Gemeinsame Erklärung
Korea entspannt sich

Die Lautsprecher sind stumm. Südkorea beendet seine Propaganda gegen den Norden – mit Gesprächen soll der jüngste Konflikt nun beigelegt werden. Ist dies der Beginn einer neuen Annäherung innerhalb der getrennten Nation?
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TokioNach einem dreitägigen Verhandlungsmarathon haben Nord- und Südkorea die jüngste Krise vorerst beendet. In einer gemeinsamen Erklärung äußerte der Norden Bedauern über eine Minenexplosion, die die Eskalation Anfang August ausgelöst hatte. Südkorea wiederum versprach, die Propagandalautsprecher abzuschalten. Nordkorea sagte zu, den Semi-Kriegszustand aufzulösen. Darüber hinaus einigten sich beide Seiten darauf, wieder Familientreffen durchzuführen und den Kontakt von Bürgergruppen zu fördern.

Die Einigung in der Nacht zum Dienstag wurde weltweit mit großer Erleichterung aufgenommen. Militärische Zwischenfälle zwischen den koreanischen Staaten wie der Schusswechsel am Donnerstag voriger Woche bergen immer das Risiko einer ungewollten Eskalation. Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon hieß die Einigung „wärmstens Willkommen“.

Besonders hob der ehemalige südkoreanische Außenminister die Übereinkunft hervor, dass beide Seiten regelmäßig miteinander sprechen wollen. Er hoffe, „dass dies als Mechanismus dienen wird, wirksam mögliche Probleme zu managen, die auf der koreanischen Halbinsel entstehen könnten.“ Auch die Regierungen in den USA und in Japan lobten die Übereinkunft.

Analysten warnen zwar unisono, die Einigung nicht als Ende von Nordkoreas Provokationen aufzufassen. Doch der amerikanische Nordkorea-Experte Scott Snyder vom „Council for Foreign Relations“ schließt nicht aus, dass die Beilegung dieser Krise vielleicht einen Wendepunkt in den innerkoreanischen Beziehungen darstellen könnte.

„Mit dieser bescheidenen Vereinbarung haben beide Seiten gezeigt, dass sie sich aus einer Krise herausverhandeln können”, meint Snyder. Doch der Test, ob diese Einigung einen „wirklichen Wendepunkt“ handele, läge darin, ob die beiden Regierungen ihre Vereinbarungen einhalten und einen Dialog institutionalisieren könnten.

Genau dies hat die südkoreanische Regierung nun auch vor. Südkorea wolle versuchen, regelmäßige Treffen einzurichten, hieß es am Dienstag morgen. Allerdings liefert die jüngere Geschichte genug Gründe zur Vorsicht. Familientreffen wurden schon oft vereinbart – und wieder abgebrochen. Zumeist von nordkoreanischer Seite. Außerdem hat sich die Regierung unter der Familiendiktatur der Kims den Ruf erworben, Krisen zu inszenieren, um Verhandlungen, Zugeständnisse oder wirtschaftliche Hilfe zu erzwingen.

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