Gemeinsame Erklärung: Moslems verurteilen brennende Fahnen

Gemeinsame Erklärung
Moslems verurteilen brennende Fahnen

Die gewaltsamen Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen stoßen auch in der islamischen Welt auf Abscheu. Doch während ein iranischer Diplomat zu beruhigen versucht, kommt aus seinem Heimatland eine neue Provokation, diesmal gegen Israel.

HB NEW YORK. Mehrere internationale Organisationen haben die gewaltsamen Proteste verurteilt. In einer am Dienstagabend veröffentlichten gemeinsamen Erklärung riefen UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Chef der Organisation der Islamischen Konferenz Ekmelettin Ihsanoglu und EU-Chefdiplomat Javier Solana die Regierungen auf, Botschaften und Ausländer vor Angriffen zu schützen. Die Organisation der Islamischen Konferenz ist ein ein Zusammenschluss von annähernd 60 überwiegend islamischen oder islamisch geprägten Ländern, darunter Lybien, Ägypten und auch der Irak.

„Wir verstehen die tiefe Verletzung und weit verbreitete Verärgerung in der muslimischen Welt“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Die Schmerzen in der moslemischen Welt wegen der Karikaturen würden von all denen geteilt, „die die Empfindlichkeiten tief empfundener religiöser Überzeugungen anerkennen“, hieß es. Die beklagenswerten Angriffe auf diplomatische Vertretungen in Damaskus, Beirut und anderswo würden scharf verurteilt. „Der Angriff auf Leben und Eigentum kann nur das Bild eines friedlichen Islam beschädigen“.

Auch der iranische Botschafter in Wien, Seyed Mohsen Nabavi, verurteilte die gewaltsamen Proteste wegen der Mohammed-Karikaturen. Die in europäischen Zeitungen veröffentlichten Darstellungen des Propheten Mohammed rechtfertigten keine brennenden Flaggen und Angriffe auf diplomatische Vertretungen, sagte Nabavi der „Wiener Zeitung“.

Aus seinem Heimatland kommen jedoch weiterhin scharfe Töne. Der oberste Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, unterstützte die Proteste. „Diese Wut ist gerechtfertigt und sogar heilig. Sie wendet sich jedoch nicht gegen die Christen weltweit, sondern gegen einige diabolische Kräfte, die an dieser teuflischen Affäre beteiligt sind.“ Chamenei, der in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort hat, beschuldigte stattdessen Israel. Die Affäre um die Karikaturen sei eine „Verschwörung der Zionisten, um Spannungen zwischen Muslimen und Christen zu erzeugen“.

In den vergangenen Tagen war es in zahlreichen moslemischen Ländern zu Ausschreitungen gekommen, bei denen auch Botschaften europäischer Staaten angegriffen wurden. Die Krawalle richteten sich gegen Mohammed-Karikaturen, die zuerst im September in einer dänischen Zeitung veröffentlicht worden waren. Andere europäische Blätter – darunter auch „Die Welt“ – hatten die Zeichnungen vor Kurzem trotz der Proteste nachgedruckt, um damit das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit zu betonen. Im Islam gilt aber jede bildliche Darstellung des Religionsstifters als Gotteslästerung.

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