Geldwäsche
Italiens Steuerfahnder werden bei Galerien fündig

Im Kampf gegen die Steuerhinterzieher wählen italienische Steuerfahnder immer drastischere Methoden. Nun haben sie in einer konzertierten Aktion Kunstgalerien und Auktionshäuser überprüft - mit erstaunlichen Ergebnissen.
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MailandNach den Luxushotels, Diskotheken und Shopping-Meilen ist nun die Kunst an der Reihe. Italiens Steuerfahnder haben sich fast zeitgleich insgesamt 24 Kunstgalerien und Auktionshäuser vorgeknöpft und zwei von ihnen bereits geschlossen.

Wie die Finanzpolizei mitteilte, haben sie illegale Transaktionen in Höhe von 19 Millionen Euro festgestellt. Dabei ging es größtenteils- bei 14 Millionen Euro – um Verstöße gegen die Geldwäscherichtlinien, nach denen suspekte Zahlungen der Polizei gemeldet werden müssen. Bei drei Millionen Euro wurde das Gesetz, nach dem Cash-Zahlungen ab einer bestimmten Höhe verboten ist, nicht beachtet und bei weiteren zwei Millionen um klare Steuerhinterziehung.

Die jüngste Aktion reiht sich ein in die Serie spektakulärer Auftritte der Finanzpolizei. Zum Jahreswechsel platzten die Finanzpolizisten mitten in der Skisaison im Edel-Skiort Cortina in die Läden und Hotels. Und siehe da: kaum stand ein Polizist neben der Kasse, nahmen die Geschäfte auf einmal vier mal so viel ein, wie zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Es folgten Blitz-Aktionen in Mailands angesagten Diskotheken, in Roms Edel-Restaurants und auf den Shopping-Meilen in den verschiedenen Großstädten. Im August schließlich waren die Strandbäder, Eisdielen und andere Vergnügungseinrichtungen an Italiens Küste dran.

Auch die Fahrer von Luxusautos und Yachten müssen immer öfter damit rechnen, von den Steuerfahndern angehalten zu werden. Sie gleichen dann den Besitz der teuren Fortbewegungsmittel mit ihrer Steuererklärung ab. Nicht selten kommen dabei Situationen zutage, in denen sich die Menschen dem Fiskus gegenüber arm rechnen, sich dann aber dicke SUVs oder Sportwagen leisten. In den vergangenen Monaten haben aus diesem Grund schon Hunderte Porsche-Fahrer ihre Wagen ins Ausland verkauft. Und auch die Hersteller von Luxusautos klagen über eine rückgängige Nachfrage in Italien.

Italiens Premierminister Mario Monti hat sich die Bekämpfung der Steuerhinterziehung auf die Fahne geschrieben. Er hat auch keine große Wahl, wenn er die die ohnehin schon strauchelnde Konjunktur nicht komplett abwürgen will. Italien steckt schließlich mitten in der Rezession.

Um den Haushalt zu sanieren, hat Monti die Steuern schon heftig erhöht. Da die Italiener aber mit einer Steuerlast von mittlerweile 44 Prozent schon zu den am höchsten besteuerten weltweit gehören, kann er kaum noch mehr verlangen. Er muss also zusehen, dass alle zahlen. Denn das tun längst noch nicht alle Bürger: Die Schattenwirtschaft wird in Italien je nach Studie auf ein Fünftel bis hin zu einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts geschätzt, mit Spitzen im Süden von bis zu 70 Prozent. Die Regierung beziffert die entgangenen Steuern auf mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr.

Kunstgalerien gelten als klassische Orte für Geldwäsche oder generell Schwarzgeldverkehr, da der wahre Wert der Kunstwerke für den Fiskus nur schwer nachzuvollziehen ist. Während der Wert für Luxusautos nicht allzu sehr vom Listenpreis abweichen kann, kann der eines Bildes oder einer Skulptur um ein Vielfaches von dem eines anderen abweichen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Geldwäsche: Italiens Steuerfahnder werden bei Galerien fündig"

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  • @l.klement:
    Sie befinden sich im Irrtum.

    1.) Die STEUERquote in Italien liegt bei 29,4%! Siehe z.B. BMF:
    http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2012/08/Inhalte/Kapitel-5-Statistiken/5-1-15-steuerquoten-im-internationalen-vergleich.html

    Wenn der Autor z.B. die ABGABENquote gemeint haben (Italien ca. 42% in 2006) sollte, dann muss er auch dieses Wort verwenden. Insofern fehlt es an Lektorierung!

    2.) Die kumulierte Belastung für einzelne Personen oder Unternehmen ist im Hinblick auf die Kennzahlen Steuerquote oder Abgabenquote irrelevant. Wenn nur eine kleine Anzahl von Personen Steuern und Abgaben zahlt [z.B. weil die (kummulierten!)Freibeträge so hoch sind], ist die individuelle Belastung möglicherweise sehr hoch, nur die Steuerquote insgesamt kann trotzdem sehr niedrig sein!

    Insofern empfehle ich Ihnen und insbesondere "Rechner" die Lektüre eines Anfängerlehrbuchs zum Steuerrecht (z.B. den "Birk") oder alternativ die Nutzung von google und Wikipedia. (Terminologische) Klarheit und Wahrheit liegen beieinander!

  • Rechner tippt:
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    Was sie nicht sagen.
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    Danke Herr I.Klement, das Sie die Situation ausführlich klären und nicht wie "Rechner" den Vorschreiber einfach beleidigen und nichts erläutern. Das nenn ich nettiquette.
    Und danke für die info.

  • 'MIB' sagt
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    Lektoriert eigentlich niemand die Artikel? Die Steuerquote in Italien liegt bei 29,4% und nicht bei 44%!
    ----------------

    Was sie nicht sagen.

    Laut eurostat hatte Italien 2011 ein BSP von 1590,366 Mrd Euro, und Staatseinnahmen von 728,334 Milliarden. Was einen Anteil der Staatseinnahmen am BSP von 45,8% ergibt.

    Wie Sie auf Ihre "Steuerquote von 29,4%" kommen ist mir da ziemlich unklar.

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