Geldspritze
Spanien will 60 Milliarden an Hilfsgeldern abgreifen

100 Milliarden Euro an Hilfsgeldern stehen von der EU für den angeschlagenen Bankensektor zur Verfügung. 60 Milliarden davon will die Regierung einsetzen. Weitere Unterstützung verspricht sich Spanien von der EZB.
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MadridSpanien will bis zu etwa 60 Milliarden Euro an Hilfsgeldern in die Banken-Rettung stecken. Diese Einschätzung äußerte Wirtschaftsminister Luis de Guindos in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der „International Herald Tribune“, das bereits am Donnerstag geführt worden war. Um die Notlage der spanischen Banken zu mildern, steht ein europäisches Hilfspaket für den Sektor von bis zu 100 Milliarden Euro bereit.

Einen vollständigen Antrag auf EU-Hilfen hat das Land nicht gestellt. Es musste zuletzt immer wieder steigende Kapitalkosten an den Finanzmärkten in Kauf nehmen. Zwei von der Regierung in Auftrag gegebene Studien hatten den Finanzbedarf des Bankensektors im Juni auf 62 Milliarden Euro beziffert. Madrid wartet nun noch auf Berichte der Banken.

Der Minister sagte außerdem, er gehe davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit Käufen spanischer Anleihen beginnen werde, um die finanziellen Nöte des Landes abzumildern. Dies heiße aber nicht, dass das Land seine Ziele für die Haushaltssanierung aus den Augen verliere. Ein Anleihekauf durch die EZB ist heftig umstritten. Vor allem Deutschland ist gegen eine solche Finanzierung von Staatsschulden durch die Zentralbank.

Bei den Banken setzt die Regierung auf eine strenger staatliche Kontrolle. Wie vorige Woche berichtet wurde, bereitet die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy eine neue Bankenreform vor. Dazu gehört nach einer Ankündigung von de Guindos die Einführung einer sogenannten „Bad Bank“, in der die faulen Immobilienkredite der Geldhäuser zusammengefasst werden sollen. Zuvor sollen allerdings noch Gespräche mit EU-Experten geführt werden.

Neben den Problemen im Bankensektor kämpft Spanien mit einer Rezession. Die Arbeitslosenrate liegt bei knapp 25 Prozent. Das spanische Statistikamt berichtigte am Montag zudem vorherige Angaben zum Wirtschaftswachstum des Landes. Demnach stieg das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um lediglich 0,4 Prozent und nicht um 0,7 Prozent wie zunächst angegeben. 2010 schrumpfte die Wirtschaft demnach um 0,3 Prozent und nicht um 0,1 Prozent.

Um das Vertrauen von Investoren zurückzugewinnen, hatte die Regierung in Madrid weitreichende Ausgabenkürzungen beschlossen. Angesichts der hohen Zinsen für spanische Staatsanleihen glauben Analysten jedoch zunehmend, dass Spanien einen Antrag auf Staatshilfen stellen muss. De Guindos sagte, diese Frage sei "noch völlig offen".

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • O-Ton Luis de Guindos
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    Der Minister sagte außerdem, er gehe davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit Käufen spanischer Anleihen beginnen werde, um die finanziellen Nöte des Landes abzumildern.
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    Und ich gehe davon aus, daß das erst dann passieren wird, wenn Spanien einen vollen Hilfsantrag stellt, und wenn die Zinsen für spanische Staatssanleihen weiter steigen oder trotz Sanierungserfolgen nicht fallen sollten.

    Mit derartigen plumpen Bettelversuchen tun sich die Spanier keinen Gefallen. Sie unterminieren die Glaubwürdigkeit ihrer Sanierungspolitik.

    ++++

    Die "Abmilderung der finanziellen Nöte" Spaniens wäre minimal: Angenommen, die EZB "drückt" die Zinsen für spanische Langläufer um drei Prozent, so würde das bei einem Ausfabevolumen von 50 Milliarden im Rest des Jahres gerade mal 1,5 Mrd. Euro pro Jahr ausmachen. Bei einem Staatsdefizit von 91 Milliarden 2011 ist das ein Klacks.

    Und daß die EZB jahrein, jahraus die Intervention aufrechterhält bildet er sich doch hoffentlich nicht ein.

    Spanien muß seine Wirtschaftsreformen und Haushaltskonsolidierung fortsetzen. Einen anderen Weg gibt es nicht.

    Erst wenn die Regierung in Madrid zeigt daß sie das eingesehen hat und der Einsicht Taten folgen läßt ist eine Beruhigung der Märkte für seine Staatsanleihen zu erwarten.

  • Gilt in Spanien eigentlich auch eine Gehaltsobergrenze für Bankversager, oder werden mit diesen 60 Mrd. noch ein paar Manager-Gehälter erhöht?

  • Kann man genau so gut in den Schredder werfen weil das die nächste Griechenlandgeschichte wird, bevor Italien und Frankreich folgen werden.

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