Geldwäsche-Vorwürfe
Kreml angeblich in Commerzbank-Affäre verwickelt

In den Geldwäscheskandal um die Commerzbank soll ein Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin verwickelt sein: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main sieht in Kommunikationsminister Leonid Reiman einen möglichen Verantwortlichen für unsaubere Privatisierungsgeschäfte, in die auch die Commerzbank verwickelt sein soll.

HB MOSKAU. Reiman selbst lässt das bislang kalt. Deutschland ist weit weg. Von der russischen Justiz musste ein Politiker mit derart enger Bindung an den Kreml zumindest bislang keine Unannehmlichkeiten fürchten. Im Zusammenhang mit den Geldwäsche-Vorwürfe ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mehrere Commerzbank-Manager. Prominentester Verdächtiger ist Ex-Personalvorstand Andreas de Maizière, der vergangene Woche zurückgetreten war.

"Die Vorwürfe gegen Reiman sind doch in Russland seit langem bekannt", kommentiert ein Moskauer Analyst, der anonym bleiben möchte, die Nachrichten aus Deutschland. In den deutschen Ermittlungen spielt die russische Holding Telecominvest eine tragende Rolle. Das Unternehmen entstand 1994 auf Initiative von Reiman in Sankt Petersburg aus dem Zusammenschluss mehrerer staatlicher Telefongesellschaften.

Zwei Jahre später ging die Kontrollmehrheit an die in Luxemburg registrierte Firma First National Holding (FNH). Die Commerzbank führte für einige Jahre treuhänderisch die Geschäfte der FNH, angeblich im Auftrag des dänischen Rechtsanwalts Jeffrey Galmond. Der wiederum wird in Russland als Strohmann für Minister Reimann gehandelt. Galmond und Reiman sollen seit Anfang der 1990er Jahre befreundet sein. Eindeutige Beweise für eine Beteiligung Reimans gibt es nicht. Der Minister bestreitet, private Interessen im boomenden Telekommunikationssektor zu verfolgen.

In der russischen Wirtschaft gilt die ungeschriebene Regel, wonach die Geschäftsverflechtungen undurchsichtiger werden, je größer das Geschäft ist. Töchterunternehmen von Telecominvest setzten im Vorjahr mehr als zwei Milliarden Dollar (1,6 Mrd. Euro) um. Die Holding hält knapp ein Drittel der Aktien am drittgrößten Mobilfunkanbieter Megafon und besitzt zudem Telefongesellschaften und Internetprovider. Konkurrenten von Megafon beklagen, dass Reimans Ministerium sie bei der Vergabe der knappen Mobilfunk-Lizenzen benachteilige.

In den Biographien Reimans und des Ehepaars Wladimir und Ludmila Putin fallen Überschneidungen ins Auge. Sowohl der 52-jährige Präsident als auch der fünf Jahre jüngere Minister stammen aus St. Petersburg. Russische Zeitungen schreiben, Ludmila Putina, eine Philologin ohne ausgewiesene Wirtschaftskenntnisse, habe vor dem großen Karrieresprung ihres Mannes für Telecominvest in Petersburg gearbeitet oder aber die Repräsentanz in Moskau geleitet. Als Putin im August 1999 zum Regierungschef ernannt wurde, stieg Reiman noch im gleichen Monat zum Chef des staatlichen Komitees für Telekommunikation auf.

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