Geldpolitik
Neue Funktion für die EZB?

Der Euro macht die Märkte anfälliger für Paniken. Deshalb fordern viele Ökonomen, die EZB zum Geldgeber der letzten Instanz zu machen. Doch diese Aufgabe ist mit dem aktuellen Mandat der EZB nicht vereinbar:
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Seit dem 19. Jahrhundert ist es ein zentraler Grundsatz der Geldpolitik: Notenbanken sind der "Geldgeber der letzten Instanz" für private Banken - um zu vermeiden, dass eine Panik gesunde Geldinstitute in den Abgrund reißt.
Sollte die EZB eine ähnliche Funktion für Regierungen übernehmen? Einige Ökonomen machen sich dafür stark. Denn der Euro mache die Märkte für Staatsanleihen anfälliger für Paniken, weil sich die Euro-Länder in einer
Währung verschulden, die sie nicht selbst drucken können. Daher können sie nicht garantieren, dass sie zumindest den Nennwert der Schulden zurückzahlen. Dadurch könne es ähnlich wie bei einem Bankensturm zu sich selbst verstärkenden Abwärtsspiralen kommen. Eine lokale Krise kann schnell auf andere Länder übergreifen, wenn Investoren in Panik aus Staatsanleihen flüchten. Auch solvente Länder können dann Probleme bekommen.
Würde die EZB im Fall der Fälle als "Käufer der letzten Instanz" für Staatsanleihen agieren, könnte dieser Teufelskreis vermieden werden, argumentieren diese Ökonomen. Wahrscheinlich würde schon die glaubhafte Ankündigung die Märkte beruhigen.

Mit dem derzeitigen Mandat der EZB wäre so eine Politik aber nicht vereinbar. Die Notenbank hat den Auftrag, die Inflation zu bekämpfen - Staatshaushalte zu finanzieren ist ihr ausdrücklich verboten. Würde sie diesen Grundsatz über Bord werfen, dann wäre die Traditionslinie zur Bundesbank endgültig abgeschnitten. Die EZB geriete außerdem in Interessenkonflikte, wenn sie einen großen Teil der europäischen Staatsanleihen hielte. Denn jedes Mal, wenn sie die Leitzinsen erhöhte, würde sie automatisch den Wert ihres Anleihen-Portfolios schmälern. Das könnte ihre Entschlossenheit bei der Inflationsbekämpfung aufweichen.

Kommentare zu " Geldpolitik: Neue Funktion für die EZB?"

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  • Der Weg aus der Krise:

    Wir verkaufen die von de Netzwerkern im Standleitungsmanagment (QOS) eingekaufte umfunktionierte TRADING-Software an die Mediziner (Wenn die Fieberkurve der Aktie soundso sich außerhalb dieser oder jener Werte bewegt ein SMS an den Doc).

    Die Mediziner haben noch genug Geld studentsiche Jubelperser fürs demonstrieren zu bezahlen.

    http://www.whatsupgold.com/de/products/index.aspx
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nagios

    Alles eine Frage des Plugins/Sensors.

  • @Oeconomicus:
    Gerade an dem Punkt Lender of last Resort sieht man ja die Idiotie des Euros. Oder wenn man will, auch die verbrecherische Gemeinheit. Man muss Deutschland nur dazu bringen, die EZB drucken zu lassen.

    Dann kann der Wert der harten D-Mark per Gelddruck Maschine entwertet werden und unglaubliche Geldschöpfungsgewinne werden abgezogen.

    Aber per Target-2 geht das ja sogar NOCH viel einfacher. Target-2 ist ja wenn man so will, zur Zeit der Lender of UNLIMITED last resort.

    Target2 ist für mich der gröste Raubzug zu Friedenszeiten und legt den Pretext für den nächsten Krieg in Europa. Statt Superstaat bekommen wir vielleicht den Superkrieg.

    Siehe auch: http://www.querschuesse.de/target2-salden/

  • „Das heutige Papiergeldsystem ist das vielleicht größte methodische Verbrechen der Geschichte. Zentralbanken sind eine Erfindung der Planwirtschaft und unvereinbar mit einem freien Markt“ (Ferdinand LIps)

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