein Verlierer scheint bereits festzustehen, der gar nicht zur Wahl steht: Japans Notenbank.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte ist die Bank von Japan zu einem der Hauptwahlkampfthemen avanciert. Denn als eine seiner ersten Handlungen als Spitzenkandidat der oppositionellen liberaldemokratischen Partei Japans (LDP) hat Shinzo Abe versprochen, die Notenbank zu einer aggressiven Lockerung ihrer ohnehin schon ultralockeren Geldpolitik zu zwingen.

Konkret will er die Herren des Geldes dazu bringen, solange „unbegrenzt“ japanische Staatsanleihen (JGBs) zu kaufen, bis Japans Deflation aufhört und eine Inflationsrate von zwei Prozent erreicht wird. Diese Marke ist bisher nur das langfristige Ziel der Bank von Japan. Mittelfristig strebt sie eine Inflation von einem Prozent an, aus gewichtigen Gründen.

Die Notenbank sorge sich, dass ein schnelles Umschlagen in die Inflation nach mehr als 15 Jahren Deflation die Japaner und die Finanzmärkte in Panik versetzen könnte, meint ein Insider. Vor allem sorgt sie sich, dass die Zinsen für japanische Staatsanleihen und damit der Schuldendienst der am höchsten verschuldeten Industrienation in die Höhe schnellen könnten.

Japan kann sich seine Verschuldung von 240 Prozent nur leisten, weil erstens die Zinsen auf historischen Tiefstständen liegen. Für zehnjährige Staatsanleihen liegen sie bei gerade 0,7 Prozent. Der zweite Grund ist, dass die Bank von Japan schon jetzt einen Großteil der Staatsschulden vom Markt aufkauft, um die Zinsen niedrig zu halten.

1.800 Milliarden Yen (1 Euro entspricht 106 Yen) sind es monatlich. Zusätzlich erwirbt die Bank von Japan in ihrem Programm zum Kauf von Wertpapieren (JGBs) weitere 39.000 Milliarden Yen an Staatsanleihen. Die Notenbank fordert allerdings Gegenleistungen von der Regierung, mehr Spareifer zum Beispiel und mehr Deregulierung, um Japans langfristiges Wachstumspotenzial zu erhöhen.

Skeptiker zweifeln an Shinzo Abes Einfluss auf die Notenbank
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14 Kommentare zu "Geldpolitik: Japan sehnt sich nach Inflation"

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  • @babsack69
    Ökonomen sind nicht die Herren der Welt, sondern deren Knechte, die eben das Lied ihrer Brötchengeber singen (das ist ganz ähnlich, wie bei Journalisten).
    Diese Herren profitieren von unserem am BSP angelegtem Wohlstandsverständnis, denn sie kontrollieren die meisten Produktionsmittel.

  • @Oldi
    Geldpolitik kann man leider nicht isoliert für sich selber machen. Das was dem, was Sie hier wohl meinen, am nächsten kommt nennt man wohl "Sparen".
    Das halte ich aber unter heutigen Umständen für keine gute Idee - man kann sich nicht gegen die gesamte Herde (Extremkonsumenten) stemmen, vor allem nicht, wenn diese wahnsinnig ist. Da würde nämlich dieser einsame Sparer fleißig und tapfer jahrelang unter seinen eigenen Sparmaßnahmen leiden, nur um die Früchte dieses Sparens dann am Ende durch die bekannten Enteigner des Staates abkassiert zu sehen (diese stehen schon Schlange, Türöffnung nach der Bundestagswahl).
    Nein danke, da bin ich auch lieber wahnsinnig!

  • @abc

    Sie haben einiges Richtiges bzgl der Hyperinflation geschrieben. Denken Sie aber mal darüber nach, ob Deflation wirklich das Übel ist. Inflation entspricht so etwas wie Sonnenschein und Deflation ist Regen - zugegeben, ich mag Sonnenschein lieber. Deshalb muß man also das Wetter so kontrollieren, so daß es nie regnet? (genau darauf zielt "Geldpolitik" ab)

    Durch Inflation verursachter Dauerkonsum entspricht einer Zwangsernährung (die weitergeht, auch wenn der Patient eigentlich satt ist), durch Inflation bedingter Investitionsboom (außer am Anfang) der Fehlleitung von Kapital (Kapitalvernichtung, die allerdings erst beim "Bust" sichtbar wird, deshalb gilt die Deflation ja auch als das Übel).

    Zusammengefaßt: das Wirtschaften ist ein Regelungssystem, das durch die geniale (den "Regen" verhindernde) Geldpolitik der Fiatgeld-Notenbanken komplett durcheinandergebracht wurde.

    Auch wenn ich "Deflation" damit nicht für das Übel, sondern für die (bittere) Medizin halte, muß man sich allerdings mittlerweile schon fragen ob der geschwächte Patient (Weltwirtschaft) diese noch überleben kann.

  • Bloß nicht die Art des Wirtschaftens in Frage stellen,sondern immer schön von Wachstum träumen und Papier bunt bedrucken.
    Wer hat Ökonomen zu Herren dieser Welt gemacht?Diese Idioten!

  • Genauso ist es. Und wer das nicht im Gesamten versteht, sollte es auf dem kleinsten Nenner reduzieren und es an seiner Person nachvollziehen.

  • Die deutsche Angst vor Inflation ist immer wieder seltsam anzuschauen.

    Leute, beschäftigt Euch bitte mit (Wirtschafts-)Geschichte. Es war _nicht_ die Hyperinflation, der zur Massenverarmung geführt hat. Es waren die Gründe der Hyperinflation, konkret die im Versailles-Vertrag beschlossenen Reparationen nach dem 1. Weltkrieg. Es ging den Menschen schlecht, weil praktisch das gesamte Geld ins Ausland abgesaugt wurde (von den Siegermächten). Und es gab Hyperinflation, weil die Regierung etwa gegen die Reparationen tun wollten. Und anschließend gab es einer Weltwirtschaftskrise, ausgehend von den USA mit einer weltweiten Depression aufgrund staatlichem Separatismus.

    Die Hyperinflation war also in Wahrheit eine (verdeckte) massive Deflation.

    Wer glaubt, dass Deflation gut sei weil da ja das Geld wertvoller wird, hat Deflation nicht verstanden. Deflation bedeutet in aller erster Linie eine massive Verringerung von Konsum und Investitionen. Deflation bedeutet eine beständige Einschränkung von Sozialleistungen, der Abbau von Arbeitplätzen, die Verzicht von Modernisierungen von Wohnungen, der Verzicht auf Urlaub, ...

    Wer all das will, der kann das ganze ganz für sich privat machen. Aber bitte keine ganze Gesellschaft rein ziehen.

  • Mr. Abe weiß nicht was er sich da wünscht (Inflation). Es ist ein großer unterschied, ob Inflation durch eine Boom-getriebene Lohn-Preisspirale entsteht oder künstlich durch eine Entwertung der eigenen Währung erzeugt wird. Letzteres steht offenbar bevor. Die Deflation wird damit in nächster Zeit ein Ende finden - und Japan in den Bankrott führen.

    Ausländische Investoren werden nicht bereit sein Japan die Staatsanleihen zu einem Zins unterhalb der "Geldentwertungsrate" abzukaufen - aber genau das werden die Japaner brauchen bei fallender Sparquote aufgrund des Renteneintritts der Boom-Generation.

    Eine weitere Krise scheint sich in den Jahren abzuzeichnen.

  • @Max_Mastermann
    Das sind die imaginären Japaner der Handelsblatt-Redakteure.
    Man darf diese nicht so beim Wort nehmen. Heute morgen habe ich anläßlich der "Konjunktur-Siegesmeldung" folgendes gepostet (Auszug), was vielleicht generell zum Verständnis derartiger Artikel hift:

    Wer aus den heutigen Medien Informationen gewinnen will ist genau so übel dran wie früher im Osten mit der Prawda bzw. Neues Deutschland etc... Vielleicht schlimmer noch, denn damals war den allermeisten Leuten klar, womit sie es zu tun hatten.

    Die Aufgabe unserer Medien (unter Zurhilfename der Statistiken) ist nicht die Information der Bevölkerung, sondern deren Lenkung entsprechend dem, was die Zentralplaner und Lobbies für richtig halten (Klartext: Propaganda/Manipulation). Das zeigt sich schon daran, daß die Medienlandschaft eines jeden Landes durch ein kleines Kartell (Zeitunge DE: Springer, Bertelsmann, Burda und die beiden Holtzbrincks) beherrscht und dominiert wird und selbst das noch weltweit von ein paar wenigen bedeutenden "Nachrichten-Agenturen" zentral "gefüttert" wird.

    Daher ist es wesentlich interessanter zu analysieren, warum die eine oder andere Medienkampagne gerade jetzt startet und wer ein Motiv dafür hat (und welches) - und weniger sich vom vermeintlichen "Informations"-Inhalt dieser Kampagne ablenken zu lassen.

  • Nunja, wenigstens verfügt Japan noch so etwas wie über eine Handelskultur.

  • Diesen Artikel haben wohl die Zentralbanken (und ihre Herren, die Regieungen und Banken) bestellt, die künftig, natürlich nur dem lieben Volk zuliebe, etwas mehr Geld drucken wollen (siehe Äußerung der BoE). Nur so, um den naiven Sparer etwas zu "erleichtern".
    Orwell sagt, Inflation ist gut, Preisstabilität ist schlecht und Schwarz ist Weiß und Weiß ist schwarz.
    Gelddrucken macht reich.
    Wirtschaftsredakteure nicken eifrig (und kaufen heimlich Gold)!

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